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Potsdam Verkauf im Gespräch: Wem gehört bald Filmstudio Babelsberg?
Lokales Potsdam

Studio Babelsberg: Verkauf über Filmstudios in Potsdam

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13:11 05.09.2021
Studio Babelsberg.
Studio Babelsberg. Quelle: Sascha Steinach/Imago
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Potsdam-Babelsberg

Studio Babelsberg steht zum Verkauf. Der Vorstand verhandelt mit einem Investor, der offenbar in das lukrative Geschäft mit Film- und Serienproduktionen in Babelsberg einsteigen will.

„Verhandlungen mit europäischem Investor“

Die B.Z. berichtete zuerst über den möglichen Deal. „Wir stehen in Verhandlungen mit einem europäischen Investor. Ziel sind die Expansion und Internationalisierung des Studios“, sagte Vorstandsvorsitzender Carl L. Woebcken der Zeitung. Nach Gerüchten soll es sich um einen Investmentfonds handeln.

Bestätigt wurden die Kaufverhandlungen vom brandenburgischen Wirtschaftsministerium. „Der Minister wurde bei einem Besuch der Studios am 20. August darüber informiert, dass es Gespräche mit Investoren gibt“, sagte Ministeriumssprecherin Claudia Lippert auf MAZ-Nachfrage.

Carl L. Woebcken, Vorstandsvorsitzender der Studio Babelsberg AG. Quelle: Soeren Stache

Damals hatte sich Minister Jörg Steinbach (SPD) über virtuelle Filmproduktionen und das Set der Netflix-Serie „1899“ informieren lassen. „Ich erwarte, dass der Studio-Standort Babelsberg und die vorhandenen Arbeitsplätze erhalten bleiben“, sagt er in der B.Z. als einzige Stellungnahme. Da es sich um einen privatwirtschaftlichen Vorgang handele, sei das Ministerium nicht eingebunden, so Sprecherin Lippert, und man kenne auch den Verfahrensstand nicht. Allerdings flossen Mittel aus dem Filmförderfonds in Millionenhöhe in Produktionen in den Babelsberger Studios.

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Auch der zweite Unternehmensvorstand, Christoph Fisser, der die Studios 2004 gemeinsam mit Woebcken für einen symbolischen Preis erworben hatte, bestätigte gegenüber den Potsdamer Neuesten Nachrichten, dass Verkaufsgespräche „mit Unternehmen, potenziellen Investoren und Partnern“ laufen. Von einem ausländischen Investor spricht er nicht. Ziel sei aber die Studios weiter zu internationalisieren.

Geschäftsbericht: große internationale Konkurrenz

Das ist auch dem Geschäftsbericht 2020 zu entnehmen. „Große internationale Filme können heutzutage an vielen Orten der Welt gedreht und endgefertigt werden. Diesbezüglich befindet sich Studio Babelsberg in einem Wettbewerb mit Ländern auf der ganzen Welt, die über entsprechende Studiokapazitäten und Angebote verfügen“, heißt es darin. Gerade auch Filmförder-Anreize würden über Auftragsvergaben entscheiden. Die deutsche Filmförderung müsse sich steigern, so eine indirekte Forderung.

Marlene-Dietrich-Halle von Studio Babelsberg. Quelle: Bernd Gartenschläger

Auch ein Strategiewechsel wird deutlich: „Für die Zukunft gilt darüber hinaus, Streamingdienste verstärkt als Produktionspartner zu gewinnen.“

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Studio Babelsberg ist eine Aktiengesellschaft. Den Mehrheitsanteil hält das Unternehmen mit seinen Gesellschaftern selbst. Bis 2016 war es börsennotiert, zog sich dann aber zurück – nicht zur Freude aller Kleinaktionäre, wie bei der diesjährigen Hauptversammlung deutlich wurde. Dort sahen sich die Gesellschafter mit einem Antrag konfrontiert, die Geschäftsführung nicht zu entlasten, bis eine Rückkehr an die Börse geklärt ist. Der Aktienkurs sei seit 2016 gefallen, heißt es weiter. Der Antrag wurde von der Mehrheit abgelehnt.

Studio steigert Umsatz im Corona-Jahr

Das Studio steigerte 2020 seinen Gesamtumsatz gegenüber 2019 von 73,1 Millionen Euro auf 135,0 Mio. Euro. Dazu kommt eine stattliche Eigenkapitalquote der Aktiengesellschaft von 80,5 Prozent.

Das Gelände von Studio Babelsberg erstreckt sich über mehr als 173 000 Quadratmeter. Es gibt 21 Ateliers und Studios mit einer Gesamtstudiofläche von mehr als 25 000 Quadratmeter und mit der 15 000 Quadratmeter großen Außenkulisse „Neue Berliner Straße“.

Von Alexander Engels