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Potsdam Geld geben war gestern
Lokales Potsdam Geld geben war gestern
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12:05 11.02.2015
Große Männer unterm Korb: Die VCAT-Geschäftsführer Nico Danneberg (l) und Patrick Schwalger (r) mit Steven Sticken, Vorsitzender derAbteilung Basketball im USV Potsdam.
Große Männer unterm Korb: Die VCAT-Geschäftsführer Nico Danneberg (l) und Patrick Schwalger (r) mit Steven Sticken, Vorsitzender derAbteilung Basketball im USV Potsdam. Quelle: Ilka Lehmann
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Potsdam

„Wir zusammengerechnet, für wie viele Projekte wir uns sozial engagieren“, berichtet Nico Danneberg, Geschäftsführer des Softwareentwicklers VCAT. Unterm Strich standen 13 Aktionen. Nico Danneberg ist Potsdamer. Wie auch sein Kompagnon Patrick Schwalger. Die beiden Geschäftsführer wollen in ihrer Heimatstadt etwas Gutes tun. Also gab es hier eine Weihnachtsspende, da ein Sponsoring und dann wieder einen Scheck. Das ist heute nicht mehr so. 

„Manchmal hatten wir das Gefühl, die Aktionen bringen nichts“, sagt Danneberg rückblickend. Die Firmenchefs haben ihr Handeln hinterfragt – und CSR für sich entdeckt. Das steht für Corporate Social Responsibility, bei der es um die gesellschaftliche Verantwortung von Firmen geht. „Damit ist kein Sponsoring gemeint“, erklärt Danneberg, „sondern ein gesellschaftliches Engagement, das sich an Unternehmenszielen orientiert“. VCAT braucht auf Dauer qualifizierte Fachkräfte – also engagiert sich die Firma in den Bereichen Bildung, Jugend und Sport. Nicht nur mit Geld, sondern vermehrt mit Leistungen, die die Kompetenzen des Unternehmens widerspiegeln. 

Beispiel: das Engagement für die Basketballer des USV Potsdam. Danneberg hat selbst mal für dieses Team gespielt. Heute betreut seine Firma den Server des Sportvereins, kümmert sich um die Website und die Social Media. Ohne dafür Rechnungen zu stellen. Der Vorteil solcher Leistungen liegt für den Unternehmer auf der Hand. Auch wenn es vielleicht in der Wirtschaft kriseln sollte, kann er die IT-Dienstleistungen weiter erbringen. Das gibt dem Sportverein Sicherheit. Ginge es dagegen nur darum, Geld für den guten Zweck zu geben, könnte eher der Rotstift angesetzt werden. 

Umgekehrt zieht auch die Firma ihren Nutzen aus dem Engagement. Einer der Basketballer studiert an der Technischen Universität Berlin Wirtschaftsmathematik und ist nun Werkstudent bei VCAT. Er passt ins Unternehmen. Fachlich und auch menschlich. Letzteres hat viel mit dem Mannschaftssport zu tun. Davon ist Danneberg überzeugt. In einer Mannschaft werde den Jugendlichen Teamverständnis und Sozialverhalten vermittelt, sie lernen den Umgang mit Niederlagen und Kritik, sie können besser mit einer Führung umgehen. Eine gewinnbringende Situation für alle Beteiligten – das ist für den Firmenchef gelungene CSR. 

Auf dem Weg dorthin hat er sich Hilfe geholt. Er nahm am Projekt CSR Regio.Net Potsdam teil, bei dem sechs mittelständische Unternehmen ein Coaching im Bereich der gesellschaftlichen Verantwortung der Wirtschaft bekommen haben. Und er hat den sogenannten Perspektivwechsel genutzt, um in fachlichen Austausch mit CSR-Experten der Fachhochschule Brandenburg zu treten. Der Perspektivwechsel ist ein jährlich veranstaltetes Projekt der Industrie- und Handelskammern (IHK) des Landes und des Brandenburger Wissenschaftsministeriums. Es bringt Unternehmer und Wissenschaftler der Region zusammen. Danneberg lernte so Andreas Wilms kennen, Vizepräsident der FH Brandenburg und als Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre ein ausgewiesener CSR-Experte. 

Ausbildung, Umwelt, Sport, das lokale Umfeld – es gebe viele Bereiche, in denen sich Firmen engagieren können, erklärt Wilms. Gelingt es ihnen dabei, die eigenen Kernkompetenzen einzubringen, hat das eine besonders starke Außenwirkung. Wilms: „Es wird deutlich, dass ein Unternehmen gewisse Inhalte mit besonderer Ernsthaftigkeit vertritt. Das erhöht die Glaubwürdigkeit.“ Sponsoring dagegen sei viel näher dran an der reinen Werbung. 

Genau das will Danneberg vermeiden. Bei der Werbung könne er als Mittelständler ohnehin nicht mit den Großen mithalten. Aber er kann Netzwerke aufbauen und sich mit nachhaltigem Handeln ins Gespräch bringen. Im vergangenen Jahr hatte er eine Stelle in der Firma ausgeschrieben. Binnen kürzester Zeit wurde die Ausschreibung von 1000 Leuten angeklickt – dank einer guten Verbreitung über soziale Netzwerke. Für Danneberg ist das auch ein Erfolg von CSR. Er empfiehlt jedem Unternehmer, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Wenn das mit fachlicher Hilfe passiert – umso besser. „Es ist extrem charmant, wenn Profs helfen, theoretisches Wissen aufs Unternehmerische runterzubrechen“, sagt Danneberg. 

„Am Ende ist es eben Wirtschaft“, meint er. Bei ihm gibt es für den guten Zweck gute Leistungen. Etwa für das Kindermusiktheater Buntspecht in Potsdam. VCAT hat kostenlos die Software für das Online-Ticketing der Buntspechte entwickelt. Das war ein großes Projekt für die drei Auszubildenden der Firma in den verschiedenen Lehrjahren. So funktioniert CSR. 

Die Verantwortung der Gesellschaft gegenüber

CSR bedeutet Corporate Social Responsibility. Der aus dem Anglo-Amerikanischen Raum stammende Begriff steht für „Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung“. Gemeint ist damit das freiwillige Engagement von Firmen für die Gesellschaft. Es geht um einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft. Das Thema hat an Bedeutung gewonnen.

„CSR meint alle Maßnahmen, die darauf abzielen, eine Wirkung im gesellschaftlichen Umfeld zu erzeugen“, sagt Andreas Wilms, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Brandenburg. Nicht selten sollen mit diesen Maßnahmen auch eigene Unternehmensziele erreicht werden wie das Einwerben von Auszubildenden und Fachkräften. Firmen schaffen damit auf langfristige Sicht Grundlagen für ihren Erfolg. so

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