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Potsdam Trendige Bio-Brillen aus Potsdam
Lokales Potsdam Trendige Bio-Brillen aus Potsdam
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18:55 06.08.2017
Die beiden Jungunternehmer Sergio Duarte (l.) und Rodolfo Pinto zeigen im Rechenzentrum Potsdam ihre Brillenkollektion.
Die beiden Jungunternehmer Sergio Duarte (l.) und Rodolfo Pinto zeigen im Rechenzentrum Potsdam ihre Brillenkollektion. Quelle: Friedrich Bungert
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Pewen heißt der heilige Baum in der Sprache der Mapuche, der Ureinwohner Patagoniens. Araukarie nennt man das Gehölz auf Deutsch. Auch in Potsdam, im botanischen Garten, hat Sergio Duarte Pewen entdeckt. Wenn das nicht ein gutes Omen ist. Sergio Duarte ist auf dem Holzweg und hat dabei den Durchblick: Gemeinsam mit seinem Kompagnon Rodolfo Pinto kreiert er im Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum Brillen aus Holz. Pewen heißt ihr erst vor sieben Monaten gegründetes Unternehmen in Potsdam. Nun sind die beiden Chilenen für den Brandenburger Designpreis nominiert.

Quelle: Friedrich Bungert

Vielfalt und trotzdem Schlichtheit – das ist nach Sergios Geschmack

Angefangen hat alles damit, dass Sergio Duarte (33) keine schöne Sonnenbrille fand. Eigentlich muss man noch weiter zurückgehen. In seiner Heimat Chile lernte der Businessdesigner Tina aus Jena kennen, die dort einige Zeit verbrachte. Die beiden verliebten sich, Sergio ging vor dreieinhalb Jahren mit nach Deutschland. Mittlerweile sind die beiden verheiratet und erwarten ihr erstes Kind. Weil seine Frau eine Stelle in Potsdam bekam, sind sie schließlich in der Landeshauptstadt gelandet. „Potsdam ist wunderschön und nicht zu groß“, schwärmt Sergio, der höchstens die vielen verschiedenen Muschel- und Meeresfrüchtesorten, einfach zubereitet, aus Chile vermisst. Vielfalt und trotzdem Schlichtheit – das ist ganz nach seinem Geschmack. Und nun kommen die Sonnenbrillen von der Stange ins Spiel, die dem Designer nicht gefielen. Also ging er in den Keller, nahm Handsäge und Schleifpapier und versuchte aus Holz ein Brillengestell zu fertigen. Das Ergebnis gefiel ihm. „Ich trage die Brille noch immer“, sagt Sergio Duarte. Inzwischen sind in der Atelierwerkstatt im Rechenzentrum etliche Modelle, dunkel und hell, rund und eckig zu bewundern.

Blick auf den Arbeitstisch von Sergio Duarte. Quelle: Friedrich Bungert

Das stabile Gestell sieht aus als wäre es aus einem Stück Holz gefertigt, aber der Eindruck täuscht. Sergio Duerte zeigt ein Furnier, eine 0,5 mm dünnes Blatt aus Holz. Mit Hilfe eines Lasers werden die Blätter in die richtige Größe geschnitten, dann zehn Schichten übereinander verleimt. Auch dabei kommen nur ökologische Produkte zum Einsatz. Das Holz bezieht er von einem Markt bei Stuttgart. 15 Tage müssen die geschichteten Holzblätter trocknen, dann wird die Form des Gestells in die oberste Lage gelasert und dann von Hand vorsichtig ausgesägt und mit Schleifpapier bearbeitet. Die Bügel werden nach einem ähnlichen Prinzip hergestellt und dann mit dem Vorderteil der Brille verbunden. „Echte Handarbeit“, erklärt Sergio Duerte, „jedes Stück ist ein Unikat und kann nach den Wünschen des Kunden gefertigt werden.“ Kombinationen aus hellem und dunklem Holz etwa sind denkbar. Auch der Name des Trägers kann in den Bügel eingraviert werden. Auch die Werkzeuge und Zwingen haben sich die beiden Designern selbst gebaut. Mehr als 30 Einzelteile werden für die Pewen-Brillen zusammengesetzt. 25 bis 30 Stunden Arbeit steckt in einer Brille, die anschließend vom Optiker mit den passenden Gläsern versehen wird.

Quelle: Friedrich Bungert

Jede Brille ein Baum

Rodolfo Pinto (31), von Beruf Industriedesigner, hat Sergio Duerte über Bekannte in Deutschland kennengelernt. Auch er stammt aus Chile und kam über ein Working-Holiday-Visum in die Region. Gerne würde er dauerhaft bleiben und gemeinsam mit Sergio Duerte an weiteren Brillenmodellen tüfteln. Doch nicht nur Sehhilfen kreieren die beiden Kreativen. Sie entwickeln auch Lampen und Schmuck aus Holz. Originelle Ohrringe und Ketten zeigen die beiden in ihrer Werkstatt im Rechenzentrum, die zugleich als Verkaufsraum dient. Auch auf Märkten sind die beiden unterwegs, um ihre Werke bekannt zu machen. Die beiden Designer arbeiten unter anderem mit Eiche, geräucherter Eiche, Ahorn, Nussbaum und Kirschbaum. In ihrer chilenischen Heimat haben Waldbrände mehrere Tausend Hektar Wald zerstört. Für jede verkaufte Brille spenden die Designer einen Betrag an eine Organisation, die diesen Verlust wieder ausgleichen will und neue Pewen pflanzt. Jede Brille ein Baum. Der deutsch-chilenische Wirtschafts-und-Öko-Kreislauf ist preisverdächtig.

Designpreis Brandenburg

Mit dem Designpreis Brandenburg würdigt das Wirtschaftsministerium in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal herausragende Arbeiten, Projekte und Konzepte aus dem Designbereich. Der Preis ist mit einem Gesamtwert von 20000 Euro dotiert und wird am 9. Oktober in der Schinkelhalle vergeben.

In den drei Kategorien Produktdesign, Kommunikationsdesign sowie Lichtdesign wird der Preis vergeben. Darüber hinaus können Studierende und Absolventen aller Brandenburger Hochschulen in der Kategorie Nachwuchspreis starten.

Das Potsdamer Label Pewen ist in der Kategorie Produktdesign nominiert. Daneben hoffen auf den Preis Bombardier Transportation für das Design der Metro in Stockholm und die bayrischen Aufmberg GmbH & Co Kg für das Shopdesgin des Kaffeeladens Die Espressonisten in Berlin, die auch eine Dependance in der Potsdamer Gutenbergstraße haben.

Von Marion Kaufmann

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