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Potsdam Krempel, Kitsch und Kostbarkeiten: Diese Schnäppchen gibt’s auf Flohmärkten in Potsdam
Lokales Potsdam Krempel, Kitsch und Kostbarkeiten: Diese Schnäppchen gibt’s auf Flohmärkten in Potsdam
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00:21 02.04.2019
Die Trödelmarkt-Saison hat begonnen. Quelle: Robert Roeske
Potsdam

Mit dem Frühling öffnen die Trödelmärkte in Potsdam und im Umland. Bei aller Feilscherei gibt es dort Regeln- ein Fachmann erklärt hier, welche das sind. So mancher Flohmarkt-Besucher hat beim Stöbern schon Schnäppchen gemacht – auch diese fünf MAZ-Redakteure:

Die Tasche für jede Gelegenheit

Eigentlich kaufe ich auf Flohmärkten vor allem Kinderkleidung. Diese suchte ich auch, als mir die Tasche auffiel. Sofort war klar: Genau mein Stil, perfekte Größe, der Riemen ist endlich mal nicht zu lang, die will ich haben. Der Stand gehörte drei jungen Frauen, die ihre Kleiderschränke ausgemistet hatten und sich zusammen etwas Urlaubsgeld verdienen wollten.

Saskia Kirf mit der Tasche vom Flohmarkt. Quelle: Varvara Smiirnova

 

Mit den drei Euro, die ich für meine kleine Handtasche bezahlt habe, sind sie auf ihrer geplanten Reise sicher nicht weit gekommen. Aber dafür hat das Täschchen mit mir schon einiges erlebt. Es war am Meer und in der Stadt, hat von den Eheringen zweier sehr lieber Freunde bis hin zu Babywindeln alles transportiert, was eben hineinpasst und mir im Alltag gute Dienste erwiesen. Mittlerweile sieht man der Tasche die Jahre an, die sie mir verbracht hat, aber so soll es bei Vintage-Accessoires ja auch sein. Saskia Kirf

Die Presse mit Gewicht

Ein echtes Schnäppchen war mein schönster Flohmarktschatz eigentlich nicht. Es handelt sich um eine über 100 Jahre alte Spindelpresse aus sogenanntem Berliner Eisen. Als ich sie vor Jahren auf einem Antikmarkt unter freiem Himmel entdeckt hatte, habe ich die dunkle, massive Ausstrahlung gleich gemocht. Während man sonst wohl spontan etwas kauft und einsteckt – ich stöbere zum Beispiel gern bei alten Postkarten – habe ich in diesem Fall eine Anzahlung geleistet und bin nach Hause gegangen, um mein Fahrrad zu holen.

Peter Degener mit der Buchpresse vom Flohmarkt. Quelle: Varvara Smirnova

16 Kilogramm wiegt die Buchpresse. In einer Ikea-Tasche und mit festem Griff habe ich das stählerne Ungetüm dann auf dem Gepäckträger nach Hause geschoben. Seitdem sorgt es in einer Ecke meines Wohnzimmers für Verwunderung bei manchen Gästen. Ich habe darin ein paar alte Hefte der Zeitschrift „Die Weltbühne“ locker eingespannt. Wer sich herantraut und den schweren Hebel bewegt, hört ein fürchterliches Quietschen. Peter Degener

Der Ring der Erkenntnis

Während meiner Studienzeit habe ich so manches Trödel-Erlebnis gehabt. Aber mein erstes und wichtigstes Learning machte ich als Verkäuferin: Gleich morgens brachte ich eine alte 50er-Jahre-Handtasche für 40 Euro an die Frau. Wenig später sah ich die Handtasche bei unseren Nachbarn drei Stände weiter hängen – für 70 Euro. Offensichtlich gängig. Was für eine bittere, aber lehrreiche Erfahrung: Ohne handeln, läuft auf so einem Markt eben nichts – soll es auch nicht. (Ob sie tatsächlich für den Preis wegging, weiß ich natürlich nicht).

Anne Knappe mit dem Ring vom Flohmarkt. Quelle: Varvara Smirnova

Bei diesem Ring auf einem anderen Markt in der Hansestadt teste ich also gleich mein Wissen. Wir schmetterten uns wild die Zahlen entgegen, überlegten und trafen uns recht zufrieden bei ungefähr neun Euro. Der Ring hat keinen großartigen Wert. Ein 925er Silberring. Eigentlich ist das gute Stück völlig untypisch für mich. Ich fühle mich eher im Team Gold wohl – aber er sieht aus wie eine kleine Muschel, schmiegt sich so perfekt an. Ich liebe ihn und musste ihn einfach haben – und irgendwie erinnert er mich immer an meine Lektion, die ich damals gelernt habe. Anne Knappe

Das Fahrrad zum Behalten

Es war Liebe auf den ersten Blick. Keine glühende Leidenschaft, eher eine Gewissheit: Dieses Fahrrad musste es sein. Es war gut in Schuss und knallgrün – praktisch, um es leicht wiederzufinden, und hässlich genug, um nicht geklaut zu werden. Denn genau das war mir gerade passiert. 2006, ich war frisch nach Berlin gezogen, und das Kettler-Alu-Rad, das ich meinem Vater abgeschwatzt hatte, ließ ich einen Moment zu lang unabgeschlossen im Innenhof stehen. Also musste Ersatz her.

Maike Schultz mit dem Fahrrad vom Flohmarkt. Quelle: Varvara Smirnova

Auf dem Flohmarkt im Mauerpark wurde ich für 50 Euro an einem Stand mit riesiger Auswahl fündig, woher der Trödler so viele Räder hatte, habe ich lieber nicht gefragt. Seitdem ist es mir treu, hat eine Trennung, vier Umzüge und einen Jobwechsel mitgemacht. Seit dem Kauf habe ich jährlich 50 Euro in das Rad investiert, weil immer wieder etwas kaputt ging – erst die Reifen, dann die Gangschaltung. „Aber der Rahmen würde einen Weltkrieg überstehen“, attestierte mir die letzte Werkstatt. Maike Schultz

Der Espressokocher für immer

Ich liebe Flohmärkte! So manches habe ich dort schon erstanden, aber das treueste Stück ist mein Espressokocher. Ich war Ende der 90er frisch nach Potsdam gezogen und da war dieser kleine Flohmarkt neben dem Mercure – zwei Reihen mit Ständen von Profi-Händlern mit überdachten Auslagen und Gelegenheitströdler, die Aussortiertes auf Tapeziertischen feil boten. Ein wunderbares Gewusel.

Alexander Engels mit dem Kaffeekocher vom Flohmarkt. Quelle: Varvara Smirnova

 

Irgendwo dazwischen ein Stand mit dem Ragout aus Haushaltsdingen: Töpfe, Tassen, Teller, Deko. Dort schimmerte silbrig eine Kanne. Ich erkannte sie nicht sofort als Espressokocher, sondern hielt sie für eine Art Samowar oder Dröppelminna, wie man in meiner bergischen Geburtsstadt sagt. Aber die sind nicht aus Edelstahl. „Damit kannste Kaffee kochen“, klärte mich der Handelsmann hinterm Stand auf, „fünf Mark“. Wir einigten uns auf vier, glaube ich. Ich weiß nicht mehr, wie die erste Tasse Kaffee schmeckte. Aber aus einer wurden viele Hunderte im Laufe der Jahre. Und neulich in einem Kaffee-Seminar erfuhr ich, wie ich den Kaffee damit richtig aufbrühe. Alexander Engels

Die nächsten Trödelmärkte in und um Potsdam

30. März, 9 Uhr, Kinderflohmarkt, Kita „Teltow Kids“, Iserstraße 4, Teltow

31. März, 9 Uhr, Nummernflohmarkt, Kita „Tönemaler“, David-Gilly-Straße 3

6. April, 13 Uhr, Frühlingsmarkt Kita „Peter und Paul“, Allee nach Sanssouci 8

6. April, 14 Uhr, Kinderflohmarkt Potsdamer Sportunion, Templiner Straße 24

14. April, 10 Uhr, Kinderflohmarkt Volkspark

14. April, 15 Uhr, Kinderflohmarkt, Treffpunkt Freizeit, Am Neuen Garten 64

22. April, 10 Uhr, Flohmarkt, Waldhaus und Falkenhof, Ravensberggestell 2

28. April, 13 Uhr, Soli-Flohmarkt, Freiland, Friedrich-Engels-Straße 22

4. Mai, 9 Uhr, Geben- und Nehmen-Markt, Lustgarten

4. Mai, 10 Uhr, Flohmarkt, Michendorfer Platz 1, Michendrof

12. Mai, 10 Uhr, Kinderflohmarkt am Wasserspielplatz Volkspark

Von Saskia Kirf, Peter Degener, Anne Knappe, Maike Schultz und Alexander Engels

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