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Potsdam Stadt plant Parkscheinsystem in „West“
Lokales Potsdam Stadt plant Parkscheinsystem in „West“
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18:03 06.06.2018
Das Parken in der Brandenburger Vorstadt ist mit „abenteuerlich“ noch recht milde umschrieben.
Das Parken in der Brandenburger Vorstadt ist mit „abenteuerlich“ noch recht milde umschrieben. Quelle: Rainer Schüler
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Brandenburger Vorstadt

Der 8.Mai 2018 muss ein guter Tag gewesen sein. Jedenfalls für Autofahrer in der Brandenburger Vorstadt. Die Stadtverwaltung ging an jenem Dienstag mittags und des nachts zum zweiten Mal in Monatsfrist auf Pirsch und zählte Autos an den Straßenrändern. Fazit: Es ist nicht so schlimm wie immer alle sagen.

Mittags zwischen 11.30 und 13 Uhr gab es im inneren Kiez noch freie Stellen, nur auf der westlichen Seite der Carl-von-Ossietzky-Straße war es schon wieder überfüllt: Hier waren auch die Parkverbote zugeparkt. An einem Teil der Geschwister-Scholl- und im letzten Abschnitt der Lennéstraße in Richtung Sanssouci lag die Auslastung sogar über 110 Prozent. 758 Autos hatte man gezählt.

Am Abend wächst der Parkdruck dramatisch an

Das sah am Abend jenes Tages schlechter aus: Zwischen 20.30 und 22 Uhr gab es in der westlichen (stadtauswärtigen) Ossietzky-, der ganzen Meistersinger-, der nördlichen Nansen- und der westlichen Sellostraße noch freie Plätze; alles andere war total überfüllt.

Die Carl-von-Ossietzky-Straße ist ab dem späten Nachmittag völlig zugeparkt. Quelle: Rainer Schüler

Die Erfahrung der Anwohner indes ist viel dramatischer: Egal an welchem Werktag - ab 18 Uhr ist in dem Altbaukiez alles zu spät, drehen Berufsheimkehrer umweltschädigend Runde um Runde und stehen am Ende doch im Parkverbot. 854 Autos hatte man gezählt. 1549 sind aber gemeldet im Kiez. 695 parken also irgendwo anders: in den Höfen oder außerhalb des Viertels.

Stadt erwägt neue Anwohnerparkzone, die erweiterbar ist

Die Stadt hält wegen der Nähe zur Innenstadt eine Parkscheinzone in der Feuerbach-, in der darin einmündenden Lenné-, in der Sello- und der Klara-Zetkin-Straße für machbar; sie hätte allerdings nur tags Effekte. In den anderen Straßen würden die Anwohner als Parkplatzberechtigte auch ohne Anwohnerzone „nachrücken“ und könnten Sondergenehmigungen kaufen, die nach Auskunft der Stadt in den bewirtschafteten Parkscheinstraßen das kostenlose Parken möglich machen – viel zu weit weg für Menschen aus den stadtauswärtigen Teilen dieses Viertels.

Sind die Nicht-Potsdamer das Problem?

Die Stadt versucht, den Verdacht der Bürger zu zerstreuen, es gebe allzu viele Fremdparker; die das Problem verschärfen. Man machte sich die Mühe, die Nicht-Potsdamer Autos zu erfassen, glich sie aber nicht in der Zulassungs- und der Meldestelle ab. So kann man auch nicht sagen, wie viele Kiezfremde dort wirklich parken.

Und selbst wenn die Verwaltung das wüsste, könnte es sein, dass ein nicht in Potsdam gemeldetes Auto trotzdem von einem Bürger aus der Brandenburger Vorstadt gefahren wird. Die Stadt räumt nämlich ein, dass viele Autos mit Fremdkennzeichen Firmenwagen in privater Nutzung sind. Auf diese Art könnte ein Haushalt auch drei Autos parken am Abend.

Ortsfremde Kennzeichen beweisen Fremdparken nicht

Dass die verdächtigen Auswärts-Kennzeichen allein kein Beweis für Ortsfremdheit sind, zeigte sich in der benachbarten Einwohnerbezirk 300 rings um den Köhlerplatz (früher Zimmerplatz.) Der ist tagsüber inzwischen parkscheinpflichtig für alle, die keinen Anwohnerschein haben. Das schreckte die Fremdparker ab, die nun offenbar ihr Glück im Nachbarkiez suchen. Anwohner sprechen von einem plötzlichen Anstieg des Parkdrucks, als die Anwohnerzone am Köhlerplatz kam. Dort, in Zone 300, ist plötzlich soviel Platz, dass die Stadt überlegt, wie man die Reserve für den Nachbarkiez erschließen kann, der normalerweise hier nicht parken darf. Bislang muss man dort von 8 bis 20 Uhr einen Parkschein ziehen; das nächtliche Parken ist also schwer. Wenn man die Ticketpflicht nur von 9 bis 189 Uhr hat, wird es leichter.

Jedes dritte Fremdkennzeichen gehört einem Anwohner

Bei den Inhabern der Sonderparkerlaubnis im Umfeld des Köhlerplatzes stellte sich Erstaunliches heraus: Ein Drittel dieser Autos ist nicht in Potsdam angemeldet, doch die Fahrer wohnen hier. Zuzügler müssen ihre Autos ja nicht mehr ummelden vom Heimatort.

Die Stadt geht also davon aus, dass dieser „legale“ Fremdkennzeichen-Anteil in den anderen Straßen mindestens ähnlich hoch ist. Das belegt die Mittagszählung des 8. Mai, als im größten Teil der Lenné- und in Abschnitten der Nansen- und der Meistersingerstraße 41 bis 73 Prozent Autos mit Nicht-Potsdamer Kennzeichen standen, in der Carl-von-Ossietzky- und der Sellostraße immerhin noch 31 bis 40 Prozent.

Zur Nacht sinkt der Anteil der Fremdparker, bleibt aber hoch

Abends zeigte sich am Zähltag, dass der höchste Anteil an Fremdkennzeichen mit 41 bis 50 Prozent nur noch auf einer Seite der südlichen Nansenstraße bestand. Aber die Klara-Zetkin, eine Seite der südlichen Carl-von-Ossietzky- und mehrere Abschnitte der Feuerbachstraße kamen noch auf 31 bis 40 Prozent Fremdkennzeichen des nachts. Fast das gesamte Viertel verzeichnete 21 bis 30 Prozent nicht in Potsdam zugelassene Autos.

Von Rainer Schüler