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Potsdam Studierende starten Protestwoche an der Uni
Lokales Potsdam Studierende starten Protestwoche an der Uni
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17:29 23.04.2019
Studierende wie Chiara Schimpe (Mitte) und Sara Meyer (r.) protestieren gegen mehr Lehrstunden für wissenschaftliche Mitarbeiter. Quelle: Stefan Gloede
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Potsdam

Studierende und Dozenten der Universität Potsdam wehren sich gegen mehr Lehrstunden von wissenschaftlichen Mitarbeitern. Die Arbeitsgemeinschaft „AG 18 LVS“ und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Brandenburg starteten am Montagmittag die Aktionswoche „Bildung ist keine Massenware“ auf der Campus-Wiese am Neuen Palais.

Die Woche soll mit Informationsveranstaltungen und Reden verschiedener Gäste auf das Thema aufmerksam machen.

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Protest gegen 18 Lehrstunden pro Woche

Die Forscher protestieren damit gegen neue Verträge für wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität, die in Zukunft bis zu 18 Stunden in der Woche Studierende unterrichten sollen. Bislang waren acht Stunden die Regel – für einige neue unbefristete Stellen mit einem Lehrschwerpunkt soll die Zahl der Wochenstunden nun aber deutlich erhöht werden.

„18 Stunden hören sich für andere Arbeitnehmer erst einmal nicht so viel an“, sagte die Studentin der Kulturwissenschaften Chiara Shimpe von der AG. Dazu kämen aber ab 4,5 Stunden Vor- und Nachbereitung pro Seminar in der Woche. Zudem müssten dutzende Hausarbeiten betreut und Sprechstunden angeboten werden. Auch die Beantwortung der Studentenfragen per E-Mail fräße viel Zeit, sei aber nötig um eine vernünftige Betreuung der Studierenden weiterhin zu gewährleisten.

Studierende: Qualität der Lehre leide unter neuen Bedingungen

Vor allem aber sei es den wissenschaftlichen Mitarbeitern unter den neuen Bedingungen nicht mehr möglich, zu forschen. „Wie sollen sich Dozenten denn so mit aktuellen Fragestellungen beschäftigen?“, fragt Schimpe. Die Studierenden befürchten, dass unter der Erhöhung der Stundenzahl die Qualität der Lehre leide. „Wenn die Zeit fehlt, werden Seminare von der Stange und ohne Bezug zu aktueller Forschung die Folge sein“.

Der Vorsitzende der GEW, Günther Fuchs, sieht die wissenschaftlichen Mitarbeiter als Leidtragende einer verfehlten Hochschulpolitik. Die chronische Unterfinanzierung der Hochschule führe zu knappem Personal. Um die Studierenden nicht alleinzulassen, müssten die wissenschaftlichen Mitarbeiter sich entweder noch mehr ausbeuten und „zur schlecht bezahlten Arbeit zusätzlich unbezahlte Arbeit“ leisten oder eben schlechte Lehrveranstaltungen anbieten.

Uni: Nur einige neue Stellen betroffen

Die Universität dagegen hatte in einer Stellungnahme darauf hingewiesen, dass die höhere Lehrstundenzahl nur einige wenige neu geschaffene Stellen betreffe. Diese unbefristeten Stellen sollen zukünftig vor allem der Lehre dienen. Andere Stellen und laufende unbefristete Verträge dagegen sollen von den beschlossenen Änderungen unberührt bleiben.

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Von Ansgar Nehls