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Potsdam 17000 Euro für Grünstreifen? Streit um Vorgarten am Rathaus
Lokales Potsdam 17000 Euro für Grünstreifen? Streit um Vorgarten am Rathaus
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12:21 06.08.2019
Johann Grulich neben dem umstrittenen Grünstreifen. Im Hintergrund das Potsdamer Stadthaus. Quelle: Bernd Gartenschläger
Nauener Vorstadt

Konfliktpotenzial birgt ein munter wuchernder Vorgarten neben dem Ärztehaus an der Friedrich-Ebert-/Ecke Behlertstraße. Eine Gartenguerilla der MAZ-Lokalredaktion hatte sich hier vor längerer Zeit in Sichtweite zum Büro des Oberbürgermeisters mit Heuchera, Hosta, Farn und Geißblatt versucht.

Von dem Einsatz mit Samen, Erde und Gießkanne zeugen noch heute bunte Blüten zwischen Nessel, Distel und Pusteblume. Das Grün vor Kratzputz in gedecktem Braun ist auch in anderer Hinsicht ein Zeugnis von Anarchie.

Streit zwischen Wohnungsgenossenschaft und Rathaus

Die Kontrahenten: Die einst als Beamten-Wohnungsverein gegründete Wohnungsgenossenschaft 1903 mit schönsten Altbaubeständen in der Nauener, der Brandenburger und der Teltower Vorstadt. Ihr gehört auch das 1914 erbaute Ärztehaus mit der eigenen Verwaltung unterm Dach, das sie vor fünf Jahren denkmalgerecht sanierte. Streitpartei Nummer zwei ist die Stadt.

Die Genossen hätten den Streifen vor dem Haus gern gepflegt. „Hier muss Ordnung rein“, sagt Vorstand Johann Grulich. Das ginge aber nicht, so lange er ihnen nicht gehöre. Eigentümer des Wildgartens und eines weiteren Geländezwickels neben der benachbarten Villa Behlertstraße 13 ist die Stadt, was Rathaussprecher Markus Klier bestätigt.

17000 Euro für Vorgärten

Er bestätigt auch, dass die Genossenschaft die Gartengrundstücke erwerben will: „Erstmalig im Jahr 2015 wurde der Genossenschaft ein konkretes Kaufangebot unterbreitet.“ Seitdem sei die Stadt „bemüht, diese Flächen an die Genossenschaft zu veräußern“. Das allerdings ohne Erfolg, denn die Sache hat einen Haken: den Preis. 17 000 Euro wolle die Stadt für die beiden Grundstücke haben, sagt Grulich. Das sei mit 350 Euro pro Quadratmeter der Preis für Bauerwartungsland. „Das würde mir unser Aufsichtsrat nie durchgehen lassen.“ Vor drei Jahren, sagt Grulich, habe er mit dem damaligen Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) vor dem Beet gestanden und ihn gefragt: „Meinen Sie, man kann hier bauen?“ Grulich hat andere Vorstellungen: Er verweist auf eine Empfehlung der Stadtspuren-Arbeitsgemeinschaft von Potsdamer Wohnungsbaugenossenschaften mit symbolischen 1,50 Euro pro Quadratmeter für Kleinst- und Splitterflächen. Rathaussprecher Klier will sich „zu Details“ nicht äußern, weil Grundstücksgeschäfte laut Hauptsatzung „nicht öffentlich“ seien. Er verweist aber auf die Kommunalverfassung, nach der „Vermögensgegenstände nur zu ihrem vollen Wert veräußert werden sollen“. Die Genossenschaft verliert die Geduld. Laut Grulich ist ein Anwalt eingeschaltet. Denn noch immer steht zuerst die Frage: Wer pflegt das Beet? Klier sagt, der Streifen werde „zur Erhaltung der Verkehrssicherheit durch den Bereich Grünflächen gepflegt“. Einmal seien die Mitarbeiter wohl tatsächlich aktiv geworden, sagt Grulich. Zwei Schilder im Beet mit der Aufschrift „Eigentum der Stadt Potsdam“ seien gleich am nächsten Tag wieder weg gewesen.

Die Wohnungsbaugenossenschaft 1903

Gegründet 1903 als Beamten-Wohnungsverein, ist die Wohnungsgenossenschaft 1903 eine der ältesten in Potsdam.

Baugrundstücke erwarb der Verein standesgemäß in der Nähe von großen Parkanlagen, Waldgebieten und anderen Sehenswürdigkeiten.

Die Genossenschaft hat Grundstücke in der Nauener-, in der Brandenburger- und in der Teltower Vorstadt.

Der Genossenschaft gehören heute mehr als 2600 Mitglieder an, die sich auf einen Bestand von mehr als 1500 Wohnungen verteilen.

Seit knapp zehn Jahren gibt es laut Vorstand Johann Grulich einen Aufnahmestopp, rund 300 Mitglieder stünden auf der Warteliste

.

Vorrang habe seit Jahren die Sanierung des Bestandes. Erstmals werde jetzt für die Teltower Vorstadt ein Neubau mit seniorengerechten Wohnungen geplant.

Von Volker Oelschläger

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