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Potsdam Sozialistische Betonbauten aus Linoleum
Lokales Potsdam

Sozialistische Betonbauten aus Linoleum

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14:42 04.09.2020
„Split 3“ – ein Wohnviertel in der kroatischen Hauptstadt in der Interpretation von Tom Korn
„Split 3“ – ein Wohnviertel in der kroatischen Hauptstadt in der Interpretation von Tom Korn Quelle: privat
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Potsdam

Der Künstler Tom Korn ist fasziniert vom „Jugobeton“. So nennt er die Betonarchitektur, die im einstigen Jugoslawien seit den Sechziger Jahren errichtet worden ist. „Jugoslawien war weltweit führend im experimentellen Betonbau. Die haben Messezentren und Hotels mit Raumschiffcharakter gebaut. Einer der Höhepunkte war die Architektur für die Olympiade von Sarajewo 1984“, sagt Tom Korn.

Ausstellung in der Theaterklause öffnet Freitag um 18 Uhr

Vieles davon wurde im Jugoslawienkrieg zu Beginn der Neunziger Jahre zerstört, aber was noch steht, ist oft unverändert. Das Wohnviertel „Split 3“ in der kroatischen Hauptstadt etwa. „Es erinnert an Marzahn, ist aber viel humanistischer, hat sogar Zugang zum Meer und wird von den Menschen bis heute angenommen“, sagt Tom Korn.

Künstler Tom Korn kehrt mit der Ausstellung "Balkan by bus" nach Potsdam zurück Quelle: privat

Mit der Ausstellung „Balkan by Bus“ präsentiert er seine Eindrücke ab diesem Freitag in der Theaterklause. Die Eröffnung findet um 18 Uhr statt. Es ist Korns erste Einzelausstellung seit vielen Jahren in Potsdam. Der 52-Jährige hatte sich mit Siebdrucken und Teppichmosaiken in der Vergangenheit bereits umfangreich mit der Potsdamer Architektur der Ostmoderne auseinandergesetzt.

Vor über vier Jahren verließ er die Stadt. „Ich bin Wirtschaftsflüchtling. Potsdam ist mir zu schön und zu teuer geworden, da habe ich eine Alternative gesucht“, sagt Korn. Er lebt seitdem auf einem Bauernhof in Sachsen-Anhalt. Von der Auseinandersetzung mit städtischer Architektur hält ihn das nicht ab.

Das Sportzentrum in Pristina im Kosovo in der Interpretation von Tom Korn Quelle: privat

Eine Balkanreise im Homeoffice

Eigentlich wollte er die sieben Nachfolgestaaten Jugoslawiens in diesem Sommer bereisen, hatte eine Tour mit öffentlichen Bussen vom griechischen Piräus bis nach Hamburg geplant. Doch das fiel wegen der Corona-Pandemie aus – stattdessen machte er seine Studien im Homeoffice.

„Ich hab jeden Tag an dem ich eigentlich vor Ort gewesen wäre, die Stadt von oben mit Google Maps besucht, mich auf Wikipedia schlau gemacht und eine Zeichnung angefertigt. So war ich war trotzdem in Belgrad oder Novisad“, sagt er.

Eine kleine Arbeit zeigt das Siegerpodest von den Olympischen Winterspielen 1984 in Sarajewo. Quelle: privat

Das Material mit der falschen Holzmaserung simuliert den Beton

Neben dem fiktiven Reisetagebuch hat er Fotos der Architektur-Ikonen genutzt, um neue Bilder zu schaffen. Sein Material: Fußbodenbelag aus PVC. „Ich habe eine Reihe Musterplatten in Holzdekor verarbeitet. Das Material ist eigentlich eklig, so billiger Gummi für den Küchenboden, aber super zu verarbeiten“, sagt Korn.

Aus dem Linoleum mit der falschen Maserung schuf er kleinformatige Intarsienarbeiten. Darunter sind ein extravagantes Sportzentrum in Pristina im Kosovo zeigen, oder die Plattform für die der Medaillengewinner der olympischen Spiele in Sarajewo.

Am Freitag eröffnet um 18 Uhr Ausstellung „Balkan by Bus“ in der Theaterklause in der Zimmerstraße 10-11. Die Bilder sind bis zum 3. Oktober zu sehen.

Kalender zeigt Potsdams Architektur der Moderne

Von Peter Degener