Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Lottas Schicksal bewegt die Menschen im ganzen Land
Lokales Potsdam Lottas Schicksal bewegt die Menschen im ganzen Land
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:22 24.03.2019
Lotta im Glück: Das kleine Mädchen, das an einer sehr seltenen, unheilbaren Krankheit leidet, bekam Besuch von der Therapiehündin Antonia. Quelle: Nadine Fabian
Potsdam

So viel Glück macht übermütig. Lotta (4) hat sich aus der Wohnung in den Hausflur getastet, ist auf die unterste Sprosse des Treppengeländers gestiegen und lauscht, wer da unten fünf Stockwerke tiefer die Haustür aufdrückt. Lotta ist aufgeregt. Schon um 6 Uhr ist sie aufgestanden – dabei ist sie doch Langschläferin! Bis zu ihrer Verabredung nach dem Mittagessen vergeht für Lotta eine halbe Ewigkeit – um 13 Uhr will eine neue Freundin zum Spielen und zum Kuscheln vorbeikommen. Antonia ist schon acht, hat eine ganz schön feuchte Nase und verteilt noch viel feuchtere Küsse. Antonia ist eine Labrador-Hündin, eine Therapeutin auf vier Pfoten.

Der Therapiehundeführer war einer der ersten, der sich gemeldet hat

Seit die Märkische Allgemeine Zeitung vor ein paar Tagen über Lottas Leben mit einer kaum erforschten, unheilbaren neurologischen Krankheit berichtet hat, melden sich bei ihrer Familie Menschen aus ganz Deutschland, die helfen und ein wenig Trost spenden wollen. Einer der ersten war Michael Schuchardt aus Woltersdorf (Teltow-Fläming). Seit zwei Jahren besucht er mit Therapiehunden ehrenamtlich für die Johanniter Krankenhäuser, Kindertagesstätten, Senioren- und Pflegeheime; seit einem Jahr begleitet er für die Stephanus-Stiftung todkranke Kinder.

Dass auch Lotta sich schon bald auf den Weg machen könnte, ist ihrer Mutter in den vergangenen Tagen oft durch den Kopf gegangen. „Es ist bei mir aber noch nicht so richtig angekommen“, sagt Sandra Rathgeber. „Ich weiß, dass ich mich damit auseinandersetzen muss, aber jetzt gerade ist so ein riesiger Haufen Papierkram zu erledigen, die Pflegestufe zu beantragen, so viel zu organisieren...“

Lottas Blick sucht immer wieder ihr Gegenüber

Lotta hat sich schick gemacht für das Treffen mit Antonia. Sie hat ein knallrotes Cordkleid mit Herzchen-Muster ausgesucht. Dazu trägt sie Blümchensocken und ihr Lotta-Lächeln, bei dem der Blick immer wieder das Gegenüber sucht, denn auf dem linken Auge ist Lotta schon erblindet, auf dem rechten kann sie nur noch wenig sehen – eine Folge ihrer Krankheit. Lotta hat eine spinozerebelläre und eine spastische Ataxie – dazu eine Ausprägung, die bei Kinder in ihrem Alter sehr selten und kaum erforscht ist.

Unter einem ähnlichen Schicksal leidet Max (8) aus Finsterwalde (Elbe-Elster). Ärzte gehen davon aus, dass seine Lebenserwartung noch bei drei bis fünf Jahren liegt. „Max hat die gleiche Krankheit wie Lotta, allerdings ist der Subtyp ein anderer“, sagt Sandra Rathgeber. „Max’ Familie hat sich bei mir gemeldet und angeboten, dass wir uns austauschen und vielleicht auch mal besuchen können.“ Auch eine Familie aus Teltow-Fläming hat den Kontakt gesucht: „Die Diagnose für den dreijährigen Sohn steht noch nicht fest, aber alles deutet auf die Krankheit hin“, sagt Sandra Rathgeber. Auch von einem Jungen aus Florida war öfter die Rede. „Es tut gut, wenn man weiß, dass man nicht ganz allein mit dieser Krankheit ist“, sagt Sandra Rathgeber. „Ich bin überwältigt von so viel Anteilnahme, von so vielen lieben Worten und Hilfsangeboten für Lotta. Es haben sich so viele warmherzige Menschen bei uns gemeldet – darauf war ich überhaupt nicht vorbereitet, es hat mich sehr berührt.“

Eine Abwechslung zwischen Arzt- und Therapieterminen

Dass Antonia, die Therapiehündin, so schnell vorbeischauen konnte, und nun durch die Wohnung trottet, ist für Lotta, die gerade nicht in die Kita geht, eine Abwechslung zwischen Arzt- und Therapieterminen. Ihre Lieblingstiere? Klar, Pferde – aber Hunde dürfen in die Wohnung und sogar ins Kinderzimmer, darauf freut sich Lotta besonders. Sie hat für Antonia extra Platz gemacht und die Autorutsche beiseite geschoben.

Zum Kennenlernen gibt’s für Antonia Streicheleinheiten und für Lotta einen Stups. So nah ist Lotta bisher nur dem kniehohen Hündchen der Oma gekommen. Angst hat sie vor der großen Antonia trotzdem nicht, aber Respekt. Von Mamas sicherem Schoß aus streichelt sie Antonias kurzes, dichtes Fell und fühlt, wie weich die Schlappohren sind. Langsam wagt sich Lotta aus der Deckung, baut sich vor Antonia auf und wird streng. „Sitz!“, sagt Lotta mit fester Stimme und erhobenem Zeigefinger. Antonia folgt – und springt direkt wieder auf, weil Lotta sich so sehr über ihren Dressurerfolg freut, dass sie hüpfen muss. Antonia hüpft mit und leckt Lotta übers Gesicht – zwei außer Rand und Band. Ein Herz und eine Schnauze.

Lotta legt den Kopf auf den breiten Hunderücken

Bei so viel Action kann eine Pause nicht schaden, meint Michael Schuchardt. Er weicht der Hündin nicht von der Seite, plaudert mit Lotta, gibt ihr Tipps, wie sie am besten mit Antonia umgeht. Jetzt zum Beispiel, sagt er, ist Zeit zum Kuscheln. Antonia macht sich auf dem Boden lang und döst, Lotta legt den Kopf auf den breiten Hunderücken.

Dann gibt’s Leckerlis. Auf die ist Antonia so scharf, dass ihr Schwanzwedeln Lotta fast umhaut. „Labradore sind bekannt für ihre Gefräßigkeit“, sagt Michael Schuchardt und beruhigt die stürmische Hündin. Lotta wirft sich der Mama in die Arme: „Mach du!“ Lange währt die Skepsis nicht. Nach ein paar Happen besteht Lotta darauf, Antonia die Naschereien selbst unter die Nase zu halten. Antonia öffnet sachte die Lefzen. Lotta kneift die Augen zu und gluckst. Ein unbeschwerter Moment, eine Atempause. Sandra Rathgeber und Lotta sind happy.

Lottas Krankheit ist kaum erforscht

Lotta leidet unter einer vererbten spinozerebellären und spastischen Ataxie. Dabei gehen Nervenzellen im Kleinhirn und Rückenmark fortschreitend zu Grunde. Erste Symptome sind Seh-, Bewegungs- und Koordinierungsstörungen. Muskeln und Organe sind betroffen. Derzeit gilt die Krankheit als unheilbar.

Sehr selten sind Lottas Subtypen – 28 und 5 – der Erkrankung. Laut den Ärzten ist in Deutschland kein Fall davon bei Kindern in Lottas Alter bekannt.

Auf Facebook berichtet Lottas Mutter aus dem Leben der Vierjährigen und hofft, auf diesem Weg mit anderen Eltern in Kontakt zu kommen. nf

Von Nadine Fabian

Schüler der Theodor-Fontane-Schule durften im Rahmen des MADS-Projektes hinter die Kulissen des Schwimmbads „blu“ schauen. Danach wussten sie, warum es so wichtig ist, sich abzuduschen bevor man ins Wasser gehen.

23.03.2019

Gegner des Wiederaufbaus bringen die Schoko-Aktion von Rewe-Markt-Betreiber Siegfried Grube aus Potsdam in Verbindung mit einem Motiv aus der NS-Zeit. Der weist den Vorwurf empört zurück und sagt: „Ich lasse mich nicht in die rechte Ecke stellen.“

23.03.2019

Zu schwammig, zu kompliziert und überdimensioniert: Der Sozialausschuss der Landeshauptstadt hat sich mit der von CDU und ANW aufgebrachten Idee, einen Ernährungsrat für Potsdam ins Leben zu rufen beschäftigt. Der Antrag stiftet offenbar Verwirrung, bekam aber dennoch eine Chance.

23.03.2019