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Potsdam Starke Frauen bei Lit:Potsdam 2021: Sharon Dodua Otoo, Mithu Sanyal und Ingrid Noll sind zu Gast
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Starke Frauen bei Lit:Potsdam 2021: Sharon Dodua Otoo, Mithu Sanyal und Ingrid Noll sind zu Gast

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15:07 20.04.2021
Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo und Krimi-Königin Ingrid Noll lesen in Potsdam.
Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo und Krimi-Königin Ingrid Noll lesen in Potsdam. Quelle: dpa
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Potsdam

Um ihre Romane kommt man derzeit kaum herum: Sharon Dodua Otoo und Mithu Sanyal haben mit ihren Büchern „Adas Raum“ und „Identitti“ den literarischen Frühling geprägt – im Juni werden sie nun beim Potsdamer Literaturfestival Lit:Potsdam zu Gast sein. Das teilten die Veranstalter am Montag mit.

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Rund 20 Autorinnen und Autoren zu Gast

So es Corona zulässt, wird das Festival in diesem Jahr vom 1. bis 6. Juni unter dem Motto „Ausnahmezeit - Verstand und Gefühl“ stattfinden, rund 20 Autorinnen und Autoren werden in 15 Lesungen, Vorträgen und Gesprächen zu erleben sein. Tickets für die Veranstaltungen sind ab Montag, 19. April 2021, ab 19 Uhr unter www.litpotsdam.de buchbar.

„Wir leben in einer Ausnahmezeit. Verstand und Gefühl sind das, was wir brauchen, um damit fertig zu werden“, sagt Karin Graf, künstlerische Leiterin von Lit:Potsdam. Die neunte Ausgabe des Literaturfestivals sei anders als alle zuvor und doch so, wie Lit:potsdam sein möchte. Einen Writer in Residence wird es auf Grund der Pandemie in diesem Jahr nicht geben, ob der anderen angekündigten Namen muss man deswegen allerdings nicht verzweifeln.

Krimi-Königin Ingrid Noll kommt nach Potsdam

Unter anderem wird Ingrid Noll zu Gast in Potsdam sein und aller Wahrscheinlichkeit aus ihrem neuen Buch „Kein Feuer kann brennen so heiß“ lesen. Darin erzählt sie von Altenpflegerin Lorina, die in der Villa Alsfelder die Geheimnisse der Reichen und Schönen erfährt. Noll gilt als eine erfolgreichsten Autorinnen der deutschen Spannungsliteratur. Die 85-Jährige ist für ihre Werke schon mehrfach ausgezeichnet worden, ihre Bücher „Die Apothekerin“ und „Die Häupter meiner Lieben“ sind prominent besetzt verfilmt worden.

Zu Gast sein wird auch die 1981 geborenen Melanie Raabe, ebenfalls eine erfolgreiche Krimiautorin, die unter anderem mit dem Deutschen Kurzkrimipreis ausgezeichnet wurde. Es sei an dieser Stelle positiv erwähnt, dass Lit:Potsdam mit der Einladung von Melanie Raabe, Sharon Dodua Otoo und Mithu Sanyal mit dem Vorurteil bricht, die deutschsprachige Literaturszene werde nur von weißen Autor:innen geprägt.

Diversität und Identität steht im Fokus

Genau um die Fragen der Identität, Definitionen und Zuschreibungen geht es auch beim Treffen von Bachmann-Preisträgerin Otoo und Kulturwissenschaftlerin Sanyal, die ganz in der Tradition von Lit:Potsdam einen Abend gemeinsam bestreiten. Sharon Dodua Otoo erzählt in ihrem ersten Roman „Adas Raum“ von Ada, die hier zeitliche und räumliche Grenzen überschreitet. Sie lebt in Ghana, in England und in der deutschen Hauptstadt, erlebt das 16. Jahrhundert und das 19. Jahrhundert.

Mithu Sanyal hat bereits 2009 mit ihrem Sachbuch „Vulva – die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts“ für Aufmerksamkeit gesorgt, in ihrem ersten Roman „Identitti“ geht sie vor allem der Definition von Identität auf den Grund. Sie erzählt darin von der Studentin Nivedita, die sich plötzlich damit konfrontiert sieht, dass ihre Lieblings-Professorin Saras­wati nur vorgab eine Person of Color zu sein und in Wirklichkeit weiß ist. Sanyals Roman ist hoch aktuell, voll mit politisch-gesellschaftlichen Diskussionen und Argumenten, die den Kopf zum Rauchen bringen – ein anstrengendes Buch, aber eines, dessen Lektüre sich lohnt.

"Adas Raum" von Sharon Dodua Otoo und "Identitti" von Mithu Sanyal. Quelle: Sarah Kugler

Daniel Kehlmann stellt seine „Zukunftsrede“ vor

Und auch die anderen literarischen Veranstaltungen von Lit:Potsdam versprechen spannend zu werden: Grimme-Preisträgerin Julia Friedrichs soll mit dem Kolumnisten und Schriftsteller Harald Martenstein über Klassengesellschaft und Gerechtigkeit diskutieren. Kabarettist und Autor Eckart von Hirschhausen und der Ko-Leiter des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) Johan Rockström wollen für ein stärkeres Bewusstsein der Klimakrise streiten.

Bestsellerautor Daniel Kehlmann – der übrigens auch schon Writer in Residence bei Lit:Potsdam war – spricht in seiner „Zukunftsrede“ über die spannungsvolle Beziehung von Kunst und künstlicher Intelligenz. Um die Magie der Gefühle kreist dann die Lesung der Bachmann-Preisträgerin Helga Schubert und des Bestsellerautors Bernhard Schlink.

Der Autor Daniel Kehlmann. Quelle: Arne Dedert/dpa

Lutz Seiler eröffnet das traditionelle Bücherfest

Das Brandenburgische Bücherfest soll in diesem Jahr Lutz Seiler eröffnen, der in Wilhelmshorst lebt und sowohl mit dem Deutschen als auch mit dem Leipziger Buchpreis ausgezeichnet wurde. Der Dokumentarfilmer und Kurator Jens Arndt wird außerdem einen literarischen Spaziergang durch den Babelsberger Park anbieten. Auch die traditionelle Festveranstaltung im Park der Villa Jacobs ist laut den Veranstaltern erneut geplant, der Name des Ehrengastes soll in den nächsten Tagen bekannt gegeben werden.

Das Kinder-, Jugend- und Schulprogramm gestaltet auch in diesem Jahr wieder der Potsdamer Autor Martin Klein. Erwartet werden die Bestsellerautorin Alice Pantermüller, die Kinderbuchautoren Rüdiger Bertram und Simak Büchel sowie der Bilderbuchkünstler Jens Rassmus. Der Dramatiker und Schriftsteller Juri Sternburg und die Journalistin und Autorin Nina Damsch laden zum Abend über Deutschrap ein. Darüber hinaus sind vom 25. Mai bis 11. Juni mehr als 30 Veranstaltungen in rund 20 Brandenburger Schulen geplant, unter anderem mit Sabine Ludwig, John von Düffel, Sven Stricker, Katrin Bongard, Kinderbuch-Illustrator Karsten Teich sowie Grit Poppe, die für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2021 nominiert ist.

Doe Potsdamer Schriftstellerin Grit Poppe mit ihrem neuen Buch „Verraten“. Quelle: Bernd Gartenschläger

Neue Tagung: „Schreiben und Publizieren im digitalen Zeitalter“

Bereits am 31. Mai, also einen Tag vor Beginn des Literaturfestivals soll die Tagung „Schreiben und Publizieren im digitalen Zeitalter“ stattfinden, die von der Agentur Werkside entwickelt wurde. Prominente Autor:innen und Expert:innen aus Verlagen und Medien kommen nach Potsdam, um zu diskutieren, wie die Digitalisierung die Buch- und Pressebranche verändert, heißt es von den Veranstaltern. Die Teilnahme an der Tagung ist kostenfrei, es wird aber um Anmeldung per E-Mail an konferenz@litpotsdam.de gebeten.

Unter anderem sind Schriftstellerin und Übersetzerin Zoë Beck, Torsten Casimir, Chefredakteur des Börsenblatts des Deutschen Buchhandels, Christian Ehler, Mitglied des Europäischen Parlaments, Voland & Quist-Geschäftsführerin Karina Fenner, Peter Krauss vom Cleff, Präsident des Europäischen Verlegerverbands und künftiger Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, die „Welt“-Redakteurin Hannah Lühmann, die „Ocelot“-Buchhändlerin und Podcast-Betreiberin Maria Christina Piwowarski, Katrin Schumacher, Redaktionsleiterin Literatur trimedial in TV, Hörfunk und Internet, der Autor, Blogger und Schauspieler Schlecky Silberstein sowie der langjährige Intendant des Bayerischen Rundfunks Ulrich Wilhelm angekündigt.

Von Sarah Kugler