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Potsdam Wie es nach dem Leichenfund im Garten der Kellermann-Villa weiterging
Lokales Potsdam Wie es nach dem Leichenfund im Garten der Kellermann-Villa weiterging
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18:12 05.12.2019
Joachim Kozlowski beim Einsatz nach einem Fund mit Lazarett-Toten in der Pappelallee. Quelle: Joachim Liebe
Berliner Vorstadt

Bei dem Skelettfund im Garten der Villa Kellermann handelt es sich um den Leichnam eines Rotarmisten. Zu dieser Einschätzung kommt Joachim Kozlowski, hauptamtlicher Umbetter beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der mit dem Fall betraut wurde.

Entscheidender Hinweis sei der Zahnstatus, sagte er in einer am Donnerstag vom Volksbund veröffentlichten Stellungnahme: „An den Zähnen kann man sehen, was die Leute gegessen haben und die Kauflächen der Backenzähne weisen auf osteuropäische Ernährung hin. Auch die Beifunde waren ziemlich eindeutig, russische Infanteriemunition und Patronentaschen, die dazu passten. Außerdem lag noch ein Blatt mit kyrillischen Buchstaben dabei - vermutlich eine Zeitungsseite.“

Vom Skelett fehlen viele wichtige Knochen

Die Todesursache lasse sich aus dem Fund nicht unmittelbar ableiten: „Der Schädel war unversehrt, kein Einschuss oder so etwas. Aber von dem Skelett fehlen so viele wichtige Knochen, ein Großteil der Wirbelkörper und diverse Rippen – das kann man so nicht sagen.“

Weitere Leichenfunde auf dem Grundstück seien „nicht auszuschließen“, sagt Kozlowski, der weitere Untersuchungen empfiehlt: „Wir haben im Volksbund die Möglichkeit, das mit einem geologischen Bodenradar zu überprüfen. Je nachdem, was die Behörden und natürlich auch die Eigentümer wünschen, sollten wir das Bodenradar einsetzen, um auszuschließen, dass noch mehr Gebeine dort liegen.“

Für den Umgang mit den Gebeinen seien weitere Untersuchungen erforderlich: „Wir arbeiten gut mit den russischen Behörden zusammen. Wenn die Untersuchungsergebnisse vorliegen und eindeutig bewiesen ist, dass es sich um einen einstigen Sowjetsoldaten handelt, erstelle ich eine Umbettungsdokumentation und die leite ich dann auch an das Büro für Gedenkarbeit und Kriegsgräberangelegenheiten in der Russischen Föderation in der Botschaft weiter.

Bestattung im Frühjahr in Lebus

Wenn die Gebeine von der Staatsanwaltschaft freigegeben sind, werden wir ihn im Frühjahr auf der Kriegsgräberstätte in Lebus einbetten, gemeinsam mit den sterblichen Überresten von rund hundert anderen Soldaten, die in unserem temporären Gebeinhaus bei Lietzen liegen. Sie werden dann ihre letzte Ruhe dort finden.“

Wie berichtet, hatten Bauarbeiter am Montagmorgen Knochen und einen Schädel auf dem Grundstück der Villa Kellermann in der Mangerstraße entdeckt.Die Gebeine sollen nach Auskunft der Staatsanwaltschaft gerichtsmedizinisch untersucht werden.

Kozlowski wurde nach eigenen Angaben vom Kriminaldauerdienst (KDD) in Potsdam über den Fund informiert: „Ich bekam einen Anruf vom KDD in Potsdam, dass in der Mangerstraße 34 Gebeine gefunden wurden. Nach Einschätzung der Polizei vor Ort wurden sie als Gebeine eines Kriegstoten aus dem Zweiten Weltkrieg erkannt.

Ungewöhnliches Medieninteresse

Ich war gerade in Frankfurt (Oder), aber bin dann im Anschluss an den Auftrag direkt nach Potsdam gefahren. Auf dem Weg erhielt ich einen Anruf vom KDD, dass sie alle Gebeine mitnehmen und sicherstellen wollten – wegen der vielen Presse vor Ort. Das hat mich natürlich gewundert. Warum ist da so viel Presse? Die Antwort war: Das ist die Villa von Günther Jauch.

Daraufhin bin ich direkt zum KDD in Potsdam gefahren und wurde dort – wie es so schön heißt – in die Fundsituation eingewiesen. Wo genau hat man den Toten gefunden, in welcher Lage... Danach habe ich die sterblichen Überreste und Beifunde übernommen.“

Anschließend sei er zur Villa Kellermann gefahren, „um mir den Fundort anzusehen“: „Dort habe ich erfahren, dass die Gebeine nur 30 bis 40 Zentimeter tief lagen und mir die Stelle zeigen lassen, wo sie genau gefunden wurden. Die Gebeine transportierte ich zu unserem temporären Gebeinhaus an der Kriegsgräberstätte Lietzen.

2019 schon fast 300 Kriegstotenfunde

Als ich gerade angekommen war, rief der Kriminaldauerdienst an, dass die Staatsanwaltschaft eine Sektionsanregung erwirkt hat. Möglicherweise auch wegen des großen Medieninteresses. Deshalb habe ich die Gebeine zu einer Untersuchung in das Institut für Rechtsmedizin nach Potsdam gebracht.

Dort soll ein osteologisches Gutachten durchgeführt werden. Den Untersuchungsbericht erhält die Staatsanwaltschaft.“

Pro Jahr werden in Brandenburg laut Kozlowski noch immer mehr als 200, in diesem Jahr fast 300 Kriegstote entdeckt: „Der Kampf um Berlin am Ende des Zweiten Weltkrieges forderte unzählige Opfer, Soldaten und Zivilisten. Jeder Tote hat das Recht auf ein Grab. Die Soldaten sind einen öffentlichen Tod gestorben, meistens einen sehr grausamen Tod. Das Mindeste, was man für sie tun kann, ist ihnen wenigstens noch ein würdiges Grab zu geben. Und – die wenigsten Menschen wollen einen Toten im Vorgarten haben.“

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