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Potsdam Überfall auf Villa: Einbrecher gab sich als Flüchtling aus
Lokales Potsdam Überfall auf Villa: Einbrecher gab sich als Flüchtling aus
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07:56 20.11.2018
Im Prozess um den brutalen Überfall auf eine Potsdamer Villa im Juli 2017 hat gestern der Familienvater vor dem Landgericht ausgesagt. Quelle: Britta Pedersen dpa/lnw
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Potsdam

Im Prozess um den brutalen Überfall auf eine Potsdamer Villa im Juli 2017 hat gestern der Familienvater Thorsten B. (Namen geändert) vor dem Landgericht ausgesagt. Mitten in der verregneten Nacht hört er ein Geräusch im Flur. Er will nachsehen, ob alles in Ordnung ist und trifft im Treppenhaus auf zwei dunkle Gestalten – Einbrecher. Sie stoßen den Familienvater zurück ins Schlafzimmer, der eine hält ein Messer in der Hand. Was dann folgt beschreibt Thorsten B. als die „alptraumhaftesten 20 Minuten meines Lebens“.

Täter verlangen Geld

Die beiden Einbrecher schlagen und treten auf Thorsten und seine Frau Dana B. ein, auch die elfjährige Tochter der B’s gerät in die Gewalt der Täter. Sie verlangen Geld und lassen erst von ihren Opfern ab, als Dana B. die Flucht aus der Villa gelingt. Die Angeklagten John R. und Jorge H. wurden kurz nach der Tat gefasst. Sie sitzen seitdem in Untersuchungshaft.

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Der angeklagte Jorge H. – wird beim Prozessauftakt am 22. Oktober in Handschellen vorgeführt. Quelle: Friedrich Bungert

Thorsten B. berichtet auch von einem „skurrilen Gespräch“, das in der Tat-Nacht stattgefunden haben soll. Einer der Täter hätte plötzlich erzählt, er sei ein syrischer Flüchtling, der in Deutschland keine Chance habe und deshalb kriminell geworden sei. „Offenbar hatte er Erklärungsbedarf“, sagt Thorsten B. Ihm sei aber schon in der Nacht aufgefallen, wie gut der Täter Deutsch spricht.

Täter lebt in Berlin

Tatsächlich stammt Jorge H., der Täter, der sich als Flüchtling ausgegeben haben soll, aus Kuba und lebt schon einige Jahre in Berlin. Wie auch der Richter im Prozess erkennt, handelte es sich offenbar um den Versuch, eine falsche Fährte zu legen.

Während Thorsten B. vor Gericht spricht, halten Jorge H. und John R. ihre Blicke gesenkt. Sie zeigen keine Regung. Nur einmal ganz kurz schaffen sie es, den Zeugen anzuschauen. Es sind die Momente, in denen sie ihre Entschuldigungen vorbringen. Thorsten B. nimmt die Worte der Täter „zur Kenntnis“, doch annehmen könne er die Entschuldigung nicht. Zu schwer wiegen die Folgen des Überfalls bis zum heutigen Tag. Die Leichtigkeit sei ihm abhanden gekommen, sagt Thorsten B., er führe jetzt ein anderes Leben.

Schmuck fehlt bis heute

Besonders viel Beute hatten die Einbrecher im Juli 2017 nicht gemacht. Die rund 3000 Euro Bargeld aus der Villa, die sie sich in die Tasche gesteckt hatten, konnte die Polizei ihnen später wieder abnehmen. Bis heute fehlt allerdings Schmuck im Wert von mehr als 20.000 Euro.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt, dann soll ein Gerichtsmediziner aussagen.

Von Jonas Nayda