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Potsdam Stadtteilarbeit gegen die soziale Spaltung
Lokales Potsdam Stadtteilarbeit gegen die soziale Spaltung
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15:42 04.09.2018
Bereichsleiter Gregor Jekel hat das Konzept federführend erarbeitet. Quelle: Peter Degener
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Potsdam

Die Stadtteilarbeit in Potsdam soll neu aufgestellt werden, um die wachsende soziale Spaltung aufzufangen. Die Verwaltung hat am Dienstag ein erstes Gesamtkonzept für die soziale Arbeit in den Quartieren vorgestellt, das am Mittwoch auch den Stadtverordneten vorgelegt wird. Es geht auf einen Beschluss der Stadtverordneten vom März 2017 zurück und wurde maßgeblich durch Gregor Jekel, den Bereichsleiter Wohnen in der Stadtverwaltung, erarbeitet.

„Stigmatisierung ganzer Adressbereiche“

„Die Folgen sozialer Segregation können bis zur Stigmatisierung ganzer Adressbereiche und der Verringerung von Berufs- und Teilhabechancen ihrer Anwohnerschaft reichen“, schreibt er – aus eigener Kraft könnten die Anwohner sich außer durch Umzug aus einem „Kreislauf der Exklusion“ nicht mehr befreien.

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Ein Nachbarschaftshaus allein löst die Probleme nicht

„Es gibt keine Blaupause, wonach die Lösung ein Nachbarschaftshaus für jeden Stadtteil wäre, denn es gibt ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Wir müssen von den Anwohnern her denken“, sagt Jekel. Die Umsetzung des Konzepts müsse mit den Akteuren vor Ort geschehen, mit denen konkrete Ziele für die einzelnen Stadtteile erarbeitet werden sollen. Als Musterstadtteile sollen laut Jekel der Schlaatz, Bornstedt und das noch entstehende Krampnitz dienen.

Mit Hilfe einer sogenannten Nachbarschaftskartierung soll im nächsten Jahr vor Ort überhaupt herausgefunden werden, was Anwohner als ihren Stadtteil begreifen – in welchem Radius sie sich aufhalten und welche Wegebeziehungen relevant sind.

Lebensqualität hängt von Infrastruktur vor Ort ab

Neben den vielen Akteuren, die unabhängig von der Stadtverwaltung vor Ort den Zusammenhalt organisieren, hängt laut Jekel die Lebensqualität in den Stadtteilen „von Entscheidungen über die Schaffung, den Erhalt oder die Schließung von öffentlicher Infrastruktur vor Ort ab.“

Bestimmte Sozialberatungen sollen laut Jekel künftig nicht nur im Rathaus sondern vor Ort stattfinden. Auch regelmäßige Stadtteilkonferenzen sieht das Konzept vor. Innerhalb der Verwaltung wiederum soll umstrukturiert werden, um den Vor-Ort-Initiativen und Sozialträgern die Zusammenarbeit mit der Verwaltung einfacher zu machen.

Ein Beirat für Stadtteilarbeit soll gegründet werden

Ein langfristiges Ziel ist die Schaffung eines neuen Beirats für Stadtteilarbeit. Dieser könnte mit den sozialen Trägern der Stadtteilarbeit vor Ort, den Wohnungseigentümern, Bürgerinitiativen, Bewohnern und der Verwaltung besetzt sein. Bis Mitte 2019 muss über erste Maßnahmen entschieden werden, damit sie im kommenden Doppelhaushalt 2020/21 auch finanziell unterfüttert werden können.

Von Peter Degener