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Potsdam Unbekannte brachen mit Jeep durch Eingang: Hornbach baut Poller vor den Markt
Lokales Potsdam Unbekannte brachen mit Jeep durch Eingang: Hornbach baut Poller vor den Markt
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17:22 27.11.2019
Hornbach in Marquardt wird Betonpoller vor diesen Haupteingang bauen, in den in der Nacht vom 11. zum 12. Juni ein Auto gerast ist, um einen Tresor zu stehlen. Quelle: Rainer Schüler
Marquardt

Sechs Monate nach dem schweren Einbruchsfeuer bei Hornbach im Friedrichspark ist der Baumarkt fast wieder komplett saniert. Unter Hochdruck wird der mittlere Bereich des Marktes technisch eingerichtet, um am 16. Dezember neu eröffnet zu werden. „Bis auf Restarbeiten im Teppichbereich sind wir dann wieder vollständig“, sagte Marktleiter Mirko Tanneberger (51) am Mittwoch der MAZ. Die Ermittlungen zu den Tätern und dem Tatfahrzeug seien noch nicht abgeschlossen. Von der Polizei selbst war gestern nur zu erfahren, dass das Verfahren an die Staatsanwaltschaft abgegeben wurde. Man muss von einem Fall der organisierten Kriminalität ausgehen.

Präparierter Jeep als Ramme

Erstmals konnte die MAZ jetzt ein Überwachungsvideo sehen, das die Tat zeigt. Demnach haben zwei vermutlich männliche Einbrecher in der Nacht vom Pfingstmontag, dem 11. Juni, zu Dienstag, dem 12. Juni, gegen ein Uhr früh mit einem präparierten, allradgetriebenen,weißen Jeep Cherokee die große Fensterfront des Windfangs vor dem Haupteingang durchbrochen. Dazu hatten sie einen gewaltigen Ramm-Spoiler an die vordere Stoßstange geschweißt. Die Rückbank war ausgebaut und die Heckklappe entfernt worden, um eine motorisierte Seilwinde an den Boden des Jeeps schweißen zu können. Wie im Film zu sehen ist, wendeten sie mit brachialer Gewalt und etlichen Vor- und Rückwärtsfahrten in dem schmalen Vorraum des Kassenbereiches und walzten dort alles platt, rissen Kassen aus den Verankerungen und stoppten rückwärts vor dem Tresor. Sie schlangen ein Stahlseil drumherum und versuchten mehrmals mit Vollgas, den Tresor aus dem Boden zu reißen. So heftig war der Ruck des schlagartig gespannten Seils, dass der tonnenschwere Wagen ein bis zwei Meter zur Seite sprang und weitere Kassen traf. Als das Seil riss, brachen die Täter in hellen Overalls und grau bedruckten Motorradhelmen den Versuch ab, gossen Benzin aus und zündeten das Auto an, das völlig ausbrannte.

So sah es nach dem Feuer bei Hornbach in Marquardt aus. Quelle: Feuerwehr

Nachdem bei einem Potsdamer Wachschutzunternehmen zunächst ein Einbruchsalarm aufgelaufen war, löste nun auch der Brandmelder aus. Das Licht im ganzen Baumarkt ging an. Kurz vor zwei Uhr morgens schickte die Leitstelle der Feuerwehr 13 Fahrzeuge verschiedener Wachen los, unter ihnen Freiwillige aus Groß Glienicke und Uetz-Paaren. 60 Leute erstickten die Flammen im zerstörten Kassenbereich, in dem die Beleuchtung allerdings nicht mehr funktionierte; es waren sogar schon Lampen von der Hallendecke abgestürzt. Die Feuerwehr musste eigene Lampen aufstellen.

Brandschutztore verhinderten Schlimmeres

Die Seiten-„Flügel“ des Marktes waren und sind durch Brandschutztore geschützt, darunter auch das Garten-Center mit der zoologischen Abteilung und den Aquarien; die keinen Schaden nahmen. Aber im zentralen Bereich wurde fast alles durch den dicken Qualm beschädigt. Ware für gut fünf Millionen Euro musste an einen Verwerter übergeben werden; der Gesamtschaden liegt nach Schätzung von Hornbach-Sprecher Florian Preuß im zweistelligen Millionenbereich. Hornbach ist versichert, auch gegen die Umsatzausfälle.

Am 12. Juni brachen unbekannte Täter mit einem Jeep in den Hornbach-Markt in Marquardt ein und versuchten, einen Tresor zu stehlen. Sie legten Feuer. Inzwischen ist der Markt fast fertig saniert.

Entsorgt werden musste sämtliche Artikel aus der Sanitärabteilung, alle Werkzeuge, Maschinen und Eisenwaren, die Farben, Lacke, Lasuren, Tapeten, Teppiche, Leuchtmittel und Lampen. Ruß, Schmutz und Chloride hatten die Artikel unverkaufbar gemacht.

Holzabteilung blieb verschont

Verschont geblieben sind dagegen die Waren aus der Gartenabteilung sowie aus dem Bereich Baustoffe/Baufertigteile mit Fliesen, Laminat und Parkett. Tanneberger ist der Feuerwehr sehr dankbar, dass sie das Übergreifen der Flammen vor allem auf hochentzündliche Farben und Lösungsmittel verhindern konnte. Wäre das nicht gelungen, wäre der Markt in einem Flammenmeer versunken: „Die Feuerwehr wäre dann sicher nicht mehr reingegangen.“

Der Marktleiter war rund 700 Kilometer entfernt vom Markt, als ein Wachmann ihn etwa um 1.40 Uhr aus dem Tiefschlaf riss: „Die Fassade brennt!“ Eine Alarmierungskette setzte ein.

Vize-Chef war der erste Mitarbeiter vor Ort

Vize-Marktleiter Andreas Pudritz erreichte die Schreckensnachricht gegen drei Uhr früh: „Das war extrem“, sagt er, „aber irgendwie war ich die Ruhe selbst.“ Er zog sogar noch schnell sein Hornbach-Hemd an, damit die Feuerwehr ihn auch erkennt. Eine Stunde später war er der erste Mitarbeiter, der den Brandort sah; die Feuerwehr wies ihm den Weg durchs Dunkel von einem seitlichen Personaleingang zum Kassenraum, wo Kabel und Metallträger von der Decke hingen. Pudritz sah das ausgebrannte Auto mit der senkrecht aufgeklappten Motorhaube. „Ich hab nur gedacht: So ein Mega-Aufwand für das bisschen Geld.“

Tanneberger zufolge werden die Einnahmen jeden Tag abgeholt, doch müssen die Täter gehofft haben, dass die Einnahmen des umsatzstarken Samstags noch im Tresor sind. Woher die Männer wussten, wo der Tresor steht, kann sich der Marktchef nicht erklären.

Keine Zeit zum Grübeln

Zeit für Schockgefühle hatte Pudritz nicht: Knapp zwei Stunden wirbelte er mit der Feuerwehr umher, die überall den Strom kappen musste und ihm den Schaden lieber als Draufsicht von der Empore zeigen wollte, doch die Luft in den verqualmten Gemeinschaftsräumen dort war unerträglich heiß. Pudritz raffte ein Telefon und den Visitenkarten-Ordner seines Chefs und verließ fluchtartig sein Büro. Erst, als die Frühschicht kam zum Dienst, die Katastrophe sah und sich versammelte zur Information über das Geschehen, verließen ihn die Nerven: „Ich musste mich erstmal setzen und bekam eine Weile kein Wort heraus.“ Froh ist er, dass man die Angst der Mitarbeiter aus dem Brandbereich schnell zerstreuen konnte, sie müssten nun woanders arbeiten: Sie hatten alle schwer zu tun in diesem Markt.

Ersatz aus anderen Märkten

Der verkaufte aus den unversehrten Abteilungen heraus und besorgte sich aus benachbarten Hornbach-Märkten in Velten und Ludwigsfelde Ersatzartikel, so dass den Kunden zumindest bei dringend anstehenden Projekten schnell geholfen werden konnte. Ab Anfang August war dann im Bereich der verschont gebliebenen Fliesenabteilung ein provisorischer Verkaufsbereich für die wichtigsten Sortimente der Abteilungen Eisenwaren, Werkzeuge, Sanitär und Farbe geschaffen. Die gängigsten Sortimente waren ab diesem Zeitpunkt wieder dauerhaft verfügbar.

Kostenloser Versand als Extra

Dank der Verknüpfung von Markt und Hornbach-Onlineshop hatten die Potsdamer Kunden auch in den ersten Wochen und Monaten nach dem Vorfall Zugriff auf das komplette Hornbach-Sortiment, immerhin 180.000 Artikel. Sie konnten bestellen und bekamen die Ware ausnahmsweise kostenfrei geliefert.

Das Unternehmen hat die Sanierung gut genutzt und Abteilungen erweitert: Im „Haus der Dusche“ werden jetzt vielmehr Modelle gezeigt und erstmals auch mit Fliesengestaltungen. Die Werkzeugabteilung ist jetzt ein Fünftel größer; für Profi-Handwerker sind eigene Maschinen-Regale eingerichtet, aus denen sich natürlich auch die Laien bedienen können.

Poller schützen vor Autoangriffen

Hat man auch an der Sicherheit etwas verändert? „Ja“, sagt Preuß: „Zukünftig werden Poller im Außenbereich des Marktes installiert und zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen im Innenbereich vorgenommen. Darauf möchten wir aber nicht im Detail eingehen.“ Videoüberwachung gab es ja vorher schon, und die Bilder der Kameras sind verblüffend gut. Deshalb weiß die Polizei, wie die Tat abgelaufen ist.

Von Rainer Schüler

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