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Potsdam Neu Fahrland will Podcast-Festival stoppen
Lokales Potsdam Neu Fahrland will Podcast-Festival stoppen
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21:31 12.07.2018
Fahrländer See - Bauten für das Podcast-Festival.
Fahrländer See - Bauten für das Podcast-Festival. Quelle: Privat
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Neu Fahrland

Festival-Frust statt Festival-Freude: Im Ortsteil Neu Fahrland sorgt das Podcast-Festival „Auf die Ohren“ am 28. und 29. Juli momentan für mächtig Ärger und Sorgen um den Naturschutz in der idyllischen Landschaft. Das Podcast-Festival – bei Podcasts handelt es sich um Audio- beziehungsweise Video-Mediendateien, die man abonnieren kann – ist nach Angaben der Veranstalter das größte Deutschlands und versammelt Autoren, DJs und Musiker. Außerdem sind Workshops geplant. „Packt euren Borat-Badeanzug ein, wir feiern am See“, heißt es auf der Internet-Seite der Veranstalter, einem deutschen Podcast-Netzwerk.

Das Problem: Nach Auffassung der Anwohner befindet sich das Privatgelände, auf dem die Veranstaltung stattfinden soll, im Landschaftsschutzgebiet „Königswald mit Havelseen und Seenburger Agrarlandschaft“. Das hat sich Ortsvorsteherin Carmen Klockow (Bürgerbündnis) auch von einem Sachverständigen bestätigen lassen, wie sie der MAZ gestern sagte. Besonderes Ärgernis: Mitten im Schilfgürtel des Fahrländer Sees sei mit dem Bau einer Seebühne begonnen worden. Fotos von Bürgern zeigen bereits weiße Platten, die an der Uferkante gestapelt sind. Der Fahrländer See dient als Brut- und Winterraststätte für zahlreiche Wasservogelarten.

Ortsvorsteherin fordert Stopp der Planungen

Angesichts des Proteststurms der Neu Fahrländer hat Klockow sich brieflich an Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) gewandt. Ihre Kernfrage: Liegt überhaupt eine Genehmigung durch die Bauaufsichtsbehörde vor? „Nach übereinstimmenden Aussagen aller städtischer Vertreter, die bisher befragt wurden, wurde die Genehmigung für die Veranstaltung noch nicht erteilt“, schreibt sie: „Dennoch haben die Bauarbeiten bereits begonnen.“ Klockow fordert einen sofortigen Stopp aller Planungen. Unbegreiflich aus ihrer Sicht: Der Ortsbeirat sei in der Angelegenheit weder vorab konsultiert noch zeitnah informiert worden, wie das in der Kommunalverfassung vorgesehen sei.

Rathaus: Antrag wird noch geprüft

Auf Anfrage erklärte die Verwaltung gestern, dass das Festivalgelände nicht im Landschaftsschutzgebiet liege, sondern dort angrenzend. Der Antrag befinde sich zur Zeit in der Prüfung der Stadt, so Sprecherin Christine Homann: „Im Falle einer Genehmigung von Anträgen zur Benutzung von Tongeräten werden in der Regel Auflagen erteilt, die eventuelle Beeinträchtigungen von Dritten reduzieren.“

Beschaulich dürfte es trotzdem nicht werden. Der Veranstalter selbst appelliert an die potenziellen Besucher unter dem Stichwort „Haustiere“: „Bitte nehmt keine Haustiere auf das Gelände. Die Lautstärke und Menschenmenge tun keinem Tier gut.“

Von Ildiko Röd