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Potsdam Tage der Deutschen Vielfalt
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11:07 07.12.2016
Katja Böhler (46)  gründete den Verein „Stiftung Partnerschaft mit Afrika“.
Katja Böhler (46) gründete den Verein „Stiftung Partnerschaft mit Afrika“. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam/Dresden

Die „Tage der Deutschen Vielfalt“ in Dresden waren „schon eine spezielle Feierlichkeit“, sagt Katja Böhler. „Es gab zwischen der Frauenkirche, Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem Rest der Regierung einen Korridor von 500 Metern – und dann kam der brüllende Mob.“ Sie aber sei mit ihren Leuten von hinten an die Frauenkirche herangegangen. „Denn wir haben jedes Jahr ein deutsch-afrikanisches Klangnetz, das wir dort auftreten lassen.“

Die „Tage der Deutschen Vielfalt“ flankierend zu den offiziellen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit sind ein jährlicher Höhepunkt in der Arbeit des Potsdamer Vereins Stiftung Partnerschaft mit Afrika. In diesem Jahr mit einer Reihe von deutsch-afrikanischen Fußballprojekten in mehreren Bundesländern war die SG Dynamo Dresden Kooperationspartner. Das dreitägige Fest der Stiftung fand in einem Zelt nahe der Kreuzkirche statt. Doch begleitend zum Staatsakt waren sie nahe der Frauenkirche.

„Der Bundespräsident kennt uns schon, Angela Merkel auch, und wir singen eigentlich jedes Jahr deutsch-afrikanische Liedfusionen. ,Kein schöner Land’ wird fusioniert mit der südafrikanischen Nationalhymne. Und das klingt eigentlich ziemlich klasse.“ In diesem Jahr hätten 20 Teilnehmer mitgesungen, sagt Böhler, in anderen Jahren seien es schon bis zu 50 Sänger gewesen. Und dann trafen sie auf Pegida.

„Wir sind angepöbelt worden: ,Das ist die Zukunft!’ Wir haben einen afrikanischen Chorleiter, ein Kongolese, und der wurde da massiv angefeindet. Die Bilder, die man gezeigt hat im Fernsehen, die waren ja wirklich abgeschwächt. Aber vor Ort, vor der Frauenkirche, das war ziemlich unterirdisch, muss man sagen. Das war schon schwierig. Man hatte schon ein bisschen Angst.“

Katja Böhler (46), geboren in Eisenach (Thüringen), war nach einem Studium in Südafrika ab 2001 wissenschaftliche Mitarbeitern in der Bundeszentrale für politische Bildung. Von 2004 bis 2006 koordinierte sie dort unter dem Titel „Africom“ Kontakte mit Afrika mit dem Ziel, „eine Partnerschaft auf Augenhöhe aufzubauen“. 2007 entwickelte sie auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler, dem nach ihren Worten zunächst der Aufbau eines deutsch-afrikanischen Jugendwerkes vorschwebte, einen Stipendiatenaustausch „Go Africa ... Go Germany“.

2009 gründete Böhler in Potsdam, ihrem Wohnort, den Verein „Stiftung Partnerschaft mit Afrika“, der zur Keimzelle eines rasch wachsenden Netzwerks werden sollte. Zu den ersten von unterschiedlichen Institutionen geförderten Projekten zählte ein Austausch von Lehramtsstudenten zwischen Kenia und Münster (Westfalen). Die Stiftung initiierte unter dem Stichwort „Hochschulmapping“ eine umfassende Recherche zu der in Deutschland kaum bekannten Universitäts- und Hochschullandschaft in Afrika.

In Vorbereitung ist eine Kontaktböse für deutsche und afrikanische Schülerfirmen. Mit Schule, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Sport, Hochschule, Kunst und Kultur, Medien sowie Migration und Diaspora hat die Stiftung insgesamt acht Arbeitsfelder definiert, die das Leben vieler Menschen und Deutschland und Afrika berühren.

Ohne Resonanz bei Förderinstitutionen blieb nach Angaben der Vorsitzenden eine noch vor der Fluchtwelle von 2015 entwickelte Projektidee „Legal Europe“, nach der Flüchtlinge bereits in Nordafrika geschult, ausbildet und dann in Europa verteilt werden sollten. Aus Sicht des Vereins hätte das Projekt eine Antwort auf Fachkräftemangel und eine Chance für Regionen mit Bevölkerungsschwund sein können: „Wir wollten es selbst umsetzen“, sagt Böhler, doch es hätten sich keine Förderer dafür gefunden.

Im August 2015 eröffnete der Verein mit seinen heute rund zehn Mitarbeitern in der Lindenstraße 18 ein „Brandenburger Kultur- und Weinkontor“, das zur Straße hin Weine und andere Spezialitäten aus Afrika und Brandenburg offeriert. Im hinteren Raum sitzt die Stiftung. Am Freitag gibt es im Weingeschäft ein „Meet and Greet“ für „Drei Mal Deutschland“, das jüngste Projekt des Vereins, bei dem in 20 Tandems junge Deutsche gemeinsam mit Flüchtlingen in Potsdam unterschiedliche Lebenssphären erkundeten – vom Landtag, einer Berufsschule und einem Radiosender bis zum Gerichtssaal und zu Religionsstätten.

Für das kommende Jahr ist neben einer Fortsetzung dieses Projekts der Aufbau einer deutsch-afrikanischen Jugendakademie und ein Journalistenaustausch zwischen Tansania und Deutschland geplant – immer vorausgesetzt, dass sich Förderer dafür finden.

Von Volker Oelschläger

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