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Potsdam „Problemviertel“: Potsdamer schreiben Schlaatz-Hymne gegen Vorurteile
Lokales Potsdam „Problemviertel“: Potsdamer schreiben Schlaatz-Hymne gegen Vorurteile
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01:16 28.06.2019
(v.l.) Nele und Jenny tanzen zur Schlaatz-Hymne am Bürgerhaus. Bettina Franke , Finn , Sylvia Swierkowski , Liam , Sascha Vergin , und Alexander Frehse sorgen für die Musik. Quelle: Stefan Gloede
Potsdam

„Asozial und dumm, im Leben nichts erreicht“ – so ist ein verbreitetes Klischee vom Schlaatz und seinen Menschen. Diese Zeile singt am Dienstagnachmittag Sylvia Swierkowski (Die Partei) am Bürgerhaus in Schlaatz. „Über einen Kamm geschert, alles Vorurteil“, heißt es weiter in dem frisch geschriebenen Lied, das in den nächsten Wochen zur Hymne des Viertels werden soll. Und diese entsteht mit den Anwohnern vor Ort.

Die Ideen zu den Zeilen kommen von den Menschen, die in dem Stadtteil wohnen. Sie sitzen mit Sylvia Swierkowski im Kreis. „Was soll noch rein?“, fragt sie die Gruppe. Zur Antwort dichten sie keine Verse, aber erzählen aus ihren Leben. Mindestlohn, hohe Miete, Kindergeld und Hartz IV. Bis eine Anwohnerin zur ersten Zeile des Tages inspiriert: „Wir sind nicht asozial und dumm!“, sagt sie. Ganz im Gegenteil: Ihre Tochter wurde in der Schule zur besten Schülerin gekürt.

Selbstbewusstsein statt Scham

Im Schlaatz kennt man sich. Man weiß, wie viele Menschen aus allen Berufsgruppen dort wohnen. Selbstbewusst spricht über seinen Kiez aber kaum jemand. „Ghetto, Platte, Brennpunkt – ihr zeigt mit dem Finger auf uns“, heißt es in dem Refrain der Schlaatz-Hymne, die Ende Juli veröffentlicht wird. Es ist ein Gefühl, das viele im Plattenbau teilen.

„Die Menschen hier können ruhig selbstbewusster – stolz und mit geschwellter Brust – nach außen treten“, erklärt Sylvia Swierkowski die musikalische Aktion. Sie hofft, dass die Gespräche und das Komponieren den Menschen hilft, die eigene Situation und die eigene Identität positiver zu sehen.

Hymne gegen Vorurteile

Dafür räumt das Lied auch mit Vorurteilen auf: „Hier kann ich sein, wie ich bin, durchgeknallt und durch den Wind / Einzigartig, wie wir sind“, heißt es zu Balladenklängen auf Sascha Vergins Gitarre.

Mehr aus dem Schlaatz:

Ein bisschen aus der Platte gefallen wirken die im Kreis sitzenden und singenden Menschen dann schon. Aber eine Frau bestätigt die besungene Toleranz: „Für uns ist das ganz normal. Im Schlaatz ist alles normal“, erklärt die 34-Jährige. Sie freut sich darüber, dass mit dem Lied auch die Kinder aus dem Schlaatz eine Stimme in der Politik bekommen.

Denn „Die Partei“ will mit der Aktion vor den Landtagswahlen Aufmerksamkeit in den Schlaatz bringen – und natürlich Stimmen fangen. „Hier hat die AfD über 20 Prozent erreicht. Wir wollen eine Alternative sein“, sagt Swierkowski. Die stärkste Partei im Schlaatz ist aktuell aber die Linke.

Auch Sie können eine Stimme im Song bekommen. Auf dieser Website können Sie Fragen zum Schlaatz beantworten und damit Themen für die Hymne setzen.

Von Jan Russezki

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