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Potsdam Autos und Radfahrer in der Stadt: Wenn der Platz nicht ausreicht
Lokales Potsdam Autos und Radfahrer in der Stadt: Wenn der Platz nicht ausreicht
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01:16 12.04.2019
Mit dem Zollstock auf der Charlottenstraße: Polizei -Hauptkommissar Alexander Gehl demonstriert den Mindestabstand für Überholmanöver. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Polizei-Hauptkommissar Alexander Gehl steht in leuchtend gelber Warnjacke mitten auf der Potsdamer Charlottenstraße und breitet seinen Zollstock aus. „Sehen Sie: 1,50 Meter. Das ist so viel“, sagt Gehl und hält den Zollstock vom Spiegel eines parkenden Autos in die Straßenmitte.

Die Fahrer der passierenden Autos gucken etwas skeptisch. Aber sie folgen und fahren deutlich weiter links an Gehl vorbei. „Und jetzt stellen Sie sich mal einen Radfahrer vor, der überholt werden soll“, sagt Gehl und stellt sich noch ein Stück weiter in die Straßenmitte. „Das geht hier gar nicht. Da sind sie ja als Autofahrer schon im Gegenverkehr“.

Mindestabstand wird nicht immer eingehalten

Gemacht wird es trotzdem. Obwohl im Straßenverkehr bei jedem Überholvorgang mindestens 1,50 Meter zum nächsten Verkehrsteilnehmer Abstand gehalten werden muss – und obwohl viele Potsdamer Straßen dafür viel zu eng sind. In der Charlottenstraße bleibt zwischen parkenden Pkw und Straßenbahn nur ein schmaler Streifen für Auto oder Fahrradfahrer. Für beide gleichzeitig ist kein Platz.

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Zu wie vielen Unfällen es in Potsdam durch gefährliche Überholmanöver kommt, lässt sich nicht sagen. Die Daten werden von der Polizei schlicht nicht erfasst. Doch schon in den zwei Stunden, die Alexander Gehl und seine Kollegen an diesem Dienstagmorgen den Verkehr an der Charlottenstraße kontrollieren, werden drei Fahrradfahrer an beschriebener Engstelle von Autofahrern überholt. Insgesamt werden bis zum Mittag sogar acht Autofahrer in der ganzen Stadt angehalten – alle wegen zu geringen Abstands beim Überholen.

Unfälle mit Radfahrern steigen stark an

Zudem steigen die Unfälle mit Radfahrern insgesamt in der Stadt seit dem Jahr 2015 immer weiter an. Alleine im vergangenen Jahr gab es 531 Unfälle. Das sind 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Fast immer wurden die beteiligten Fahrradfahrer dabei auch verletzt. Denn egal, wer Schuld haben mag. Gefährdet sind vor allem sie. Radfahrer haben keine Knautschzone und viel zu wenige tragen einen Helm.

Auch deswegen hat die Polizei an diesem Dienstag anlässlich des warmen Wetters und der damit beginnenden Fahrradsaison eine große Kontrollaktion gestartet. Die Polizisten wollen Fahrrad-, aber auch Autofahrer für die Gefahren des Straßenverkehrs sensibilisieren – und gleichzeitig für gegenseitige Rücksichtnahme werben.

Im Konflikt Auto gegen Fahrrad sind die Fronten verhärtet

Denn im ewigen Konflikt der beiden Parteien im Straßenverkehr sind die Fronten häufig verhärtet und die Emotionen kochen schnell hoch. Das bestätigen mehrere Polizisten, die an der Kontrolle beteiligt sind – und die in ihrem Alltag immer wieder bei Streitereien einschreiten und beruhigen müssen.

Für Für Horst-Günter Gutzke ist das ein Unding. Der Fahrradfahrer trägt Helm, sein Rad scheint verkehrstauglich und gut in Schuss. Sicher aber fühle er sich als Radfahrer in Potsdam trotzdem vor allem deswegen, weil er aufpasse. „Im Zweifel ziehe ich halt zurück“, sagt Gutzke und wird deutlich: „Der andere hat auch im Straßenverkehr immer nur so lange Recht bis er im Grab liegt“.

Radfahrer, die über Kreuzungen brettern, ohne zu gucken, die keinen Helm tragen und kein funktionierendes Licht am Fahrrad haben, kann er deswegen nicht verstehen. „Ich mache auch Fehler – auch im Straßenverkehr. Da muss ich doch zumindest Rücksicht nehmen.“

89 Verstöße – an einem halben Tag

Wie viel präventive Arbeit dabei noch zu leisten ist, zeigt dieser Tag sehr deutlich. Alleine bis zum Mittag nimmt die Polizei 89 Verstöße bei 223 kontrollierten Personen auf. 40 Radfahrer fuhren über eine rote Ampel, 20 waren auf der falschen Straßenseite unterwegs. Das sei „wirklich viel“, sagt eine Sprecherin – „ein erschreckendes Bild“.

Doch es passt zum Gesamteindruck. Denn zur Wahrheit der höheren Unfallzahlen gehört auch, dass Radfahrer in Potsdam 2018 mehr als einhundert Unfälle mehr verursacht haben als im Vorjahr. An ziemlich genau der Hälfte der Unfälle sind sie somit selbst schuld.

Bei breiteren Straßen ist die Stadt am Zug

Bei Kollisionen nach zu dichten Überholmanövern von Autofahrern können sie dagegen selten etwas tun. Um die Gefahr zu verringern, bräuchte es allerdings neben mehr Rücksicht auch breitere Straßen. „In der Verantwortung steht da die Stadt“, sagt Alexander Gehl, der bei der Polizei für die Prävention zuständig ist. Sie müsse sich um die „baulichen Voraussetzungen“ im Straßenverkehr kümmern. „Allerdings muss man auch sagen, dass Potsdam schon viel für Radfahrer macht“, sagt Gehl.

Von Ansgar Nehls

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