Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Teuerung auf der Archiv-Baustelle
Lokales Potsdam Teuerung auf der Archiv-Baustelle
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:34 24.07.2019
Archiv-Sprecherin Carolin Knüttgen auf der Baustelle. Quelle: Varvara Smirnova
Südliche Innenstadt

Mit dem Archiv in der Leipziger Straße ist die letzte große Kulturbaustelle der Landeshauptstadt ins Stottern geraten. Grund sind erst im Zuge der Bauarbeiten entdeckte Mängel, die die Kosten nach oben treiben. Am Wochenende hat der Betreiberverein deshalb eine Spendenkampagne eröffnet. Eine vergleichbare Aktion mit breiter Resonanz gab es im Jahr 2013, damals kamen in kurzer Zeit 50.000 Euro zusammen.

Das zuletzt als Filmarchiv genutzte denkmalgeschützte Brauereigebäude ist 1994 von linksalternativen Jugendlichen besetzt worden, wurde später legalisiert und entwickelte sich schließlich mit bis zu 60.000 Besuchern im Jahr zum größten nichtkommerziellen Kulturzentrum im Land Brandenburg.

Der Betrieb des Hauses wird komplett ehrenamtlich und ohne öffentliche Förderung abgewickelt. Auch an der von Architektin Alexandra Hirsch betreuten und vom Kulturamt begleiteten Sanierung des Hauses ist ein harter Kern von 20 Archiv-Gängern ehrenamtlich beteiligt.

Baugerüst am Archiv. Quelle: Varvara Smirnova

Den überfälligen Bauarbeiten gingen langwierige Verhandlungen voraus, begleitet von der permanent drohenden baupolizeilichen Sperrung und dem damit verbundenen Ende des Zentrums. 2008 wurden erstmals mehrere Bereiche zeitweise oder dauerhaft gesperrt, darunter der Keller mit Bandproberäumen, der als letztes saniert werden soll.

2013 ging das Gebäude über eine Erbpachtvertrag mit 66 Jahren Laufzeit von der Stadt an den Verein. Auf Stadtverordnetenbeschluss wurden gut 600.000 Euro für die Sanierung zur Verfügung gestellt.

In einer ersten Etappe wurde 2013 die Veranstaltungsetage mit Saal, Kneipe und Café brandschutzsaniert. Im November 2018 wurde von der Stadt per Zuwendungsbescheid mit 498.000 Euro der größte Teil der Fördermittel freigegeben. Umfang der zweiten Etappe: Dach, Fassade, Fenster, Brandschutzsanierung unter anderem der aktuell noch für den Publikumsverkehr gesperrten oberen Etagen und des Nebengebäudes mit Werkstätten und Turnhalle.

Ein Rundgang auf der Archiv-Baustelle. Aktuell wird am Dach und an der Fassade gearbeitet.

Geplanter Eigenanteil: 80.000 Euro. „Durch die Förderung der Landeshauptstadt schien die Maßnahme zunächst gedeckt“, sagt Vereinssprecherin Carolin Knüttgen, „doch dann kamen immer mehr verdeckte Mängel zum Vorschein.“

Hausbesetzer in Potsdam

Potsdams alternative Kulturszene

Das Kulturzentrum Archiv wird saniert

Ende Mai wurde das Baugerüst errichtet. Erst danach waren genauere Untersuchungen möglich. Gravierendste Entdeckungen: Die Verschalung des Dachs mit einer Gesamtfläche von 1000 Quadratmetern ist dünner als angenommen und vorgeschrieben. Mehrkosten: 60.000 Euro. Die 1400 Quadratmeter Fassade sollten in Absprache mit der Denkmalpflege eine zweifache Putzschicht bekommen. Geplante Farbe: Gedecktes Grau. Doch nun ist zur Straße eine zusätzliche Schicht nötig.

Der Grund: Der alte Putz wurde 1997 zur Verkehrssicherung abgeschlagen, seither war das Mauerwerk ungeschützt, haben Regen und Wetter die Fugen tief ausgespült. Zusatzkosten: 20.000 Euro. Längere Bauarbeiten schlagen auch bei der Miete für das Baugerüst zu Buche. Die Zeit drängt, der Verein fürchte, dass die Dachdeckerfirma die Baustelle verlässt, wenn die Dachsanierung nicht in kurzer Zeit mit den Zusatzkosten komplett finanziert ist.

Simon Schürmann (vorn) und Johannes Heinrich arbeiten ehrenamtlich auf dem Dach. Quelle: Volker Oelschläger

Das Archiv setze noch einmal verstärkt auf Eigenleistung, sagt Knüttgen. So werde die Hoffassade komplett von Ehrenamtlichen verputzt, auch der markante Turm auf dem Haus mit den Zierzinnen wird von Helfern unentgeltlich aufgearbeitet. Doch das Ehrenamt könne nicht die Arbeit von Fachfirmen ersetzen.

Das Archiv hat am Wochenende eine Seite auf der Internet-Spendenplattform „betterplace.org“ geschaltet. Spenden gesammelt werden auch über die Vereinsseite und mit der Sammeldose am Tresen. Ziel sind wie bei der ersten Kampagne 50.000 Euro. Die erste Hürde von 1000 Euro wurde nach Vereinsangaben am Sonntagabend genommen.

Und das Archiv hofft laut Knüttgen auf weitere Unterstützung der Stadt. Für den Innenausbau vorgesehene Fördermittel könnten für die Dachsanierung umgewidmet werden, um zunächst diesen Abschnitt zu sichern. Die Gespräche liefen, sagt die Sprecherin: „Die Zusammenarbeit ist wirklich gut und produktiv. Alle Beteiligten hoffen auf eine schnelle und positive Entscheidung der Stadt.“

Das Archiv und andere Häuser

Das denkmalgeschützte Gebäude des Archivs wurde um 1830 im Auftrag der Brauerei von Adelung & Hoffmann errichtet. Vor dem Mauerfall wurde es als Filmarchiv genutzt.

Als Kulturzentrum steht das Archiv einer Reihe mit dem Waschhaus und dem Lindenpark, wird im Gegensatz zu diesen jedoch komplett ehrenamtlich betrieben.

Das Waschhaus wurde bis 2008, der Lindenpark kurz darauf komplett saniert. Jüngste Großbaustellen für die Potsdamer Kultur waren das Bildungsforum und das Potsdam-Museum.

Von Volker Oelschläger

Meteorologie-Unternehmer Jörg Kachelmann und der Potsdamer Klima-Forscher Stefan Rahmstorf sind einander schon länger in leidenschaftlicher Abneigung verbunden. Jetzt beharken sie sich erneut – und rufen sogar den Potsdamer OB Mike Schubert (SPD) auf den Plan.

22.07.2019
Potsdam Verkehrsvergehen in Potsdam - Betrunkener Fahrer rammt Autos

Am Stern hat ein betrunkener Autofahrer mehrere Autos gerammt und dann versucht, zu Fuß zu fliehen. Bürger verhinderten das.

21.07.2019
Potsdam Fahrraddiebstähle und Raub in Potsdam - Räuber waren zuvor schon Fahrraddiebe

Zwei Räuber sind von der Polizei auch als frühere Fahrraddiebe überführt worden. Das Raubopfer kannte die Täter flüchtig; die Polizisten konnten mehrere Straftaten auf einen Schlag klären.

21.07.2019