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Potsdam Friedrich-Ebert-Straße wird „Wohnzimmer“ von Potsdam
Lokales Potsdam Friedrich-Ebert-Straße wird „Wohnzimmer“ von Potsdam
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08:33 13.06.2018
Die Bäckerei Braune Quelle: Friedrich Bungert
Innenstadt

Frischekur für die Friedrich-Ebert-Straße: Ab 2022 soll der Umbau der zentralen Verkehrsader im Abschnitt zwischen Nauener Tor und Charlottenstraße starten. Danach wird sich die Friedrich-Ebert-Straße als „Boulevard“ präsentieren; der Platz vor dem Nauener Tor soll atmosphärisch zum „Wohnzimmer“ der Stadt werden. Das hat Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos) am Montagabend bei der Fortsetzung des Workshops zur Zukunft des Straßenabschnitts erklärt.

Bei der Veranstaltung im Saal des Alten Rathauses konnten interessierte Bürger ihre Vorstellungen für die Planungen weiter präzisieren. Bei den Teilnehmern handelte es sich meist um Anwohner und um Ladeninhaber wie Marit Kniesche vom Sanitätshaus Kniesche, Werner Gniosdorz von der Bäckerei Braune und Stefan Bellin von der Buchhandlung „Internationales Buch“.

Gefährlicher Mix soll verschwinden

Klar ist jetzt schon nach der Auftaktrunde am 24. April: Die Straße soll ihr Gesicht komplett verändern. Sie wird barrierefrei ohne sichtbar erhöhte Bürgersteige. Und: Weg von dem kunterbunten – und oft nervig-gefährlichen – Mix aus Autos, Bussen, Trams, Radlern und Fußgängern.

Stattdessen soll die Meile zwischen Holländischem Viertel und dem Kiez rund um die Brandenburger Straße deutlich attraktiver für Fußgänger und Radfahrer werden. Sie haben den höchsten Anteil an den Verkehrsteilnehmern – abgesehen vom öffentlichen Nahverkehr mit Bussen und Trams.

Interessen sind schwer in Einklang zu bringen

Fußgänger sind die dominanten Nutzer der Friedrich-Ebert-Straße, haben aber nur einen Bruchteil des Raums. Doch die Interessen in der knapp 22 Meter breiten Straße sind schwer miteinander in Einklang zu bringen. So ist die Straße die wichtigste Nord-Südtrasse für den Radverkehr und Geschäftsstraße mit viel Lieferverkehr.

In der ersten Workshop-Runde im April wurden noch zwei Varianten diskutiert. „Boulevard“ und – fast autofreie – „Flaniermeile“ hießen die Diskussionsvorschläge. Nun hat die Boulevard-Variante das Rennen gemacht.

Sowohl Passanten als auch Radler bekommen nach der Umgestaltung mehr Platz. Auch die Aufsteller und Fahrradständer vor den Geschäften – oft ein lästiges Hindernis für Flaneure – sollen weg von den Gehsteigen und auf die sogenannten „Funktionsstreifen“ zwischen Geh- und Radweg.

Auf den Funktionsstreifen befinden sich dann auch Sitzbänke. Weiterhin nicht geplant: Eine Bepflanzung der Straße mit Bäumen, weil das nicht dem historischen Vorbild entsprechen würde. Forcieren will man hingegen eine Begrünung der Hausfassaden.

Auf der Friedrich Ebert Straße in Potsdam gibt es einen kunterbunten Mix verschiedener Verkehrsteilnehmer wie den Fußgängern, Fahrradfahrern, der Tram, Busse und Autos – das Ganze soll ab 2022 entzerrt werden. Quelle: Friedrich Bungert

Die größte Veränderung erwartet aber die parkplatzsuchenden Autofahrer. Momentan gibt es noch einen regen Wettlauf um 35 reguläre Stellplätze – diese werden verschwinden. Dauerparkende Autos soll es nicht mehr geben.

Das heißt aber nicht, dass das Parken dann komplett verbannt wird. Beladen und Entladen bleibt auf Ladezonen möglich. Zudem gibt es ein eingeschränktes Halteverbot. Heißt: Man kann das Auto für drei Minuten abstellen. Behinderte dürfen maximal drei Stunden parken.

Keine Mehrheit für die Einbahnstraße

Auch beim Durchfahrtsverkehr könnte es nach dem Umbau deutlich ruhiger zugehen. Die Zufahrt von der Gutenbergstraße auf die Friedrich-Ebert-Straße soll mit Pollern unterbunden werden.

Eine ebenfalls diskutierte Einbahnstraßen-Regelung fand beim Workshop nicht so viele Anhänger. Umstritten war in den einzelnen Diskussionsgruppen nur, ob die Poller nur zu den Hauptverkehrszeiten hochgeklappt werden oder ob man zunächst eine Testphase einführt.

Tempo 30 im Gespräch

Klar wurde in der Runde auch, wo die Ladeninhaber der Schuh drückt. Buchhändler Stefan Bellin beklagte, dass Autofahrer mit Tempo 50 fahren dürfen. Er findet es „völlig unverständlich“, dass keine Tempo-30-Zone eingeführt wird. „Warum wird nicht auf die Verkehrsgeschwindigkeit geachtet?“, fragte er unter allgemeinem Applaus.

Werner Gniosdorz von der Bäckerei Braune wies auf die schwierigen Anfahrtsbedingungen hin. „Ist es gesetzt, dass die Friedrich-Ebert-Straße zur Charlottenstraße hin geschlossen bleibt?“ Norman Niehoff, der den Bereich Verkehrsentwicklung im Rathaus leitet, versprach die Prüfung der Anliegen.

Von Ildiko Röd

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