Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Dank Spenden: Lotta aus Potsdam fliegt zur Stammzellentherapie nach Thailand
Lokales Potsdam Dank Spenden: Lotta aus Potsdam fliegt zur Stammzellentherapie nach Thailand
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:26 22.06.2019
Lotta (4) und Peppa Wutz – wo nur soll das Stoffschweinchen im Flugzeug nach Bangkok sitzen? Quelle: Nadine Fabian
Anzeige
Potsdam

Es ist geschafft: Lotta (4) kann zur Stammzellentherapie nach Bangkok fliegen. Was vor zwei Monaten kaum denkbar war – 30 000 Euro für die Behandlung in einer Privatklinik im fernen Thailand zusammenzubekommen, was mit ein paar Zeilen in der MAZ begann und immer mehr Menschen mitriss, ist mit einem Mal geschafft.

Möglich gemacht haben das viele, viele Spender und Helfer – und ein Berliner Unternehmen, das für das unheilbar kranke Potsdamer Mädchen in einem Schwung 10 000 Euro überwiesen und der Benefizaktion damit die Krone aufgesetzt hat. „Es ist einfach unglaublich“, sagt Lottas Mutter, Sandra Rathgeber. „All der Stress, all der Druck – das ist auf einmal alles weg. Da fallen Berge von einem ab. Wir sind überwältigt.“

Anzeige

Auf einmal ging alles ganz schnell

Sandra Rathgeber, ihre vier Töchter, ihre Familie und die Freunde können noch nicht fassen, was ihnen mitten in größter Not Gutes widerfahren ist. „Auf einmal ging alles ganz schnell“, sagt die 33-Jährige. Sie sei gerade in der Dusche gewesen, als das Team von der Einzelfallhilfe-Manufaktur, die das Spendenkonto für Lotta stellt, eine Nachricht auf dem Handy hinterließ: „Ruf sofort an!“ – „Meine Hände haben gezittert, ich konnte kaum die Nummer wählen“, erzählt Sandra Rathgeber. Was sie zu hören bekam, klingt für sie noch immer wie ein Traum: „Das Geld ist da! Wir haben es geschafft! Ihr könnt fliegen!“

Die Angst, ihr jüngstes Kind zu verlieren, schreibt sie sich von der Seele

Monatelang hatte Sandra Rathgeber beobachtet, wie es Lotta immer schlechter ging, hatte Arzt um Arzt konsultiert, gerätselt, gehofft und gebangt, bis die Diagnose am 28. Februar über die Familie hereinbrach: Lotta leidet an einer sehr seltenen, unheilbaren Krankheit. Niemand weiß, wie viel Zeit ihr noch bleibt. Ein paar Tage später begann Sandra Rathgeber, sich die Angst, ihr jüngstes Kind zu verlieren, in einem Online-Tagebuch von der Seele zu schreiben – so wurde die MAZ auf Lotta aufmerksam. „Ich bin froh, dass ich mich damals getraut habe, unsere Geschichte mit den MAZ-Lesern zu teilen“, sagt Sandra Rathgeber: „Damit hat alles angefangen. Ich bin noch immer fassungslos darüber, was seither alles passiert ist. Was wir erlebt haben. Was für tolle Menschen wir kennenlernen durften – und wie viele Tränen wir vergossen haben.“

Peppa Wutz muss mit – und Anton, der Plüschelefant

Lotta ist nun für die Therapie angemeldet, die Flüge nach Bangkok sind gebucht. Am 5. August geht’s los. Die erste Untersuchung ist für den 6. August angesetzt. Während Sandra Rathgeber noch einiges zu organisieren hat, auf dass zu Hause alles seinen normalen Gang geht, wenn sie nicht da ist – immerhin beginnt dann für Lottas Schwestern wieder die Schule, hat auch das Nesthäkchen einiges zu klären.

Lesen Sie mehr über Lotta

Lotta aus Potsdam ist unheilbar krank

Lottas Schicksal bewegt die Menschen im ganzen Land

Neue Hoffnung für unheilbar kranke Lotta

Hilfe für kranke Lotta – Hälfte der Spenden für Therapie geschafft

Frage Nummer 1: Wo liegt dieses Bangkok überhaupt? „Am Ende der Welt“, sagt Lotta, das hat sie schon in Erfahrung gebracht. Frage Nummer 2: Wie sprechen die Leute da bloß? „Hi-yo-ka-wa-ti-hi-hi-ha-hu-di-ho“, jodelt Lotta, wobei nicht ganz klar wird, wann genau das spezielle Lotta-Thai in Lotta-Gackern übergeht. Frage 3: Wo nur soll Peppa Wutz im Flugzeug sitzen? Lottas Stoffschweinchen, das fast so groß ist wie sie selbst, soll unbedingt mit. Und Anton, der Plüschelefant.

Das Spendenkonto für Lotta bleibt bestehen

„Lotti ist nicht gern weg von zu Hause“, sagt Sandra Rathgeber: „Die Reise wird anstrengend und wir wissen ja auch nicht, wie Lotti die Therapie verträgt.“ Kommt sie gut damit klar, könnte die Behandlung in zwei Jahren wiederholt werden. Dafür und für Hilfsmittel, die die Krankenkasse nicht zahlt, bleibt das Spendenkonto bestehen. „Mir ist bewusst, dass Lotti nicht gesund zurückkommt und wir allenfalls Zeit gewinnen“, sagt Sandra Rathgeber.

„Aber Zeit ist für uns extrem wichtig: Vielleicht ist die Medizin in ein, zwei Jahren ja doch so weit, dass man Lotti helfen kann.“ – Was die Ärzte hier in Potsdam vor ein paar Tagen festgestellt haben: Lotta hat ein Hoch. „Es geht ihr gut“, so Sandra Rathgeber: „Wir wissen, dass die Krankheit in Aufs und Abs verläuft. Aber es ist einfach schön, dass es gerade nicht schlechter wird.“

Bis zum Abflug wollen Lottas Mädels die Sommerferien genießen

So erleichtert, so glücklich Sandra Rathgeber und ihre Töchter im Moment sind – die Angst ist geblieben. „Sie ist immer in uns, in uns allen – nicht nur in mir als Mama.“ Deshalb haben sich Lottas Mädels vorgenommen, die Wochen bis zum Abflug zu genießen, viel Baden zu fahren, vielleicht mal an die Ostsee, auf jeden Fall in einen Freizeitpark mit tollen Karussells.

„Wir haben jetzt endlich Zeit, all das Erlebte zu verarbeiten, zu verstehen, was in den letzten Wochen überhaupt passiert ist“, sagt Sandra Rathgeber. „Wir haben jetzt auch endlich mal wieder Zeit für uns als Familie. Es ist wichtig zusammenzuhalten. Wir haben gesehen, wie viel man mit Zusammenhalt und Nächstenliebe erreichen kann.“

Lottas Krankheit und die Therapie, auf der alle Hoffnung ruht

Lotta leidet an einer spastischen und an einer spinocerebellären Ataxie. Die Kombination der beiden Untertypen 5 und 28 ist extrem selten. Die Prognosen, wie schnell die Krankheit fortschreitet, sind vage – fest steht nur, dass die Krankheit, bei der Nervenzellen des Kleinhirns und des Rückenmarks zugrunde gehen, eines Tages zum Tode führen wird.

Die Liste der Krankheiten, für die eine Stammzellentherapie nachweislich Besserung bringt, ist laut Internationaler Gesellschaft für Stammzellenforschung noch immer sehr kurz. Am verbreitetsten ist die Therapie bei Blutkrebs. Weltweit gibt es derzeit etwa 30 klinische Studien, die vor allem auf Augenerkrankungen zielen, aber auch auf Parkinson, Diabetes und Querschnittlähmung.

Ziel der Stammzellentherapie für Lotta in Bangkok ist, verlorene Nervenzellen zu regenerieren. Begleitend erhält Lotta eine Reha u.a. mit Physio-, Ergo- und Ernährungstherapie.

Das Spendenkonto für Lotta bleibt offen. Wer Lotta weiterhin helfen möchte, kann sich telefonisch unter 0331/23 16 40 75 oder per E-Mail an info@einzelfallhilfe-manufaktur.de an den Verein Einzelfallhilfe-Manufaktur Potsdam wenden. nf

Von Nadine Fabian