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Potsdam Das umstrittene „Minsk“ in Potsdam soll bleiben
Lokales Potsdam Das umstrittene „Minsk“ in Potsdam soll bleiben
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13:10 16.01.2019
Blick über das Dach des Freizeitbades „Blu“ zur Ruine des Terrassenrestaurants „Minsk“. Quelle: Bernd Gartenschläger
Südliche Innenstadt

Das Terrassenrestaurant „Minsk“ am Brauhausberg bleibt. Die Teilnehmer eines auf Stadtverordnetenbeschluss eingeleiteten Werkstattverfahrens votierten einvernehmlich für den Erhalt des DDR-Baus, räumten aber die Möglichkeit zur Veränderung des Baukörpers durch Anbauten ein. Das haben Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos) und die Geschäftsführerin der Stadtwerke Potsdam, Sophia Eltrop, am Dienstagabend nach der zweiten Sitzung des Gremiums bekannt gegeben, an dem mit dem Planungsbüro Löffler/Engel auch die Sieger des 2013 ausgeschriebenen städtebaulichen Wettbewerbs zur Gestaltung des Baufeldes teilgenommen haben.

Blick zum „Minsk“ vom Leipziger Dreieck aus. Quelle: Löffler + Kühn Weigel

„Ich freue mich, dass für die künftige Entwicklung der Flächen des ehemaligen Terrassenrestaurants ,Minsk’ und die angrenzenden Flächen ein Lösung gefunden ist, die eine weitere bauliche Nutzung des Gebäudes und eine städtebauliche Integration in die umgebende Bebauung ermöglicht“, sagte Rubelt. Das Gebäude solle einschließlich des Sockels und des Bunkers darunter erhalten und „möglicherweise um zwei zusätzliche Geschosse“ ergänzt werden. Hinzu käme ein Flügelbau zur Straße Brauhausberg. „Das ist der Rahmen“, sagte Rubelt: „Beim ,Minsk’ kann noch Kompensation geschaffen werden.“

Weiteres Verfahren für „qualitativ anspruchsvolle Lösung“

Die städtebauliche Lösung sei „zu großen Teilen bereits auf Grundlage des rechtsverbindlichen Bebauungsplans umsetzbar“. Lediglich für drei Baukörper im Süden inklusive „Minsk“ sei eine Änderung des Bebauungsplans erforderlich. Für die Umsetzung der Werkstattergebnisse solle nun ein konkurrierendes Verfahren entwickelt werden, mit dessen Hilfe eine „qualitativ anspruchsvolle bauliche Lösung“ für die Gestaltung der Flächen um das „Minsk“ gesichert werden soll.

Das Ergebnis der Werkstatt soll in eine Beschlussvorlage münden, die voraussichtlich zum 3. April in die Stadtverordnetenversammlung kommt. In den nächsten Wochen soll den Fraktionen ein Verfahrensvorschlag unterbreitet werden. Noch im Februar soll ein Termin mit den politischen Vertretern der Werkstattrunde dazu stattfinden. Ob die Baumassen vollständig kompensiert würden, sei eine Frage des geplanten neuen Wettbewerbs, sagte Rubelt. Die Nutzung des „Minsk“ sei noch offen. Das werde dem Markt und den Architekten überlassen, sagte Rubelt.

Entwurf mit dem Minsk, zur Straße Brauhausberg mit einem Flügelbau. Quelle: Löffler + Kühn Weigel

Eltrop sagte, sie sei „positiv überrascht“. Die Baumasse „stellt annähernd das dar, was am Markt war“. Sie sprach von einer versöhnlichen, überraschenden Lösung. „Plan A wäre uns am liebsten gewesen. Aber wenn das eine Versöhnung mit den städtebaulichen Belangen möglich macht, dann unterstützen wir das.“

Um Erhalt oder Abriss des in den 1970er Jahren errichteten „Minsk“ war lange gestritten worden. Die Stadtwerke brauchen einen Teil der Einnahmen aus dem Grundstücksverkauf, um das neue Schwimmbad Blu zu refinanzieren. Befürwortern des Erhalts vom linksalternativen Bündnis „Potsdamer Mitte neu denken“ bis zur barockfokussierten Initiative Mitteschön gilt der Bau als bedeutendes Zeugnis der sogenannten Ost-Moderne. Eine auch von der städtischen Denkmalschutzbehörde befürwortete Aufnahme in die Denkmalliste scheiterte zweimal am Landesamt für Denkmalpflege.

Lob der Linken für neue „Minsk“-Lösung

Nach der Ausschreibung des Geländes am Hang des Brauhausberges vom Grundstück des „Minsk“ bis zur 2018 abgerissenen alten Schwimmhalle für Wohnungsneubau schien das Schicksal des Gebäudes besiegelt. Das Höchstgebot von 27 Millionen Euro durch einen der Öffentlichkeit bis heute unbekannten Investor sah für das Grundstück des „Minsk“ Abriss und Wohnungsneubau vor. Mit dem auf Antrag von Linken, Anderen und Grünen in letzter Minute eingeleiteten Werkstattverfahren sollten noch einmal Alternativen geprüft werden.

Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg lobte die Lösung: „Wenn wir das nicht aufgehalten hätten, gäbe es diese Diskussion gar nicht. Dann wäre das ,Minsk’ gemeinsam mit der Schwimmhalle abgerissen worden. Nun denken wir gemeinsam über den Erhalt des Minsk nach und versuchen, einen funktionierenden Weg zu finden.“

Von Volker Oelschläger

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