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Potsdam Wie der Potsdamer Prinz von Preußen zum Bierbrauen kam
Lokales Potsdam Wie der Potsdamer Prinz von Preußen zum Bierbrauen kam
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16:03 20.04.2019
Daniel Hug, Bankier aus der Schweiz (mit Brille) Georg Friedrich Prinz von Preussen Andreas Mattfeldt, MdB Quelle: Roland Beck
Potsdam

Mit der Gründung der „Kgl. Preußischen Biermanufactur“ hat der Potsdamer Georg Friedrich Prinz von Preußen an ein Stück Familientradition angeknüpft. Im MAZ-Interview verrät er zum Tag des deutschen Bieres, wie es dazu kam, was ihn an Bier so fasziniert und welche Biervorlieben Königin Luise pflegte.

Wie ist Ihre Liebe zum Brauen entstanden?

Georg Friedrich Prinz von Preußen: Bierbrauen hat mich schon immer fasziniert, auch schon zu einer Zeit, als ich noch kein Bier getrunken habe. Es ist ein Thema, ähnlich wie Fußball, das Menschen von unterschiedlichster Herkunft zusammen bringt. Beim Thema Bier gibt es immer ein Gesprächsthema und oft gibt es eine starke regionale Bindung zu einer bestimmten Marke. Dabei spielt es noch nicht einmal eine Rolle, ob man es mag oder nicht. Bier hat nur wenige Zutaten und auch der Brauprozess ist eher übersichtlich. Und doch ist es möglich – selbst unter Einhaltung des deutschen Reinheitsgebotes – die unterschiedlichsten Geschmacksvarianten und Sorten herzustellen. Das hat die Craftbier-Bewegung der letzten Jahre hat eindrücklich gezeigt.

Wann entstand die Idee, eine eigene Braumanufactur aufzubauen?

Die eigentliche Unternehmensidee entstand bei einem Weinabend mit zwei Freunden. Wir sprachen auch über Bier und ich hatte bei der Gelegenheit bedauert, dass unsere Vorfahren meiner Familie keine Brauerei hinterlassen haben. Schnell waren wir uns einig, dass uns lamentieren nicht weiterbringt und haben erste Überlegungen zu einem eigenen Unternehmen angestellt. Das war Anfang des vorletzten Jahres. Kurz darauf habe ich mit den beiden, Andreas Mattfeldt und Daniel Hug, die Kgl. Preußische Biermanufactur gegründet.

Andere Mitglieder des Hochadels – etwa der mittlerweile verstorbene Prinzgemahl Henrik von Dänemark – sind ja eher im Bereich Weinanbau mit eigenen Weingütern tätig? Wäre das für Sie nicht auch eine Option gewesen?

Tatsächlich bin ich quasi mit Wein groß geworden. Die Familie meiner Mutter produziert seit jeher Wein in Franken, wodurch bei mir eine gewisse Liebe selbst zu extrem trockenen Frankenweinen entstanden ist. Wenige wissen, wie eng die Verbindung meiner preußischen Ahnen mit der Entwicklung des Brauwesens verknüpft war. So hat Friedrich der Große auf Geheiß seines Vaters das Bierbrauen erlernt. Dessen Vorfahren hatten zuvor das Brauhandwerk als eigene Zunft anerkannt und das Brauwesen entsprechend gefördert. Königin Luise war ein großer Fan von Starkbier und Kaiser Wilhelm II. hat ein Bier nach Pilsener Brauart erstmals „zum Tafelgetränk seiner Majestät“ erhoben. Auf der Burg Hohenzollern, dem Stammsitz unserer Familie, wurde seit jeher zu besonderen Anlässen eigenes Bier ausgeschenkt. So war historisch gesehen das Bier für mich eine sehr naheliegende Option. Und da Pils als untergäriges Bier zwar von einem Bayern erfunden wurde, aber erst in Preußen seinen Durchbruch erlebt hat, stand für uns auch gleich die Sorte fest, die wir produzieren.

Sieht man Sie auch in der Brauerei beim Brauen selbst mit Hand anlegen oder sind Sie mehr mit den Managementaufgaben betraut?

Bei der Entstehung von Preußens Pilsener sind, einschließlich der Braumeisterin, drei Personen involviert, die das Handwerk (derzeit noch) besser verstehen als wir. Wenn wir drei Gesellschafter dort hin und wieder mithelfen, dann vor allem, um später auch unseren Kunden erklären zu können, worauf es beim Brauen ankommt und was unser Bier so besonders macht. Darüber hinaus widmen wir uns vor allem den übrigen Aufgaben wie Vertrieb, Marketing und Administration, die wir so gut es geht gerecht unter uns aufteilen.

Wie würden Sie das „Preußens Pilsener“ geschmacklich charakterisieren?

Es ist definitiv ein Bier, das angenehm und leicht zu trinken ist, ohne aber auf eine charaktervolle und für ein Pils unbedingt notwendige Hopfennote zu verzichten. Die weltbeste Biersommelière, Irina Zimmermann, hat Preußens Pilsener im Rahmen einer Blindverkostung im vorletzten Jahr beschrieben als: „hopfig mit gut eingebundener Bittere im Abgang, die nach dem nächsten Schluck verlangt.“ Das war für uns wie ein Ritterschlag.

Wie hat sich die Braumanufactur seit ihrer Gründung entwickelt? Haben Sie expandiert und stehen diesbezüglich neue Entwicklungen ins Haus? Wie sind Sie in Potsdam mit der Marke vertreten?

Wir haben zunächst bei einem großen Getränkefachhändler in meiner alten Heimat bei Bremen angefragt. Zu unserer großen Freude hat er uns in sein Sortiment aufgenommen. Über seine 230 Fachmärkte konnten wir in relativ kurzer Zeit den Nordwestdeutschen Raum vor allem in Bremen, Niedersachsen und Hamburg abdecken. Dieser Erfolg ist mir insofern wichtig, als diese Region nicht so stark von Preußischer Geschichte geprägt ist wie beispielsweise Berlin und Brandenburg. Insofern konnten und wollten wir uns nicht allein auf einen wohlklingenden Markennamen verlassen, sondern haben von Anfang an auf den Inhalt bzw. dessen Qualität gesetzt – getreu dem Motto „mehr Sein als Schein“. Mittlerweile ist unser Bier aber auch hier in der Region erhältlich und zwar sowohl im Fachhandel als auch in ausgewählten gastronomischen Objekten. Neu dazugekommen ist im letzten Monat ein Online-Shop, über den man „Preußens Pilsener“ deutschlandweit beziehen kann. Und gemeinsam mit einem Partner (Bringmeister) werden wir Berlinern und Potsdamern ab Sommer dieses Jahrs unser Bier sogar noch am Tag der Bestellung nach Hause liefern können.

Von Ildiko Röd

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