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Potsdam Die Tage der Kutschfahrten in Potsdam sind gezählt
Lokales Potsdam Die Tage der Kutschfahrten in Potsdam sind gezählt
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00:30 29.06.2019
Viele Touristen erkunden Potsdam gerne mit der Pferdekutsche. Quelle: Foto: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Mit der Sommerhitze flammt in Potsdam der Streit um den Einsatz von Kutschpferden neu auf: Der Potsdamer Tierschutzverein (TSV) fordert ein Verbot der Kremserfahrten, kritisiert erneut die Fahrten bei sengender Hitze. Auf MAZ-Anfrage kündigt die einzige Kutschfahrten-Anbieterin in der Stadt, Christiane Sengebusch, nun überraschend tatsächlich das Ende ihres Betriebes an. Grund dafür ist allerdings nicht die Kritik der Potsdamer Tierschützer.

Die beklagen den Einsatz der Pferde unter anderem auf ihrer Facebookseite: „Pferde werden vor die Kutsche gespannt und müssen diese bei brütender Hitze gedankenlose Touristen, inklusive zentnerschweren Getränkevorräten, durch die Landeshauptstadt zerren“, heißt es dort. Seit Jahren kümmere sich die Politik nicht um die „himmelschreiende Tierquälerei“. Mit einem riesigen Stoppschild zum Beitrag fragt der TSV: „Wann findet diese Tierquälerei ein Ende?“

Kutschfreies Potsdam

In drei bis vier Jahren könnte ihr Wunsch tatsächlich wahr werden. Denn dann will Christiane Sengebusch, Betreiberin des Pferdefuhrbetriebs Sengebusch, nach mehr als 30 Jahren in den Ruhestand gehen. Einen Nachfolger findet sie nicht, obwohl die Touren in Potsdam gefragt sind. „Dann ist Potsdam kutschfrei“, sagt sie.

Ab 30 Grad im Schatten ist das schon jetzt der Fall – denn dann verbietet die Stadt zum Schutz der Tiere regelmäßige Kutschfahrten. Unter dieser Grenze sind die Einsatzzeiten für die Tiere auf acht Stunden am Tag mit einschließlich zwei halbstündigen Pausen festgesetzt. Eine Ausnahmeregelung seien Sonderfahrten wie langfristig geplante Hochzeiten, erklärt ein Rathaussprecher. Dann gibt es für die Pferde erst ab 35 Grad Celsius hitzefrei. Bis dahin dürfen sie nur fünf Stunden im Einsatz sein, müssen außerdem mehr Pause einlegen.

Auflagen reichen nicht

In der Landeshauptstadt würde das regelmäßig und bei Hitze auch vermehrt kontrolliert, heißt es aus der Pressestelle des Rathauses. Ergebnis: „Die Auflagen werden grundsätzlich eingehalten.“ Die Pferde seien gesund, in einem guten Ernährungs- und Trainingszustand und aufgrund ihres Körperbaus für den Einsatz vor dem Wagen geeignet. „Die sachkundigen Fahrer kennen ihre Tiere sehr genau und können jederzeit die Verfassung ihrer Pferde einschätzen, um ggf. die Tiere aus dem Einsatz zu nehmen.“

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Das reicht den Tierschützern bei Weitem nicht. „Die halten sich an das Gesetz, aber mit Tierschutz hat das nichts zutun“, sagt Antje Schwarze, Vorstand des Potsdamer Tierschutzvereins. Für sie ist auch die Zeit bis zum Ruhestand von Christiane Sengebusch zu lang. „Kutschfahrten zum Vergnügen haben keinerlei Berechtigung. Das stammt aus einer alten Zeit“, meint sie. Für den TSV gehörten Kutschfahrten verboten.

Sengebusch argumentiert dagegen, dass Pferde für die Arbeit gemacht seien. „Sie sind dafür ausgebildet“, sagt die Pferdefuhrbetreiberin. Sie sieht auch mit Blick auf den Verkehrslärm und -sicherheit keine Probleme mit ihren Tieren: „Die Kutschen sind ganz normal mit Licht, Blinkern und allem ausgestattet. Und die Pferde sind den Verkehrslärm gewöhnt.“

Sorgfalt der Pferdehalter

Heidrun Gehlen ist Tierärztin für Pferde und Professorin der Inneren Pferdemedizin an der Freien Universität Berlin und hat sich aufgrund der Debatte um den Einsatz von Kutschen in mehreren Städten intensiv mit der Frage beschäftigt. Sie meint:„Die Verantwortung liegt sicherlich bei den Pferdehaltern, die schon im eigenen Interesse darauf achten müssten, dass ihre Pferde weder überlastet werden noch überhitzen“.

Ähnlich wie beim Menschen, erklärt sie, können Pferde über das Schwitzen ihre Körpertemperatur regeln – aber bei Überlastung eben auch unter Krämpfen und im schwankenden Gang zusammenbrechen. „Wie ein Pferd auf Hitze reagiert, ist individuell und hängt von der körperlichen Konstitution, dem Alter, der Belastung und der Gewöhnung an Hitze und Luftfeuchtigkeit des Tieres ab“, erklärt Gehlen.

Sie rät, jedes Pferd sorgfältig zu beobachten und gelegentlich mit kaltem Wasser abzuduschen. Auch sollten pferdeunfreundliche Asphalt- und Kopfsteinpflasterstraßen vermieden werden. Sollten die Tiere bei Hitze vor die Kutschen gespannt werden, sollte sie nicht auf Dauer in der direkten Sonne laufen oder stehen.

Netzwerk des Tierschutzes

Dass die Auflagen bis zu einem Ende der Kutschfahrten in Potsdam tatsächlich eingehalten werden, wollen die Tierschützer aber nicht allein dem Veterinäramt überlassen. „Wir haben Leute in der Stadt, die das beobachten und Verstöße an uns und das Veterinäramt melden“, sagt TSV-Vorsitzende Antje Schwarze. „Wir haben selbst zwar leider keine Befugnisse und können das nur aus der Ferne ganz genau im Auge behalten.“

Sie hofft lieber heute als morgen auf ein Ende des Kutschpferde-Einsatzes in Potsdam und hat sich auch über Alternativen schon Gedanken gemacht. Die Tierschützerin schlägt elektrische Rikschas vor – ob es das schon gibt, weiß sie allerdings nicht sicher.

Von Jan Russezki

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