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Potsdam Stillstand im Villenpark Groß Glienicke
Lokales Potsdam Stillstand im Villenpark Groß Glienicke
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14:24 12.03.2018
Bernd Wolfgang Steuten Quelle: MAZ
roß Glienicke

Es war ein Auftakt mit Pauken und Trompeten, den Bernd Wolfgang Steuten am 14. Oktober 2010 hinlegte: Gleich zwei Landesminister, Potsdams Oberbürgermeister und Baubeigeordneter und sonstige Prominenz hatte der Hamburger Investor (Eucon AG) aufgefahren, um den Startschuss für den „Villenpark Groß Glienicke“ zu geben. Ausgewiesenes Ziel: Bis 2015 auf 25 Hektar zwischen Potsdam und Berlin 250 Villen zu bauen – für „Besserverdienende wie IT-Manager oder Rechtsanwälte“, so Steuten damals. Die Visite von Sportminister Holger Rupprecht (SPD) hatte er sich durch eine 50.000-Euro-Trikot-Spende für dessen Handballverein gesichert.

Von den hochtrabenden Ankündigungen ist wenig übrig geblieben. Dreieinhalb Jahre später stehen auf dem ersten von fünf Baufeldern erst 21 Villen, die anderen 229 in 21 Monaten zu errichten, dürfte sportlich werden. Auch haben sich ganz normale Bürger dort angesiedelt, nicht nur „Besserverdienende“. Die Straßen sind – anders als in einer vermeintlichen Edel-Gegend zu vermuten – eng. Man kann aus jedem Küchenfenster bestens beobachten, was der Nachbar heute so kocht.

In zahlreichen Broschüren dient Steuten die Groß Glienicker Villen als Investment an. Seinen Flyern zufolge könne mit Miet-Einnahmen von monatlich 1733 bis 2415 Euro pro Villa gerechnet werden. Die Rating-Seite „Invest-Report“ vergab allerdings die schlechteste Note E für Anleger. Ebenso die Rating-Agentur GUB, die älteste am deutschen Markt: Sie warnt vor einem Investment im Park, weil „offen bleibt, wie weit die Gesamtrealisierung und -finanzierung des Projektes ist.“ Das schließe eine positive Bewertung aus, so die Anlageprofis.

Auch dass Bernd Wolfgang Steuten an das Grundstück, das zuvor der Berliner Immobilientochter Gewobag gehörte, „wie die Jungfrau zum Kinde“ kam, wie er schreibt, darf bezweifelt werden: Die Steuerfahndung entdeckte bei ihm im Dezember 2012 nämlich einen Zettel in den Unterlagen zum Villenpark, auf dem „Schmiergeld: 500.000 Euro“ stand. Seither ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft, die diesen „Glücksfall“ ausgesprochen „dämlich“ von Steuten fand, gegen einen Gewobag-Mitarbeiter und einen Vermittler wegen des Verdachts der Bestechung und der Bestechlichkeit. Immerhin erfuhr so die Öffentlichkeit auch den Kaufpreis für das Areal: 18 Millionen Euro. In der Presse verteidigte sich der Vermittler mit den Worten, Steuten habe kein „Schmiergeld“, sondern ein „Vermittlungshonorar“ gezahlt, der Staatsanwalt habe das „missverstanden“. Das Verfahren laufe noch, sagte Justizsprecher Martin Steltner am Freitag der MAZ.

Der Verkauf beinhaltete auch, dass die Gewobag für Steuten das Gelände mit Straßen, Rohren, Laternen, Bäumen und Rasenflächen erschloss. Das ist bislang für die ersten beiden Baufelder geschehen. Auf denen stecken auch schon überall „Verkauft“-Schilder, die zumindest ein kleines Konjunkturpaket für den am Rande ansässigen Schilderdrucker bedeuten. „Dass die Flächen wirklich verkauft sind, bezweifelt hier jeder“, sagen Anwohner und die Mitarbeiter vom Kommunalen Immobilienservice und dem Landesumweltamt, die vis-à-vis zum „Villenpark“ sitzen.
Bernd Wolfgang Steuten scheint indes den Mut nicht zu verlieren. In seiner Image-Broschüre platzt er vor Selbstlob. „Ohne Vision geht es nicht. Bernd Wolfgang Steuten hat sein Ziel stets deutlich vor Augen – und es wird wunderschön“, sagt dort Steuten über Steuten. Eine Presse-CD suggeriert, der Villenpark läge quasi direkt zwischen Brandenburger Tor und Sanssouci, statt in einem für Ortsunkundige kaum zu findenden Areal zwischen Berlin und Potsdam. „Ich persönlich erreiche den Kudamm in 18 Minuten, verrät Steuten augenzwinkernd“, sagt ebenfalls Steuten über Steuten in der Werbung, bevor er sich selbst fragt: „Wer ist der Mann, der all dies möglich macht? Bernd Wolfgang Steuten bleibt gern im Hintergrund. Er weiß, wovon er spricht, er ist souverän, gelassen, hat Humor ... der Villenpark wird sein Meisterstück.“ Und warum das alles? „Jeder Mensch versucht, irgendetwas in der Welt zu hinterlassen, wenn er mal gegangen ist. Ich denke, der Villenpark könnte etwas sein, von dem man in ein bis zwei Generation sagen wird, da war mal ein Herr Steuten, der hat das hier alles entwickelt.“

Dass der bescheidene Investor gern im Hintergrund bleibt, können Medienprofis nicht bestätigen. Er war schon unfreiwillig in diversen TV-Sendungen zu Gast: Bei Sandra Maischberger wurde er am 15. Oktober 2013 zugeschaltet, weil er in Bad Fallingbostel (Niedersachsen) sogenannte Schrottimmobilien an Menschen als Altersvorsorge verkauft hatte – mit dem Hinweis, dass die dort wohnenden britischen Soldaten ihre Mietverträge vom Bund stets auf zehn Jahre verlängert bekämen. Doch die Streitkräfte ziehen 2015 ab, und dann droht Leerstand, weshalb 35 Käufer auf Rückabwicklung geklagt haben – deren Anwälte sind wegen eines Referenzurteils des Bundesgerichtshofes sehr zuversichtlich. Die Internetseite Schrottimmobilien-Betrug.de recherchierte sogar 50 Geschädigte. Steutens Firma habe die Wohnungen für rund 40000 Euro gekauft und nur wenige Wochen später zum mehr als Dreifachen weiterverkauft, ohne werterhöhende Investitionen vorgenommen zu haben, ist dort zu lesen. Steuten widerspricht schriftlich, man habe um- und ausgebaut. „Die Haftung des Geschäftsführers gründet sich darauf, dass er selbst bereits seit den 1980er Jahre als Verwalter der Wohnanlagen tätig war und somit deren Wert und die ... Diskussionen um die Folgen des britischen Truppenabzugs genau kannte“, schreibt die Rechtsanwaltskanzlei, die die Seite betreut. Auch die Sendung „Panorama“ berichtete über den Fall Bad Fallingbostel.

Leider war Bernd Wolfgang Steuten zu all den Vorwürfen für die MAZ nicht zu erreichen. Seine Pressestelle nahm nie den Hörer ab, in seinem Hamburger Büro hieß es, er sei auf einem Richtfest, seine Handynummer dürfe man nicht herausgeben. Laut Werbeschild sind im Baufeld eins 93 Prozent der Flächen verkauft, im Baufeld zwei 42 Prozent. Außer Schildern gibt es aber keinen Beleg.

Der damalige Ortsvorsteher Peter Kaminski (Linke) hat es kommen sehen: Am Rande der furiosen Grundsteinlegung im Oktober 2010 sagte er der MAZ, er glaube nicht an einen Erfolg des Projektes. Zum einen liege die Waldsiedlung zu abgelegen, zum anderen erscheine ihm der Investor doch „etwas windig“.

Stefan Raab und der Bürstenmann

Die mediale Präsenz Steutens in Sendungen wie „Panorama“ und „Menschen bei Maischberger“ wegen seiner dubiosen Immobilien- und Anlagegeschäfte rief auch Spötter auf den Plan.
So machte sich der Moderator Stefan Raab in seiner Sendung „TV Total“ mehrfach, zuletzt am Donnerstag, über die eigenwillige Frisur des Investors lustig – Steuten trägt eine Glatze und an den Seiten weit abstehendes Haar, weshalb Raab ihn als „Bürstenmann“ verspottete.
In der Sendung vom 17. Oktober 2013 stellte Raab die Frisur mithilfe einer Badekappe und zweier Handfeger nach. Die Aufzeichnung gehört zu den meistabgerufenen Clips in dem an Spott und Hohn nicht armen TV-Total-Archiv.

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