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Potsdam Stadt verzichtet auf Kita-Fläche
Lokales Potsdam Stadt verzichtet auf Kita-Fläche
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21:26 10.04.2019
Brache zwischen Ricarda-Huch-Straße im Kirchsteigfeld und der Konrad-Wolf Allee in Drewitz.
Brache zwischen Ricarda-Huch-Straße im Kirchsteigfeld und der Konrad-Wolf Allee in Drewitz. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Kirchsteigfeld

Die Stadt Potsdam verzichtet freiwillig auf eine für sie seit 1993 reservierte Gemeinbedarfsfläche im Kirchsteigfeld – weil es keinen Bedarf für eine größere Kita gebe, entsteht nach dem Willen der Stadt nur eine kleine Einrichtung. Auf etwa die Hälfte der reservierten Fläche sollen Wohnungen gebaut werden.

„Fahrlässiger Umgang“ mit dem Grundstück

Die dafür nötige Änderung des Bebauungsplans „Kirchsteigfeld“ wurde am Dienstagabend im Bauausschuss vorgestellt und stieß teils auf großes Unverständnis. „Es ist fahrlässig von der Verwaltung, so mit dieser Fläche umzugehen“, sagte der Stadtverordnete Michél Berlin (Linke). Auch Saskia Hüneke (Grüne) empfand es als „schwierig, angesichts der stadtweiten Debatte hier eine Gemeinbedarfsfläche zu verringern“.

140 Wohnungen entstehen an der Ricarda-Huch-Straße

Konkret geht es um den nördlichen, unbebauten Rand des Kirchsteigfelds. Zwischen der Ricarda-Huch-Straße und dem Priesterweg sollen nun Wohnungen gebaut werden. Der Elmshorner Bauträger Theodor Semmelhaack plant dort die Errichtung von 140 Wohnungen entlang der Straße. Direkt an der Straßenbahntrasse war von Beginn an eine knapp einen halben Hektar große Fläche für eine Kindertagesstätte vorgesehen.

Semmelhaack muss für wachsenden Bedarf an Kita- und Schulplätzen nichts zahlen

Das jetzt mit Semmelhaack ausgehandelte städtebauliche Konzept sieht allerdings eine Verkleinerung der für die Kita reservierten Fläche vor. Die Verwaltung führte im Bauausschuss aus, dass es keinen größeren Flächenbedarf für eine Kita im Planungsraum „Alt Drewitz/Kirchsteigfeld“ gebe und selbst die durch die neuen Bewohner zusätzlich nötigen zehn Grundschul- und neun Kitaplätze mit den vorhandenen Kapazitäten gedeckt werden könnten.

Aus dem gleichen Grund wird nicht nur die Gemeinbedarfsfläche kleiner – der Investor Semmelhaack wird deshalb auch nicht zur anteiligen Finanzierung dieser zusätzlichen Betreuungsplätze herangezogen, zu denen er eigentlich nach dem Potsdamer Baulandmodell verpflichtet wäre. Im Gegenzug entsteht auf der Fläche ein viergeschossiger Wohnriegel. Laut dem letzten Entwurf des städtebaulichen Konzepts ist mit Semmelhaack zudem ein „Verzicht auf die Spielplatzfläche“ vereinbart worden.

Langfristige Erweiterung des Kirchsteigfelds wurde nicht betrachtet

Auch östlich des Kirchsteigfelds werden derzeit Planungen für eine Erweiterung des Stadtteils vorangetrieben – allerdings in größeren Dimensionen. Entlang der Gewerbebrache an der Autobahn 115 sollen laut der dortigen Investoren bis zu 750 Wohnungen und 4500 Arbeitsplätze entstehen.

„Sind diese Entwicklungen beim Bedarf mitkalkuliert worden?“, fragte Nico Bauer (Die Andere). Die Antwort: „Die möglichen Änderungen des Bedarfs in diesem Bereich sind nicht betrachtet worden“, erklärte Viola Holtkamp, die in der Verwaltung für die Bauleitplanung verantwortlich ist. Dort sind allerdings eigene soziale Flächen vorgesehen. Die Stadt teilte auf Anfrage mit, dass auch der Bedarf an „anderer Nutzung“ geprüft wurde, aber kein Bedarf nachgewiesen werden konnte.

Bauausschuss stimmt der Planänderung trotz Bedenken zu

Stadtplanungschef Andreas Goetzmann verteidigte den Verzicht auf einen Teil der Gemeinbedarfsfläche: „Bedenken Sie, dass Sie bei Ablehnung und einem erkennbar nicht vorhandenen Bedarf in ein privates Grundstück eingreifen, um eine offensichtlich zu große Gemeinbedarfsfläche festzusetzen, weil Sie der Prüfung der zuständigen Fachdienststelle nicht vertrauen.“ Der Ausschuss stimmte schließlich der Auslegung der Bebauungsplan-Änderung und dem städtebaulichen Vertrag zu.

Von Peter Degener