Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Studenten protestieren gegen FH-Umzug
Lokales Potsdam Studenten protestieren gegen FH-Umzug
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:52 23.10.2014
Mehr als 400 Studenten kamen zur Campuskonferenz in den Großen Hörsaal, der für 250 Personen ausgelegt ist.
Mehr als 400 Studenten kamen zur Campuskonferenz in den Großen Hörsaal, der für 250 Personen ausgelegt ist. Quelle: Christel Köster
Anzeige
Potsdam

Studenten der Fachhochschule (FH) Potsdam mobilisieren gegen den angekündigten Umzug auf Zeit in das Rechenzentrum an der Breiten Straße. In einer Campuskonferenz unter dem Motto "Wir wollen nicht weg; Kein Schimmel und kein Dreck!" ging es am Montag im völlig überfüllten Großen Hörsaal der Fachhochschule am Alten Markt nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie studentischen Protests. Als erste Termine für Kundgebungen sind eine Mitgliederversammlung der SPD am Donnerstag im Regine-Hildebrandt-Haus und die nächs te Sitzung der Stadtverordneten am 5. November gesetzt.

Die SPD zählt nach Ansicht von FH-Präsident Eckehard Binas zu den Befürwortern des umstrittenen Umzugsmodells, mit dem die Stadt Baufreiheit für die Rekonstruktion weiterer Quartiere der historischen Innenstadt schaffen will. „Ich habe den Verdacht, dass es eine wachsende Mehrheit gibt, das nicht zu machen“, sagte er am Montag vor den Studenten: „Mit Ausnahme der SPD.“ Auch zum Besuch der Stadtverordnetenversammlung ermunterte er die Studenten: „Die Veranstaltung ist öffentlich; ich sage das hier mal mit einem Augenzwinkern.“

Die Studentenvertreter Danny Schwanbeck (links) und Marcus Dreier. Quelle: Volker Oelschläger

Die Linke hat für die Stadtverordnetensitzung am 5. November einen Antrag angekündigt, nach dem die Zwischennutzungsdebatte abgebrochen und die Stadt aufgefordert würde, die FH beim Umzug zum Campus in der Pappelallee zu unterstützen. Irritiert zeigte sich SPD-Fraktions chef Mike Schubert, der die Fachhochschule nach eigenen Worten selbst zu der öffentlichen Mitgliederversammlung am Donnerstag eingeladen hat. „Die SPD steht zu ihrer klaren Aussage: Einen Umzug ohne Zustimmung der Fachhochschule wird es mit uns nicht geben.“ Das habe er schon vor Wochen gesagt.

Binas bekräftigte am Montag die Forderung, den direkten Umzug der am Alten Markt verbliebenen Fachbereiche zum Campus Pappelallee zu beschleunigen.

Peter Knösel, Professor am Fachbereich Sozialwesen, gab den Anwesenden der Campuskonferenz nach der Feststellung „Ihre Phantasie ist sicher breiter als meine“ eine kurze Unterweisung im Demonstrations- und Versammlungsrecht und wünschte dann „Gutes Gelingen“. Auf eine von Applaus begleitete „hypothetische Nachfrage“ aus dem Auditorium zu „kostenloser Rechtsberatung von ihrer Seite“ bei „radikaleren Aktionen“ wie einer „Besetzung der Fachhochschule“ versprach Knösel unter Jubel fachlichen Beistand: „Wir beantworten alle Fragen – ich warte mit Freude darauf.“ Eine Initiativgruppe zur Koordinierung des Protests soll sich am Mittwoch formieren. Treff ist um 17.30 Uhr an der Infowand des Fachbereichs I.

Alte FH blockiert die Rekonstruktion der Stadtmitte

  • Für den zweiten großen Neubaukomplex der Fachhochschule an der Pappelallee stehen nach Angaben von FH-Präsident Eckehard Binas 14,5Millionen Euro bereit. Fertigstellung und Bezug seien frühestens 2017 möglich.
  • Vor wenigen Wochen wurden Pläne der Stadt öffentlich, nach denen die in der Innenstadt verbliebenen Fachbereiche mit ihren 1500 Studenten vorübergehend im Rechenzentrum an der Breiten Straße untergebracht werden, damit die alte FH am Alten Markt abgerissen werden kann. Das in den 1970er Jahren errichtete Gebäude blockiert mehrere Baufelder, auf denen nach dem Leitbautenkonzept historische Straßenzüge rekonstruiert werden sollen.
  • Die Fachhochschule begründet ihre Kritik an diesem Plan inhaltlich und baufachlich sowie mit Zweifeln an der Finanzierbarkeit. Binas kritisierte gestern erneut, dass die Stadt der Fachhochschule bisher nur bruchstückhaft Einblick in die Untersuchungsergebnisse eines Architekturbüros zum Umzug ins Rechenzentrum gewährte. Zweifel hat Binas nach Rücksprache beim Land auch an der von der Stadt behaupteten Finanzierbarkeit aus Städtebaufördermitteln. 

Als erste Ideen für Aktionen wurden Protestbanner, offene Briefe und Unterschriftensammlungen für eine Petition genannt. Eine Studentin schlug einen täglichen Flashmob an wechselnden Orten vor. Umstritten war der Vorschlag einer Kommilitonin, „mit 100 Leuten“ eine Tram oder Gleise zu blockieren.

Studentenvertreter der Fachhochschule warnten im Gespräch mit dieser Zeitung vor Überforderung. Zwei Umzüge kompletter Fachbereiche kurz nacheinander seien nicht zumutbar, sagte Marcus Dreier, von der Studentenschaft gewählter Vizepräsident der FHP. Er kritisierte auch, dass die Stadt noch nicht von sich aus auf die Studenten zugegangen sei. Danny Schwanbeck, Referent für Soziales im Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) verwies darauf, dass Studenten ohnehin kaum noch Zeitreserven hätten. Der Streit um das alte FH-Gebäude sei neben drängenden Problemen wie studentischem Wohnen ein „überforderndes Thema“.

Von Volker Oelschläger

Kultur Ausverkauftes Konzert in Potsdam - Judith Holofernes überzeugt im Waschhaus
20.10.2014
19.10.2014
Polizei Potsdam: Polizeibericht vom 19. Oktober - Junger Sprayer wehrt sich gegen Festnahme
19.10.2014