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Potsdam Dürrekünstler auf der Freundschaftsinsel
Lokales Potsdam Dürrekünstler auf der Freundschaftsinsel
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15:00 27.04.2019
Staudenbasar auf der Freundschaftsinsel 2019: Karin Schievelbein kauf sich eine Sukkulente. Quelle: Rainer Schüler
Innenstadt

Für die Dürre-Künstler unter den Pflanzen ist jetzt die beste Zeit: Kakteen, Sukkulenten, Mose. Bei genau diesem Wetter wachsen sie am besten“, sagt Gartenbauingenieur Ekkehard Seifert aus dem Friedrichspark in Marquardt: „Die haben in der Winterzeit und im Hochsommer Wachstumspause und legen im Frühling schnell zu, bei bedecktem Wetter und mäßiger Wärme.“ Gießen sei dann besonders wichtig, später nicht mehr so.

Seifert hat am Samstag und Sonntag einen Verkaufsstand beim 28. Staudenbasar auf der Potsdamer Freundschaftsinsel, der nach Auskunft von Ex-Inselgärtner Jörg Näthe zum Ende der DDR ins Leben gerufen wurde und gegenüber Berliner Märkten entscheidende Vorteile hat: Eingebettet in ein Gartendenkmal ist er, überschaubar, familiär, eintrittsfrei. Neben diversen Stauden-, Nutz- und Heilpflanzenständen wird gebastelt und Kuchen gegessen. Am Inselcafé spielt jemand Saxophon, am Samstagnachmittag steht ein kleines Gitarrenkonzert an.

Staudenbasar auf der Freundschaftsinsel 2019: Ekkehard Seifert präsentiert eine blüphende Parodia. Quelle: Rainer Schüler

Das Interesse an den „Wüstenpflanzen“ wächst, sagt Seifert und weiß doch nicht, warum. Vielleicht weil die langsamwüchsigen Kakteen und Sukkulenten ihren Pflegern über die Jahre so ans Herz wachsen. „Wer einen Kaktus über Jahrzehnte groß zieht, gibt ihn nicht so schnell weg“, glaubt Seifert. Natürlich gebe es auch eine Menge Leute, die nicht warten wollen und gleich richtig große, auch betagte Kakten wollen und sich schnell Ersatz besorgen, wenn sie mangels Pflege eingehen. Die meisten Hobbygärtner wollen aber ihre Pflanzen wachsen sehen, auch wenn es lange dauert.

Der Staudenbasar der Freundschaftsinsel bietet viel mehr als Stauden: auch Kakteen, Sukkulenten, Heil- und Tee-Kräuter, Kunst, Kaffee und Kuchen. Offen ist am Samstag und Sonntag.

Karin Schievelbein (76) nimmt sich bei ihm eine Sukkulente mit, deren Blätter so orange gerändert sind wie ihr Haar. Sie und ihr Mann haben im Garten ihres Mietshauses ein Gewächshaus mit etwa drei Quadratmetern solcher Pflanzen, etwa 200, der größte Kaktus reicht ihnen bis zur Hüfte und war schon über 20 Jahre alt, als sie ihn bekamen in den 80ern. Wer sehr große Kakteen sein Eigen nennt, hat Pflanzen, die schon 200 bis 300 Jahre leben, sagt Seifert.

Mini-Pflanzen für den Setzkasten

Manche mögen besonders die nur fingerhutgroßen Kakteen und Sukkulenten, die gerne auch in Mini-Gewächshäuser oder gläserne Setzkästen gestellt werden. Carola Höse aus Groß Kreutz hat sich dafür etwas ganz Besonderes geschaffen: einen gemauerten Miniaturgarten mit Treppchen und Puppenstubentöpfchen, um die 300 Euro teuer, denn es ist alles Handarbeit.

Staudenbasar auf der Freundschaftsinsel 2019: Der Miniaturgarten von Carola Höse aus Groß Kreutz. Quelle: Rainer Schüler

Sie schwört auf die Hauswurz-Arten unter den Sukkulenten, die fast auf jedem Boden wachsen und fast keine Pflege brauchen: „Aber mit Gießen werden sie natürlich viel viel schöner! Auf Taglilien schwört sie, weil die extrem pflegeleicht sind, Hitze mögen und prachtvoll blühen, wenn sie in dieser Phase gut Wasser bekommen. Alles ist bei ihr auch online zu erwerben.

Kunst darf nicht fehlen

Ein paar Meter weiter bietet Peter Wegener (55) Zeichnungen und Gemälde an. Der frühere Repro-Techniker der Märkischen Allgemeinen und heutige Gärtner findet die meisten seiner vorwiegend maritimen Motive auf Hiddensee, wo er regelmäßig ist. Über die Insel hat ein kleines Buch geschrieben und illustriert: Eine Vogelscheuche geht auf Wanderschaft. Zu kaufen gibt es das das Buch auf Hiddensee, vielleicht auch noch bei Wist auf der Brandenburger Straße.

Staudenbasar auf der Freundschaftsinsel 2019: Peter Wegener ist Gärtner und Maler, er hat ein Buch über Hiddensee geschrieben und gemalt. Quelle: Rainer Schüler

Immer unterwegs auf der Freundschaftsinsel ist Jörg Näthe (65); der Staudenbasar ist ja sein „Baby“. Näthe ist schon seit 1972 auf der Insel und war von 1981 bis 2013 Inselgärtner. Heute leitet er den Verein Freunde der Freundschaftsinsel e.V., der den Basar in Kooperation mit dem Bereich Grünflächen der Landeshauptstadt Potsdam ausrichtet. Näthe liebt die Insel ungebrochen, hat abger auch zunehmend Angst um sie: „Die Liegewiese ist eine Liegenlassenwiese“, kritisiert er die durchgehende Unachtsamkeit der Jugendlichen, die nachts auch im abgeschlossenen Teil der Insel herumlungern und saufen; auch der Drogenhandel sei ein Problem, sagt er, doch niemand tue was dagegen. „Die Gärtner verlassen die Insel um 16 Uhr; dann erst kommen die jungen Leute und die Flüchtlinge, die sich in nationalen und religiös gemeinsamen Gruppen an verschiedenen Ecken der Insel sammeln. Schlägereien gibt es immer wieder; auch eine Vergewaltigung wurde schon angezeigt, begangen im nachts verschlossenen Inselteil.

Auch am Sonntag geöffnet

Der Basar ist an beiden Tagen dieses Wochenendes von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die Gäste erwartet ein bunter Frühlingspflanzenmarkt mit Stauden- und Blumenzwiebelraritäten, Gewürz- und Aromapflanzen, frischen Kräutern für den Küchengarten sowie Gräsern, Bodendeckern und Kleingehölzen für jeden Geschmack. Ebenso gibt es Sukkulenten und Kakteenkulturen für Sammler, seltene Kübelpflanzen und winterharte Farne, Wald- und Schattenpflanzen.

Der Staudenbasar der Freundschaftsinsel bietet viel mehr als Stauden: auch Kakteen, Sukkulenten, Heil- und Tee-Kräuter, Kunst, Kaffee und Kuchen. Offen ist am Samstag und Sonntag.

Von einheimischen Arten für naturnahe, insektenfreundliche Pflanzungen bis zu alten Gemüsesorten, einem großen Fuchsiensortiment, Beet- und Balkonpflanzen und ausgewählten Stauden von der Freundschaftsinsel werden die Besucher ein großes Angebot finden. Außerdem gibt es an beiden Tagen Gartenführungen; dazu trifft man sich am Schwanentorhaus. 11 Uhr führt der heutige Inselgärtner Thoralf Götsch, ab 13 Uhr sein Vorgänger Jörg Näthe

Angebote für jedermann

Rund um die Themen Garten und Natur können sich die Gäste auf der Insel von Fachleuten beraten lassen, sich zu Gartengestaltung und Pflanzenpflege oder auch über die Imkerei informieren. Kunsthandwerk, ein Bücherstand, Bastelangebote für die jüngeren Besucher und eine Ausstellung mit Malerei von Brigitta Patschan runden das Angebot weiter ab.

Nicht fehlen darf natürlich das kulinarische Angebot, das wie immer im Inselcafé zu finden ist, in diesem Jahr bereichert mit einem Stand von Udo und Ute vor dem Ausstellungspavillon, an dem grüne Kräuter-Smoothies gereicht werden. Vor allem aber wird wieder im Schwanen-Torhaus an dem traditionellen und legendären Kuchenbuffet des Vereins Freunde der Freundschaftsinsel mit leckeren selbstgebackenen Köstlichkeiten aufgewartet.

Von Rainer Schüler

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