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Potsdam Todesmarsch gegen illegale Felle
Lokales Potsdam Todesmarsch gegen illegale Felle
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20:30 11.03.2013
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Für den Nachmittag hatten sich Aktivisten der Tierschutz-Organisation Peta angekündigt. Deren Ruf war ihnen vorausgeeilt. Und sie kamen pünktlich. Um 15.20 Uhr postierte sich das achtköpfige Protest-Grüppchen vor dem Pelzgeschäft der 57-Jährigen – drei von ihnen in schwarzer Kutte, mit Totenkopfmaske und Sense in der Hand.

Ein Aufzug mit System: Unter dem Motto „Pelz ist tot“ touren die Aktivisten seit einigen Tagen durch ganz Ostdeutschland – von Schwerin über Berlin nach Potsdam. „Es gibt immer noch Nerzfarmen, in denen Tausende Tie-re gezüchtet werden“, beklag-te Aktionskoordinator Patrique-Robert Noetzel. Er hatte sich bewusst für die Landeshauptstadt als Ort des Protestes entschieden – immerhin sei die Pelzfarm Frankenförde (Teltow-Fläming) „in der Nä-he“. Schon seit Monaten steht die Anlage auf dem Index der Tierschutzorganisation. Im vergangenen Juni hatte Peta Strafanzeige gegen die Betreiber erstattet – wegen Verstößen gegen die Tierschutzverordung. Eine Aktion direkt vor der Pelzfarm sei dennoch nicht geplant, so Noetzel.

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Anstatt die Betreiber direkt zu konfrontieren, sucht Peta die Öffentlichkeit. Auf drastisch bebilderten Flyern fordern sie Passanten auf, Pelzmäntel und -accessoires aus ihren Kleiderschränken zu verbannen – anscheinend mit Erfolg. Vor allem junge Potsdamer ließen sich mitreißen. „Die Aktion ist sehr positiv verlaufen“, resümierte Noetzel, nachdem die Sensenmänner ihre Route über die Einkaufsstraße beendet hatten. „Die Leute waren uns sehr zugewandt.“

Kein Wunder, fehlte doch der Schockeffekt, mit dem die Peta in den vergangenen Jahren immer wieder Aufsehen erregt hatte – etwa 2007, als Tierschützerinnen vor dem Bildungsministerium das Angeln als Massenmord von Fischen anprangerten. Oder 2010, als sich eine junge Aktivistin auf dem Luisenplatz halbnackt in einen Käfig sperren ließ. „Sowas dient der Veranschaulichung“, sagte Noetzel. Trotzdem verzichtete er auf drastische Inszenierungen – bis auf ein paar farbverschmierte Pelze blieb die Aktion harmlos.

Leise Töne statt laute Parolen – das versöhnte sogar Pelzhändlerin Claudia Oldag mit den Tierschützern. „Wir haben ja Meinungsfreiheit“, sagte sie. „Solange das so ruhig abläuft wie heute, habe ich nichts dagegen.“ Noch vor drei Jahren sah das anders aus. Immer wieder, so die 57-Jährige, hätten Aktivisten damals die Scheiben ihres Geschäfts mit roter Farbe beschmiert. Mit der Zeit habe das nachgelassen. Der Protest kommt in Wellen, sagt sie. (Von Judith Görs)

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