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Potsdam Stadtkanal: Das verbindet Potsdam mit Kiel
Lokales Potsdam Stadtkanal: Das verbindet Potsdam mit Kiel
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20:12 09.10.2019
Blick auf die Baustelle des neuen Stadtkanals, der zurzeit in Kiel gebaut wird. Quelle: Rehder/dpa
Potsdam

„Die Idee war ein Kanal, der die alte Verbindung zwischen Havel und Havel wieder herstellt“, erzählt Ludwig Obermeyer. Wenn er am Schreibtisch sitzt, trennen den Chef vom gleichnamigen Ingenieurbüro in der Berliner Vorstadt Luftlinie nur ein paar hundert Meter von einem seiner wichtigsten Referenzprojekte. Die Rede ist natürlich vom Potsdamer Stadtkanal.

Ludwig Obermeyer ist Professor für Ingenieurwesen, Quelle: Johanna Apel

Das Ingenieurbüro Obermeyer war mit der Planung seiner teilweisen Wiederherstellung zwischen Tiefem See und Heilig-Geist-Straße vertraut. Das Besondere: Die Ingenieure haben nicht nur mit ehemaligen Gewässern in Potsdam Erfahrung. Derzeit sind sie auch in einer anderen Landeshauptstadt mit dem Bau einer kleinen Wasserstraße betraut worden.

Potsdamer Ingenieure auch in Kiel aktiv

Auch im schleswig-holsteinischen Kiel planen sie die Rekonstruktion eines ehemaligen Stadtkanals. Dieser soll zwischen dem Kleinen Kiel, einem Parksee am Rande der Altstadt und dem sogannten Bootshafen, einem künstlichen See nahe an der Kieler Förde, verlaufen. Das Gebiet zwischen der Kieler Altstadt und dem Bahnhof soll einen Stadtkanal bekommen. Bis dato sei dort einfach eine große, „wenig einladende“ Fläche gewesen, so Obermeyer weiter. Früher habe es dort schon einmal einen kleinen Entwässerungskanal gegeben.

Kieler Innenstadt soll durch Stadtkanal verschönert werden

So kam es, dass die Potsdamer Ingenieure, bereits mit Stadtkanalplanung vertraut, sich für das Projekt interessierten. Den dazugehörigen Planungswettbewerb konnten sie als Arbeitsgemeinschaft zusammen mit den Berliner Landschaftsarchitekten BGMR für sich entscheiden. Mit im Boot seien außerdem die Büros Masuch und Olbrisch (Verkehrsplanung) sowie IFB Frohloff Staffa Kühl Ecker (Tragwerksplanung). Der Kanal mit 1,50 Meter Wassertiefe soll unter anderem kleine, begehbare Inseln beherbergen.

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Seine Länge wird 170 Meter betragen, wobei es keine direkte Verbindung zu den beiden Gewässern gibt. Geflutet wird der Kanal – anders als in Potsdam – allein mit Hilfe von Pumpen. Am 3. Oktober, als Kiel den Tag der Deutschen Einheit ausrichtete, sei ein Teil des Ufers und der Gehwege bereits fertig gewesen für die Feier. Endgültig abgeschlossen sein soll das Projekt Anfang bis Mitte nächstes Jahres, sagt Obermeyer.

Teile des Potsdamer Stadtkanals sind freigelegt

Zurück nach Brandenburg: Wie steht es mittlerweile um den Potsdamer Stadtkanal? Dort hatte das Ingenieurbüro im Jahre 2002 die Planung übernommen. Während die Ingenieure rund um Obermeyer für die technische Seite verantwortlich waren, kümmerte sich die Gruppe Planwerk um die Gestaltung. 2007 habe man angefangen, sich von Osten ausgehend westwärts durchzuarbeiten. Erst wurden Probebohrungen vorgenommen, 2009 begann der eigentliche Ausbau, bis 2011 war der Abschnitt bis kurz hinter der ehemaligen Kellertorbrücke – Höhe Heilig-Geist-Straße – fertig. Heute fließt dort Havelwasser hinein und wird mit Hilfe einer Umwälzpumpe in Bewegung gehalten.

Der Kanalbau sei durchaus nicht immer einfach gewesen, erinnert sich Obermeyer: „Die Mauer musste insgesamt saniert werden.“ Sie war fast vollständig vorhanden, aber der Kanal war zugeschüttet gewesen. Damit Teile freilegt werden konnten, mussten Fehlstellen ersetzt und ganze Teile der Mauer mithilfe von Stützen und Pfählen neu aufgebaut werden.

Der Potsdamer Stadtkanal ist auf einem Teilstück bis zur früheren Kellertorbrücke wieder mit der Havel verbunden. Die 130 Meter bis danin sind sogar bootstauglich. Eine Umwälzpumpe bewegt das Wasser. Juli 2011 Foto:MAZ/Bernd Gartenschläger Quelle: MAZ

Parallelen zwischen Potsdam und Kiel?

Insofern kann das Potsdamer Büro nun Erfahrung mit zwei Stadtkanälen vorweisen. Kann man Parallelen sehen?Immerhin hatte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) den Vergleich mit Kiel selbst ins Spiel gebracht, als er die vollständige Rekonstruktion des Potsdamer Stadtkanals als Ziel ausrief. Er war am 3. Oktober dort, um sich vor Ort über das Projekt zu informieren.

Der Potsdamer Stadtkanal

Im Jahr 1673 wurde von Kurfürst Friedrich Wilhelm ein Stadtgraben in Potsdam angelegt. 1722 wurde dieser begradigt und vertieft.

Im Zweiten Weltkrieg wurde er stellenweise zerstört. Nach kleineren Rekonstruktionen wurde der Stadtkanal in den 1960er Jahren zugunsten der neuen Stadtgestaltung zugeschüttet.

1990 gab es erste symbolische Arbeiten für eine Wiederöffnung. Das erste Teilstück in der Yorckstraße wurde zur Buga 2001 rekonstruiert. Bis 2011 folgte der Abschnitt zur Kellertorbrücke. Bis zur kompletten Wiedereröffnung werden wohl noch 30 Jahre vergehen.

Zunächst sei der Kieler Kanal nicht nach historischem Vorbild entstanden, erklärt Ingenieur Hans Vargas vom Obermeyerschen Büro, der am Kieler Projekt mitwirkt. Während es in Kiel keine direkte Verbindung des Kanals zu den Gewässern gibt, sei in Potsdam in Fragen wie dieser noch „alles offen“. Man könnte durchaus Konzepte und Ideen aus Kiel aufgreifen. Auch könne man am Beispiel der Ostsee-Stadt sehen, wie ein fertiger Kanal eine Stadt verschönern und zur Qualität des Ortes beitragen kann.

Das Ingenieurbüro hat Potsdam mitgestaltet

Die sieben Ingenieure und zwei Mitarbeiter haben das Stadtbild Potsdams auch an anderen Stellen geprägt. So habe man etwa bei der Bundesgartenschau 2001 das Havel­ufer im Nuthepark umgestaltet und dort auch die Nuthebrücke geplant. Obermeyer erinnert sich, wie er zudem die Wassertechnik im Lustgarten plante, beispielsweise für das Neptunbecken. Für die unlängst zu Ende gegangene Landesgartenschau in Wittstock/Dose lieferte das Ingenieurbüro Brücken und kleinere Stege.

„Oft laufen mehrere Aufträge parallel“ erklärt Obermeyer. Auch Vargas erklärt, dass es durchaus einiges an Planung brauche, um die Auftragslage im Blick zu halten. Dabei betont Obermeyer die Kollegialität im Büro, in dem es viel gegenseitige „Unterstützung“ gebe. Seit das Büro im Jahr 1996 in Potsdam ansässig ist, sind einige Projekte entstanden. Auch lassen sich dadurch Trends abzeichnen. „Wasserspielplätze“ so Obermeyer, habe bis vor einigen Jahren nie entworfen, in den vergangenen fünf Jahren dafür umso mehr.

Von Johanna Apel

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