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Potsdam Und immer lockt das Bild
Lokales Potsdam Und immer lockt das Bild
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21:00 09.01.2013

Die Kunstraum-Galerie des Waschhauses begleitet die zweite Auflage des Festivals, die heute Abend eröffnet wird, mit einer Ausstellung, die zehn bildenden Künstlern aus Potsdam Raum gibt. Für einen „Überblick über die aktuellen Entwicklungen in der Potsdamer Kunstszene“, wie vom Kurator Erik Bruinenberg gewünscht, ist der Personenkreis vielleicht zu klein. Als Momentaufnahme lässt die Schau allerdings Rückschlüsse zu: Viele Arbeiten sind sinnlich und teilweise wunderbar verspielt.

Zwei Achsen bieten sich dem Besucher an. Im Bogengang zur Linken schweben in einer kleinen Armada elf schwarze Bootsskelette von Chris Hinze, die umweht sind vom auf- und abschwellenden Alltagsgeräusch einer von Sebastian Seidemann eingerichteten Klangschleuse. Am Ende des Durchgangs lockt zuerst das Bildnis eines fast behende wirkenden Mähdreschers mit kräftig rundlicher Gestalt im gelben Korn von Menno Veldhuis.

Seltsam bunt sind die großformatigen Fotografien einer Serie „Falsche Fährte“ von Steffen Mühle, deren Belichtung und Farbgebung komplett der Automatik einer günstigen Digitalkamera überlassen blieb. Ausblutende Rehe finden sich als Bildprotagonisten ebenso wie Mühles Künstlerkollege Mike Gessner, der den Bildbetrachter seinerseits mit einer kleinen Kamera fixiert.

Tom Korn fängt den Gast mit zwei Landschaftsidyllen auf flauschigem Velourwandteppich, in denen jeweils fern ein Supermarkt das Motiv des traditionell dort röhrenden Hirsches ersetzt. In einem Baumarktregal stehen aus Beton geformte Modelle spektakulärer Architekturentwürfe etwa für die Ausstellung Topographie des Terrors oder für eine Leninbibliothek im Ost-Berlin Ende der 1960er Jahre, die mit den Markenzeichen von Discountern als schicke Häuser für profane Zwecke angeboten werden.

Die zweite Achse führt in einen Raum, der beherrscht wird von insektenhaft ausgebreiteten Fragmenten riesiger schwarzer Kastanienschalen. „Aufgebrochen“ ist der Titel dieser Installation von Ilka Raupach, die flankiert wird von einer zweiten Arbeit namens „Wollüstig dehn ich meine Krallen“ mit schaurig großen Kuppen aus blankem Speckstein.

Die Bildmotive von Lothar Krone zu Sinnsprüchen aus dem Alten Testament im Lutherschen Originaltext („Gott sprach, es werde Liecht“) bringen schwerelose Reinheit in unmittelbare Nachbarschaft von knalliger Anmache. Die abstrakten Porträts von Patrick Weiss an der Wand gegenüber exerzieren ein ausdrucksstarkes Spiel mit Stimmungen, dessen Witz im ungleichen Gewicht von Bild und Titel liegt. „Sag zum Abschied leise Servus“ etwa steht für ein Antlitz, das fast vergehen will vor grabesschwarzer Kümmernis.

Zeit verdient haben alle diese Arbeiten. Besondere Muße lohnt sich jedoch nach der Rückkehr in den Eingangsraum. Gespenstisch zerfließende Engelspuppen von Susanne Ramolla hängen dort an der Wand im Schatten der Wendeltreppe, argwöhnisch bewacht von einer sehr rothaarigen „Ikone“ mit leeren Augenhöhlen und leerem Gesicht. Vis a vis findet sich an einer Wand entlang eine Serie aufwendiger Künstlerbücher von Mikos Meininger, die sich aus speziell gestalteten Wandkästen zum Blättern und Lesen herausklappen lassen. Das „Denkmal für den unbekannten IM“ von Lothar Krone an der Treppe ist zugleich Wegweiser für eine im Obergeschoss etablierte Lounge, in der für die Zeit der Ausstellung auch Kataloge anderer Potsdamer Künstler und Kunstprojekte zum Lesen ausliegen sollen.

Mit Bernd Krenkel, Mike Bruchner und Armando sollen in diesem Jahr drei aus Potsdam stammende oder in Potsdam wirkende Künstler eine Einzelausstellung im Kunstraum bekommen. Im kommenden Jahr ist laut Kurator Bruinenberg unter anderem eine Ausstellung von Stephan Velten geplant – nach „Made in Potsdam III“.

Vernissage heute, 19 Uhr, Ausstellung bis 17. Februar, Mi–So 12–18 Uhr. (Von Volker Oelschläger)

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