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Potsdam Stadtpalais soll Sonnendeck erhalten
Lokales Potsdam Stadtpalais soll Sonnendeck erhalten
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09:31 13.11.2014
Das Stadtpalais mit Karstadt als Hauptmieter ist bereits eines der höheren Gebäude der Innenstadt. Quelle: Julian Stähle
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Innenstadt

Es ist ein neues Kapitel im Potsdam-Dauerbrenner: Sichtachsen, Sichtbeziehungen, Stadtbilder. Diesmal geht es im Clinch zwischen Hütern des Welterbes und Antagonisten um eines der prominentesten Gebäude in der Innenstadt: um das „Karstadt-Palais“ an der Brandenburger Straße, das unter anderem eine Filiale von Bio-Company und DM beherbergt. Und künftig möglicherweise eine Edel-Ertüchtigungsstätte auf dem Dach. Geplant ist eine Dachterrasse mit Yogadeck, Strandkörben und einer Sauna. Diese soll in einer Glaskonstruktion residieren – Weitblick über die barocke Innenstadt inklusive.

Das Leibes-Eldorado ist als Teil eines Fitnessstudios gedacht, das dann auch die vierte, bislang noch leer stehende Etage des Gebäudes ausfüllen wird: „Es gibt einen Mietinteressenten“, erklärte der Geschäftsführer der KKL Consulting GmbH, Guido Wodetzki, gestern auf Nachfrage. Die KKL Consulting verwaltet die Immobilie für den Eigentümer, einen Immobilienfonds. Was jetzt noch fehlt, ist das Baurecht für die Dachanlagen.

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Denkmalschützer: Sichtbeziehungen werden beeinträchtigt

Doch das neue Sauna-Gebäude in luftiger Höhe macht nicht jeden froh. Sowohl das Landesamt für Denkmalpflege als auch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) hätten Bedenken angemeldet, hieß es am Dienstagabend im Bauausschuss. Frank Kallensee, Sprecher der Schlösserstiftung, bestätigte dies am Mittwoch: „Sichtbeziehungen werden durch diesen Plan der Aufstockung beeinträchtigt.“ Und zwar gleich mehrere zwischen wichtigen Landmarken: Vom Pfingstberg-Belvedere hin zum wiederaufzubauenden Turm der Garnisonkirche, von der Generalseiche im Park Babelsberg und vom Normannischen Turm auf dem Ruinenberg zur Kuppel von St. Nikolai.

Betroffen wären darüber hinaus auch die Sichtbeziehung vom Winzerhaus Sanssouci zum Turm von St. Peter und Paul sowie von der Terrasse Schloss Sanssouci zum Turm der Seniorenresidenz am Standort der zerstörten Heilig-Geist-Kirche. Aus Sicht der Stiftung sind diese Sichtbeziehungen aus den Gartenanlagen auf herausragende architektonische Dominanten im Stadtbild „unverzichtbar“, so Kallensee. Erschwerend komme hinzu, dass es sich um das Gebiet der barocken Stadterweiterung handle.

Stadtverwaltung sieht keine Beeinträchtigung

Die Stadtverwaltung sieht hingegen keine Beeinträchtigung der Sichtbeziehung gegeben, hieß es im Bauausschuss. Baudezernent Matthias Klipp (Bündnisgrüne) sprach sich eindeutig für die Aufstockung des Gebäudes und die damit einhergehende mögliche Vermietung der vierten Etage aus. „Der Leerstand einer Etage könnte Auswirkungen auf den Bestand des Hauses haben“, sagte er unter Verweis auf die derzeit laufenden Standort-Diskussionen im Karstadt-Konzern. Das Argument ist ein indirektes – schließlich ist Karstadt nur Mieter in der Immobilie und machte bislang sein Schicksal nicht von der leer stehenden Etage abhängig.

Was die Größe des geplanten Sauna-Baus auf dem Dach angeht, darüber gibt es anscheinend unterschiedliche Faktenlagen. Während KKL-Consulting-Geschäftsführer Wodetzki von „einem kleinen Gebäudekörper“ mit 150 Quadratmetern Fläche spricht, der wegen der Glaskonstruktion zudem kaum ins Auge fallen würde, sieht man die Sache bei der Schlösserstiftung etwas anders. Schließlich sei auch die „partielle Aufstockung“ flächenmäßig keine Kleinigkeit. Von der Optik her entspräche dies der Grundfläche von drei barocken Stadthäusern.

Bei der Stiftung zeigte man sich gestern gesprächsbereit. Sollte es keine Einigung geben, würde es voraussichtlich zum Ministerentscheid kommen.

Von Ildiko Röd

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