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Potsdam Tattoo-Messe: Der „Assi-Propeller“ ist das neue Arschgeweih
Lokales Potsdam Tattoo-Messe: Der „Assi-Propeller“ ist das neue Arschgeweih
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00:20 16.04.2019
Julia Behrenbruch (l.), Jens Fischer und Saskia Knabe zeigen auf der Tattoomesse ihre Schätze. Quelle: Varvara Smirnova
Babelsberg

„Meine Entscheidung, mein Leben“, sagt Petra Skibbe. Die 58-Jährige feierte am Samstag auf der ersten „Tattoo & Lifestyle“-Messe in der Potsdamer Metropolis-Halle den Beginn eines neuen Lebensabschnittes – mit ihrem ersten Tattoo: „Zweimal verheiratet, zweimal kaputt.“

Einen Vogel als Freiheitssymbol lässt sie sich nun auf den Oberarm tätowieren, rund zwei Stunden dauert das Stechen. Skibbe ist ganz ohne Begleitung hergekommen. „Schocken werde ich sie alle“, sagt sie mit Stolz in der Stimme. Und: „Ich hätte es mir schlimmer vorgestellt.“

Auf der ersten Tattoo-Messe in Potsdams Metropolis-Halle wurde viel gestochen und geguckt. Sogar einen Einblick in die Geschichte der Körperverzierungen gibt es dort.

Mehr Frauen und ältere Menschen lassen sich heutzutage tätowieren

Skibbe gehört gleich zu zwei Gruppen, die in den Tattoo-Studios immer häufiger zu finden sind: Frauen und ältere Menschen. Björn Heuwers (41) von Buntblick aus Potsdam, der seit über zehn Jahren Tattoos sticht, ist dieser Trend auch aufgefallen: „Sie wollten es immer schon haben und jetzt trauen sie sich.“ Jette Feder (33) von My Own Tattoo & Piercing aus Potsdam, die seit rund einem Jahr tätowiert, bestätigt, dass das Verhältnis zwischen Frauen und Männern recht ausgeglichen ist.

Petra Skibbe hat sich mit 58 Jahren erstmals tätowieren lassen. Quelle: Varvara Smirnova

Lieblingsmotive: Rosen, Symbole und Tiere – immer wieder neu gestaltet

Sie hat auch Lieblingsmotive bei ihren Kunden beobachtet: Besonders häufig sind Rosen oder Schriftzüge gefragt. „Leider nicht so häufig Totenköpfe“, bedauert sie. Paul Hille (55) von Ostgut Tattoo aus Potsdam zählt verschiedenste Wünsche auf: Namen, Geburts- und Sterbedaten mit kleinen Symbolen, Tiere, Plakatives und Dekoratives, bei Frauen eher Blumen wie Rosen oder Kirschblüten, und „leider immer noch Schmetterlinge.“

Das alte „Arschgeweih“ soll häufig mit anderen Tattoos versteckt werden

Klassische Symbole wie Kreuz, Anker, Herz oder Totenkopf gelte es, immer wieder kreativ neu zu verpacken. Generell kämen die Motive von querbeet: „Von Schicht zu Schicht der Menschen und ihrer Bedürfnisse.“ Das „Arschgeweih“ werde allerdings nicht mehr verlangt – vielmehr wollten seine Kunden jetzt, dass er es durch neue Ornamente für sie verstecke.

Es sei abgelöst worden durch das Unendlichkeits-Symbol (seitlich gelegte Acht), das er als „Assi-Propeller“ bezeichnet. „Aber das kann man auch in Schön machen“, sagt er und zeigt ein Foto, wo das Zeichen mit Feder und Schriftzug gestaltet wurde.

Ober- und Unterarm werden am häufigsten bebildert

Am meisten Bilder werden auf den Oberarm gestochen, den der Tätowierer wie den Unterarm als die „Sahnestückchen“ bezeichnet – diese Körperteile werden am häufigsten gestaltet. Danach folgen Oberschenkel und Waden. Der Rücken sei zu groß. „Das dauert oft ein Jahr, bis man damit fertig ist.“ Andere Stellen kämen erst dahinter in der Beliebtheitsskala.

Konstantin Petersen (29) aus Potsdam lässt sich von ihm gerade ein rund 20 mal 20 Zentimeter großes Mandala auf die Brust stechen. „Ich kann alles tragen.“ Fünf bis sechs Stunden dauert die Arbeit, die etwa 400 Euro kostet. Die Motivation des 29-Jährigen: „Das ist Körperschmuck. Das sieht im Bikini besser aus“, scherzt er. Seine Frau habe keine Tattoos, motiviere ihn aber, damit weiter zu machen, versichert er. Nach rund zehn Tattoos ist Petersen mittlerweile mit Hille befreundet.

Sanftes Hacken: „Es ist schon lange keiner mehr umgekippt“

Für Bastian Massierer (34) aus Luckau ist das heutige Tattoo eine Premiere, doch er gibt sich nicht mit einem kleinen Bild zufrieden: Rund zehn bis 15 Stunden dauert es, bis das kunstvolle und eigens für ihn designte Kunstwerk auf dem rechten Oberarm fertig gestellt ist, erklärt Heuwers. Für ihn geht es am nächsten Tag also weiter. „Ein kleines Tattoo würde blöd auf dem großen Oberarm aussehen“, ist Massierer überzeugt. Dass es ihm zu viel wird, davor hat er keine Angst. „Ich bin relativ leidensfähig.“ Die Maschinen seien auch schon recht sanft, sagt Heuwers, es sei schon sehr lange keiner mehr umgekippt.

Sein Studio hat keine Vorlagenbilder, die Kunden erzählen bei einem Vorgespräch, was sie sich vorstellen. Sechs bis sieben Stunden lang widmet er sich dann den Entwürfen, die dann vielleicht vor dem Tätowieren noch etwas angepasst werden. Das hat auch seinen Preis: 1000 oder 1500 Euro kann so etwas schon bei einer zweitägigen Arbeit kosten, aber es könne auch bei 2500 Euro für einen Tag liegen. „Das ist so verschieden wie die Motive und die Kunden selbst.“

Jacky (l), Philipp und Patricia auf der Tattoomesse Quelle: Varvara Smirnova

Von Konstanze Kobel-Höller

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