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Potsdam Stadt verteidigt Quartiersverdichtungen
Lokales Potsdam Stadt verteidigt Quartiersverdichtungen
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19:39 12.05.2019
Stadtteilrundgang am Schlaatz: OB Mike Schubert und PWG-Chef Matthias Pludra vor einem aufgestockten Plattenbau. Quelle: Rainer Schüler
Schlaatz

„Die Bürger hier lehnen Verdichtungen ab“, sagt Reinhold Fiedler; der 79-Jährige ist aufgebracht. Soeben hat Matthias Pludra als Chef der Potsdamer Wohnungsgenossenschaft 1956 e.G, im Schlaatzer Wieselkiez erklärt, warum man dem DDR-Plattenbau zwei Stockwerke aufgesattelt hat. Immerhin 2,5 Millionen Euro hat das Unternehmen ausgegeben für sechs Wohnungen in 428 Quadratmetern und Außenfahrstühle.

„Rein wirtschaftlich rechnet sich das nicht“, gibt Pludra zu, aber man sei zu Nachhaltigkeit verpflichtet, schaffe neuen Wohnraum zu niedrigen Mieten von 6,95 und 7,50 Euro und verbessere die Qualität des alten.

Menschen kämen in den Kiez und würden bestehende Einrichtungen wie Schulen, Kitas, Horte und Spielplätze weiter nutzen, freute sich Oberbürgermeister Mike Schubert über den Zugewinn an Menschen und an Wohnraum, den auch Reinhold Fiedler akzeptieren kann, wenn er denn oben drauf kommt. Nur die Wohn-Quartiere an den offenen Ecken durch Neubauten zu schließen und auf der grünen Wiese im Stadtteil zu bauen, lehnt er strikt ab. Zu entsprechenden Ideen aus einer Visionswerkstatt vor eineinhalb Jahren habe es viel Unmut bei Schlaatz-Bewohnern gegeben, sagt er, doch Schubert verspricht, dass man darüber reden und die Sorgen ernst nehmen will.

Schubert verteidigt Verdichtungen

Verdichtungen müssten sein, erklärt der Stadtverwaltungschef den knapp 30 Bürgern beim Rundgang, sonst könne die wachsende Stadt nur noch an ihren Rändern in die Breite wachsen.

Bei schönstem Frühlingswetter zog die Menschengruppe durch einen Neubaustadtteil, der überwiegend durchsaniert und von erstaunlich vielen Grünanlagen durchzogen ist, „Verbinder“ nennt Schlaatz-Aktivistin Martina Wilczynski das. Einige davon zeigt sie mit Stolz als gut gepflegt, andere sehen recht verwildert aus.

Viele Rasenflächen am Schlaatz sehen jetzt schon aus wie im Dürresommer 2018. Quelle: Rainer Schüler

 

Rasenflächen muten vielfach jetzt schon an, als sei der Dürresommer schon in vollem Gange: Viel grün ist da nicht mehr.

Brauchwassernetz könnte helfen

Schubert hat gehört, vor etwa zehn Jahren habe es im Schlaatz noch ein Brauchwassersystem gegeben, das man zum Gießen nutzen konnte. Jetzt hätten nur noch Kleingärtner dazu Zugang. Man sollte versuchen, dieses Netz wieder öffentlich zu machen, schlug er vor.

Etwas ratlos standen die Verwaltungschefs und die Bürger vor ewigen Sperrmüllplätzen wie am Erlenhof, wo an einer der weniger Durchgangsstraßen des Stadtteils Jahr um Jahr Müll abgeladen wird, trotz mahnender Schilder, das zu unterlassen.

Hier wird seit über zehn Jahren ohne Pause Sperrmüll abgeladen. Quelle: Rainer Schüler

 

Hier kann man schnell anhalten und den Kofferraum leer machen; das wüssten viele, sagt Wilczynski. Kathrin Feldmann vom Sanierungsträger Stadtkontor glaubt, dass nur eine robuste, hüfthohe Bepflanzung das Ablagern von Sperrmüll hier verhindern kann. Das wird vermerkt in einer To-Do-Liste und bekommt einen roten Punkt auf einem Stadtplan, der Grün als „Gut gemacht“ vermerkt, gelb als „ausbaufähig“ und rot als Problem. Sehr eifrig wird das aber nicht geklebt an diesem Vormittag.

Die Stadtspitze hat sich umgeschaut im Schlaatz; rund 30 Bürger kamen mit. Er zeigte sich ein fast schon durchsanierter Kiez mit viel Grün und Spielkplätzen, doch die sind oft in schlechtem Zustand.

Gut und schlecht dicht beieinander

Manche Orte im Kiez müssten alle drei Punkte bekommen: Sitzecken und Spielplätze etwas. Es gibt recht viele im Kiez, aber sie werden oft als Partystätten und Grillplätze missbraucht bis in die frühen Morgenstunden; Anwohner halten dann lieber ihre Fenster zu. Monika Wildt (82) etwa beschwert sich über diese „Feier-Plätze“. Und Helma Laun (67) regt sich über die vielen Trampelpfade auf. Der Stadt empfiehlt sie, Wege gleich so anzulegen, wie die Menschen sie vermutlich nutzen werden, also die potenziellen Abkürzungen von Anfang an zum Weg zu machen. Sie hätte gerne einen Stadtteilbürgermeister, der die Sorgen der Bürger aufnimmt, sammelt, weiter trägt zur Stadt. Die Polizei müsse sichtbar Streife laufen, statt nur durch den Kiez zu fahren, findet sie. Und das Ordnungsamt sollte nicht nur die kleinen Hunde der Rentner überprüfen, sondern auch mal die großen der jüngeren Leute. „Aber was sollen die denn machen mit Hunden, für die keiner Steuern zahlt?“ fragt sie: „Diese Hunde einziehen und in ein Tierheim stecken? Wer nimmt die Tiere dann? Da schauen die Kontrolleure lieber weg.“

Am 23. Mai ab 18 Uhr findet in der Gesamtschule am Schilfhof 23-25 die Auswertung des Rundgangs statt.

Von Rainer Schüler

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