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Potsdam Spezialisten für kleine Patienten unter einem Dach
Lokales Potsdam Spezialisten für kleine Patienten unter einem Dach
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18:58 21.03.2018
Professor Thomas Erler, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin (l.), und Steffen Grebner, Geschäftsführer des Bergmann-Klinikums. Quelle: Foto: Köster
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Potsdam

Klein Malte hat Senkfüße und mit der Aussprache hat der Junge auch Probleme, diagnostiziert die Amtsärztin bei der Schuleingangsuntersuchung. Direkt im Anschluss an den obligatorischen Besuch beim Gesundheitsamt kann die Mutter am Tresen im Eingangsbereich einen Termin beim Orthopäden und beim Logopäden vereinbaren. 2020 soll diese Rundum-Versorgung in Potsdam möglich werden: Die Landeshauptstadt plant gemeinsam mit dem Klinikum „Ernst von Bergmann“ ein Kindergesundheitshaus auf dem Klinik-Campus. Nicht nur das Gesundheitsamt soll in das Haus ziehen, sondern Fachärzte für junge Patienten, Therapeuten und Partner wie das Familienpaten vermittelnde Netzwerk gesunde Kinder oder Anbieter von Kinderyogakursen.

Die Idee ist schon einige Jahre alt

Die Idee eines Kindergesundheitszentrums geht auf einen Antrag der SPD-Stadtfraktion von 2014 zurück. Nun sei die Grundsatzentscheidung gefallen, den Plan umzusetzen, erklärte Sozialdezernent Mike Schubert (SPD) am Dienstag. Die konkreten Pläne für den Bau – eventuell können auch bestehende Gebäude mitgenutzt werden – sollen in diesem Jahr gefasst werden. Eine Projektgruppe aus Mitarbeitern der Stadtverwaltung und des Klinikums soll bis Anfang 2018 ein Konzept vorlegen. Kosten werden noch nicht genannt. Den Bau würde aller Vor­aussicht nach das Klinikum finanzieren, die Stadt mietet sich ein.

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Auf 2000 Quadratmetern soll sich alles um die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen drehen, so Klinikum-Geschäftsführer Steffen Grebner. Nach seinen Recherchen sei so ein Angebot nicht nur landes- sondern sogar bundesweit einmalig. „Alles unter einem Dach bedeutet kurze Wege für Kinder und Eltern“, sagt die SPD-Landtagsabgeordnete Klara Geywitz, die den Antrag damals als Stadtverordnete mit eingebracht hatte.

„Das Wissen im Bereich der Kindermedizin ist enorm gewachsen“, erläutert Professor Thomas Erler, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, die Grundidee. Das Kindergesundheitshaus als eine Art erweiterte Polklinik für Patienten bis 18 Jahre soll die ambulante Ergänzung zur Klinik sein, die in erster Linie für die stationäre Behandlung da ist. Chronisch kranke Kinder etwa, die entlassen werden, aber weiter Betreuung brauchen, können diese dann im Gesundheitshaus finden, erläutert Erler. „Das kann ein Ernährungs- oder Bewegungsspezialist sein.“

Dass das Gesundheitsamt mit einzieht, sei sehr sinnvoll, meint Erler. Es gehe dabei nicht nur um die Reihenuntersuchungen, bei denen das Klinikum ohnehin seit Längerem mit zwei Kollegen aushilft, sondern um direkten Kontakt zwischen Klinik, Arzt und Amt. „Eine alleinstehende junge Mutter hat ein behindertes Kind, das aus der Klinik entlassen wird“, nennt Erler ein Beispiel. Die Familie braucht dann vielleicht nicht nur einen Facharzt, sondern Sozialgeld. „Bislang klären wir solche Fragen mit den Mitarbeitern des Gesundheitsamtes telefonisch. Im persönlichen Gespräch geht das aber viel besser“, sagt der Chefarzt. Für die Mitarbeiter des Gesundheitsamts, die bislang in beengten Verhältnissen im sanierungsbedürftigen Haus 2 auf dem Verwaltungscampus in der Friedrich-Ebert-Straße untergebracht sind, verbesserten sich mit dem Umzug zudem die Arbeitsbedingungen, so Sozialdezernent Schubert.

Mehr junge Patienten

Steigende Einwohner- und Kinderzahlen machen sich auch in der Kinderklinik des Bergmann-Klinikums bemerkbar.

400 Kinder sind in früheren Jahren ambulant behandelt worden, inzwischen sind es pro Jahr 800 ambulante Fälle.

Auch die Kindernotaufnahme – die einzige im Land Brandenburg – verzeichnet Zulauf. Gestartet war sie mit 6000 Patienten pro Jahr, inzwischen sind es 18 000.

Von Marion Kaufmann

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