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Potsdam Staudenhofplastiken kommen auf die Insel
Lokales Potsdam Staudenhofplastiken kommen auf die Insel
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01:15 09.03.2019
Die „Sitzende“ von Jürgen von Woyski im Oktober 1978 im Staudenhof.
Die „Sitzende“ von Jürgen von Woyski im Oktober 1978 im Staudenhof. Quelle: Michael Hübner
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Innenstadt

Überraschende Wendung im Streit um einen neuen Platz für die Plastiken des abgetragenen Staudenhof-Ensembles. Nach letztem Stand sollten die 1978 von Jürgen von Woyski geschaffenen Skulpturen „Stehende unter Baldachin“, „Sitzendes Mädchen“ und Pflanzturm übergangsweise auf dem Neuen Friedhof aufgestellt werden. Mittelfristig sollte die Stadt einen Platz in der historischen Mitte nahe dem früheren Standort finden.

Nach einer offenkundigen Abstimmungspanne in der Stadtverordnetenversammlung kommen die Skulpturen nun aber doch auf die Freundschaftsinsel, obwohl ihre Aufstellung dort nach massiven Protesten von Denkmalpflegern und Gartenfreunden bereits zu den Akten gelegt worden war.

Die „Stehende unter Baldachin“ in einer Aufnahme vom November 1993. Quelle: Bernd Gartenschläger

Auf die Freundschaftsinsel sollten die Figuren auf Empfehlung des Beirats für Kunst im öffentlichen Raum, weil dieser Platz in der Nähe ihres ursprünglichen Standortes sei und sich auf der Insel schon andere DDR-Kunstwerke befinden. Nach der Warnung von Denkmalpflegern und den Freunden der Freundschaftsinsel vor einer Kunstflut brachten der Beirat und die Verwaltung als Alternative den Neuen Friedhof.

Das sorgte für Protest im linken Lager. Sinngemäß hieß es, DDR-Kunst solle auf dem Friedhof entsorgt werden. Die Linke brachte im Kulturausschuss ein Angebot zur Güte, nach dem die Plastiken übergangsweise auf dem Neuen Friedhof aufgestellt, später aber in die rekonstruierte Stadtmitte in Nähe zu ihrem ursprünglichen Platz zurück versetzt werden sollten.

Als Problem in der Stadtverordnetensitzung erwies sich, dass nur ein Ursprungsantrag zur Freundschaftsinsel und ein Änderungsantrag der Linken zur Abstimmung standen. Der Neue Friedhof als die von der Verwaltung und dem Beirat favorisierte Variante war nicht extra festgeschrieben worden.

Der Pflanzenturm in einer Aufnahme vom Juni 1980, im Hintergrund das damalige Haus des Reisens. Quelle: Annelies Jentsch

Die bürgerlichen Fraktionen mit SPD, CDU/ANW und Grünen lehnten den Änderungsantrag der Linken ab, bestätigten aber den Ursprungsantrag. Damit aber war nicht nur das Karree zwischen Altem Markt und Platz der Einheit, sondern auch der Neue Friedhof aus dem Rennen. Das Rathaus hat das am Mittwochabend auf MAZ-Nachfrage bestätigt.

Nach dem mit der bürgerlichen Mehrheit gefassten Stadtverordnetenbeschluss sollen die Plastiken nunmehr im zweiten Quartal dieses Jahres in der Nähe des Bootshafens der Freundschaftsinsel an der Alten Fahrt aufgestellt werden. Kostenpunkt: 40.000 Euro.

Von Volker Oelschläger