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Potsdam Staudenhof-Kunst kommt auf den Friedhof
Lokales Potsdam Staudenhof-Kunst kommt auf den Friedhof
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19:32 23.11.2018
„Sitzendes Mädchen“ von Jürgen von Woyski im August 1980 im Staudenhof.
„Sitzendes Mädchen“ von Jürgen von Woyski im August 1980 im Staudenhof. Quelle: Potsdam Museum//Heinz Gerard
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Innenstadt

Die für das Staudenhof-Ensemble geschaffenen Skulpturen von Jürgen von Woyski (1929-2000) sollen nun auf dem Neuen Friedhof aufgestellt werden. Das hat Kultur-Fachbereichsleiterin Birgit-Katharine Seemann am Donnerstagabend im Kulturausschuss bekannt gegeben.

Die „Stehende unter Baldachin“ soll demnach auf den Vorplatz der großen und der kleinen Feierhalle kommen. Der „Pflanzenturm“ bekommt einen Platz zwischen den Pflanzen und Gehölzen im Garten der Erinnerung. Das „Sitzende Mädchen“ soll mit Blick zum „Sternengarten“ platziert werden, als würde es „die Kindergräber bewachen“, so die Fachbereichsleiterin.

Jürgen von Woyski schuf die drei Plastiken um 1975 für das damals neue Staudenhof-Ensemble. Die Figuren wurden vor dem Abriss der Parkanlage demontiert und in einem Depot des Grünflächenamtes auf dem Neuen Friedhof zwischengelagert.

Als neuen Platz für die Plastiken empfahl der von Verwaltung und Kommunalpolitik beauftragte Beirat für Kunst im öffentlichen Raum nach Prüfung diverser Varianten zunächst die Freundschaftsinsel, auf der sich bereits etliche Kunstwerke mit DDR-Provenienz befinden.

Die von der Verwaltung bevorzugte Lösung am Ufer des Bootshafens stieß jedoch auf scharfe Kritik beim Fachbeirat Freundschaftsinsel um den ehemaligen Inselgärtner Jörg Näthe und dem früheren Stadtkonservator Andreas Kalesse.

„Blu“ als „Backgrund nicht besonders ansprechend“

Der Kulturausschuss beauftragte den Beirat deshalb im Frühjahr dieses Jahres erneut mit einer Prüfung vorzugsweise des Neuen Lustgartens, der Wiese am Neubau der Landesinvestitionsbank an der Neuen Fahrt und dem Vorplatz des Sport-und Freizeitbades „Blu“. Alle drei Varianten fielen durch, das „Blu“ unter anderem, weil der „Background nicht besonders ansprechend“ sei, so Seemann.

Bekannt gab sie bei der Gelegenheit, dass mit dem Spielbrunnen von Christian Roehl (1940-2013) ein anderes Kunstwerk für den Vorplatz des „Blu“ favorisiert wird. „Die Geschäftsführung der Bäderbetriebe“, so Seemann, „bevorzugt thematisch und künstlerisch den Spielbrunnen und plant Sitzgelegenheiten rund um den Brunnen aufzustellen und zu gestalten.“

Der Spielbrunnen von Christian Roehl soll zum „Blu“ umgesetzt werden. Quelle: Katalog Kunst im öffentlichen Raum

Angefertigt hatte der Metallkünstler die Edelstahlskulptur 1994 für die Einmündung Hertha-Thiele-weg/Promenadenweg an der „Rolle“ im Stadtteil Drewitz. Mitte 2015 wurde der Brunnen im Zuge des Umbaus von Drewitz zur Gartenstadt abgebaut. Laut Rathaussprecher Markus Klier befindet sich der Spielebrunnen derzeit in der Restauratorenwerkstatt von Thorsten Theel in Stahnsdorf.

Der Neue Friedhof war schon nach der ersten Sondierungsrunde ein im Beirat gemeinsam mit der Freundschaftsinsel favorisierter Platz für die Skulpturen. In der am Donnerstag von Seemann vorgetragenen Begründung hieß es dazu unter anderem, der Friedhof sei ähnlich wie der Staudenhof ein „angelegter intimer Gartenbereich“ als „Ort zum Verweilen und Entspannen“.

Ex-Stadtkonservator: „Warten wir auf bessere Zeiten“

Die Friedhofslandschaft werde bereichert, das Vandalismus-Risiko sei im Gegensatz zu den übrigen geprüften Standorten „sehr gering“. Der Kulturausschuss bestätigte die Empfehlung des Beirats bei einer Gegenstimme (Karin Schröter/Linke).

Kritik kam nach der Sitzung von Ex-Konservator Andreas Kalesse: Jürgen von Woyskis Plastiken waren „immer auf den Raum bezogen, für den sie geschaffen wurden“, sagte er am Freitag: „Die Potsdamer Werke für den ehemaligen Staudenhof sind keine Friedhofsplastiken, sondern sie waren für einen strengen innerstädtischen Raum vorgesehen. Nun sollen sie umgedeutet werden, was eigentlich schon allein aus künstlerischen Grundsätzen her, außerordentlich fragwürdig ist.“

Kalesses Empfehlung: „Warten wir also auf bessere Zeiten, in denen man mehr Verständnis für die ,DDR-Moderne’ aufbringen wird und hoffen, dass sie bis dahin wenigstens gut verwahrt werden.“

Von Volker Oelschläger