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Potsdam Rott kommt mit Schiller zurück
Lokales Potsdam Rott kommt mit Schiller zurück
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00:22 10.02.2019
Nach zehn Jahren arbeitet Tobias Rott erstmals wieder am Hans-Otto-Theater. Quelle: Stefan Gloede
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Schiffbauergasse

Sechs Mal wurde Schillers „Kabale und Liebe“ bisher am Hans-Otto-Theater inszeniert. Beim ersten Mal in der Spielzeit 1950/51 unter Regie von Joachim Giese war das Haus in der Zimmerstraße noch Landesbühne. Für die sechste Premiere im Januar 2006 unter der Regie von Gisbert Jäkel wurde in den Seitentrakt der Theater-Blechbüchse am Alten Markt extra eine Kammerbühne eingebaut.

Adina Vetter war die bürgerliche Musikertochter Luise, Moritz Führmann der Adelsspross Ferdinand, der sie liebt, aus Standesgründen aber die Mätresse des Herzogs (Anne Lebinsky) heiraten soll. Tobias Johannes Erasmus Rott schließlich gab den schmierigen Haussekretär Wurm, der sich selbst größte Hoffnungen auf Luise macht.

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Nun ist Rott wieder da. Die siebente Inszenierung des Klassikers am HOT läuft unter seiner Regie. Am Freitagabend ist Premiere. „Ich liebe ,Kabale und Liebe’“, sagt er, „weil ich es unfassbar finde, wie die Personen in diesem Stück interagieren. Wie sie miteinander sprechen. Was sie sich sagen, was sie versuchen zu verbergen dadurch, dass sie was sagen. Wie das psychologisch gedacht ist – einfach genial.“

Bei der Arbeit an diesem Stück könne man „forschen und suchen, man findet immer wieder Neues“. Es sei „wirklich toll, sich damit zu beschäftigen, abgesehen vielleicht davon, dass sie sterben müssen zum Schluss“.

Tobias Rott kam 2004 mit dem neuen Intendanten Uwe Eric Laufenberg ans HOT. Sein Potsdam-Debüt gab er zur Eröffnungspremiere mit Kleists „Hermannsschlacht“ in der riesigen, für dieses Stück komplett umgeräumten Blechbüchse in der Titelrolle des Etruskers.

Lachend erinnert er sich, dass Joachim Schönitz in dieser Vorstellung in einen Graben stolperte. „Dann hat er seinen Auftritt nicht mehr gefunden und Roland Kuchenbuch musste allein diese Szene spielen. In der Premiere!“

Tobias Rott (r.) 2008 mit Robert Galinowski (M.) in „Die satanischen Verse“. Quelle: Detlev Scheerbarth

In Laufenbergs Intendantenzeit fiel der Abschied vom ungeliebten Bühnenprovisorium am Alten Markt und die Eröffnung des neuen Hauses in der Schiffbauergasse im Spätsommer 2006. Unter dem Motto „Unterwegs“ erkundete das Ensemble über zwei Spielzeiten hinweg an improvisierten Spielstätten die Stadt. „Ich fand es großartig, obwohl es teilweise mit radikalsten Mühen verbunden war. Aber es hat wahnsinnig Spaß gemacht.“

Mit „Mobil“ von Sergi Bebl schließlich gab Rott im komplett freigeräumten Parterre der alten Fachhochschule sein Debüt als Regisseur. Dazu ermutigt hatten sie ihn nach einem HOT-Kleinkunstabend im Varieté Walhalla, in dem er seinen Schauspielerkollegen Christian Klischat in Frauenkleidern auf die Bühne geschickt hatte.

Seither arbeitete er zweigleisig. Rott war Mephisto im „Faust“, Amadeus indem Mozart-Drama, Saladin in der von Polizei geschützten Uraufführung der „Satanischen Verse“ von Salman Rushdie. Er inszenierte Oscar Wildes „Ein idealer Gatte“, Anthony Neilsons „Frohes Fest“ und Ferdinand Bruckners „Krankheit der Jugend“.

Rotts Potsdamer Jahre endeten im Frühsommer 2009 zur Abschiedsfeier des Laufenberg-Ensembles mit einem Sprung in die Havel. Seit 2018 ist er Schauspieldirektor am Staatstheater in Meiningen. Nun ist er erstmals wieder in der Stadt.

Eröffnet wird „Kabale und Liebe“ in einem Kasten, der vielleicht an eine Puppenstube erinnert. „Vier Meter breit, vier Meter hoch“, sagt der Regisseur: „Am Anfang ist das alles offen. Dann schließt es sich und sie sind gefangen in der Realität.“

Besetzung und Termine

Lara Feith und Hannes Schumacher sind in der siebenten Inszenierung von „Kabale und Liebe“ am Hans-Otto-Theater Luise und Ferdinand.

In weiteren Rollen spielen Jörg Dathe (Präsident), Andreas Spaniol (Miller), Ulrike Beerbaum (Millerin), Nadine Nollau (Milford), Henning Strübbe (Kalb) und Jonas Götzinger (Wurm).

Regie führt Tobias Johannes Erasmus Rott, Bühnenbild und Kostüme sind von Susanne Füller, Dramaturgin ist von Natalie Driemeyer.

Die Premiere am Freitag und die Vorstellung am 14. Februar, Beginn jeweils 19.30 Uhr, sind ausverkauft. Einzelne Restkarten möglicherweise an der Abendkasse.

Weitere Termine: 16. Februar, 19.30 Uhr; 3. März, 17 Uhr; 5. März, 18 Uhr; 6. März, 10 Uhr; 13. März, 18 Uhr. Mehr auf www.hansottotheater.de oder per Telefon 0331/98 118.

Von Volker Oelschläger