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Potsdam Totschlägerin bleibt auf freiem Fuß
Lokales Potsdam Totschlägerin bleibt auf freiem Fuß
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15:43 30.10.2019
Inga W. ist nun wieder eine freie Frau – gegen Auflagen Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Zur Verkündung des Urteils erscheint Inga W. bereits als freie Frau: An den sechs Verhandlungstagen zuvor war die 36-Jährige, die im Juli 2017 in der Psychiatrie des Ernst-von-Bergmann-Klinikums ihre 82-jährige Zimmergenossin mit bloßen Händen erwürgt haben soll, stets von vier Pflegern aus dem Fachklinikum Teupitz ins Landgericht Potsdam gebracht und in Handschellen vorgeführt worden. Nun aber konnte Inga W. die Nervenklinik, in der sie seit beinahe einem Jahr untergebracht war, bereits am Mittwoch verlassen – ein Vorzeichen auf das Urteil, das das Schwurgericht unter Vorsitz von Theodor Horstkötter für Freitagnachmittag angesetzt hatte.

Im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt

Demnach ist das Gericht überzeugt davon, dass Inga W. – und nur sie allein – die ihr vorgeworfene Tat begangen hat. Ins Gefängnis muss Inga W. deshalb aber nicht – laut dem psychiatrischem Gutachter Mathias Lammel hat die seit ihrer Jugend an einer paranoiden Schizophrenie leidende Frau in einem akut psychotischen Schub und daher im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt. Auch die von Staatsanwalt Gerd Heininger geforderte Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus bleibt Inga W. bis auf Weiteres erspart – das Gericht setzte die Maßregel zur Bewährung aus. Der Grund: Nimmt Inga W. ihre Medikamente wie verschrieben, gehe keine Gefahr von ihr aus. Sie werde von ihrer Familie und von Freunden unterstützt. Sie sei reflektiert. Ihr Arbeitgeber halte ihren Job für sie frei. „Wir sehen eine positive Prognose“, sagte Horstkötter.

Als Bewährungszeit legte das Gericht die mögliche Höchstdauer von fünf Jahren fest. Binnen dieser Frist darf Inga W., die einen Bewährungshelfer erhält, nichts an den verordneten Medikamenten ändern, sie muss dem Gericht einmal im Monat einen Laborbericht über ihren Medikamentenspiegel vorlegen, sich einmal in der Woche in der psychiatrischen Institutsambulanz vorstellen und sich zudem einer psychotherapeutischen Behandlung unterziehen. „Wenn wir feststellen, dass es Unregelmäßigkeiten gibt, werden wir ganz schnell reagieren“, kündigte Horstkötter an.

Etwaige Fehler des Klinikums waren nicht Gegenstand der Verhandlung

Während Inga W. die Erleichterung anzusehen war, reagierte der Sohn der Getöteten auf das Urteil mit Enttäuschung und Unverständnis: „Das ist zu lasch. Ich hab mir gewünscht, dass sie sie wegsperren – nicht das ganze Leben, aber dass sie weiß, was sie getan hat.“ Gegen das Urteil können die Beteiligten Rechtsmittel einlegen. Die Verteidigung, die einen Freispruch gefordert hatte, ließ offen, ob sie das in Erwägung zieht, lobte aber die faire Verhandlung. Während der war öfter Kritik am städtischen Klinikum aufgekommen. Die Frage, ob der Tod der alten Dame vermeidbar gewesen wäre, ob das Bergmann womöglich seine Sorgfaltspflicht verletzt hat, galt es allerdings nicht in diesem Sicherungsverfahren zu klären.

Von Nadine Fabian

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