Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Gelehrt wird jetzt auch im Friseursalon
Lokales Potsdam Gelehrt wird jetzt auch im Friseursalon
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:27 26.11.2019
Lehre im Friseursalon: Andreas Taubert erklärt in der Potsdamer Jägerstraße, wie Papayasamen zu Filtermaterial für Wasser gemacht wird. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Doch, die Location hat etwas, ohne Frage! Nicht immer findet sich eine Leinwand mit dem umweltpolitischen Vortragsthema „Sauberes Trinkwasser ist doch selbstverständlich, oder etwa nicht?“ neben einem Ständer mit Pflegeprodukten der Marke „Alcina“ und einem Haartrockner. Auch für den Professor für Supramolekulare Chemie an der Universität Potsdam, Andreas Taubert, ist der wissenschaftliche Gastvortrag in einem Friseursalon ein Einstand.

Wissenschaft in die Quartiere bringen

„Ich fand die Idee lustig“, sagt er über seine Bereitschaft, im Salon von Jana Schulze-Fengler in der Jägerstraße zu lehren. Wissenschaft in die Quartiere Potsdams zu bringen und neues Publikum abzufangen, sei ein guter Ansatz.

So begründet auch die Initiatorin des Abends, Unisprecherin Antje Horn-Conrad, das Event. „Die Einwohner Potsdams kriegen gar nicht so mit, dass es eine Universitätsstadt ist“, sagt sie. Die Unistandorte liegen weit außerhalb der Innenstadt. Und nicht jeder besuche die Wissenschaftsetage im Bildungsforum. Daher habe sie mit ihrer Friseurin und Bekannten Jana Schulz-Fengler überlegt, Wissenschaft am ungewöhnlichen Ort spielen zu lassen. Nun sei der „Wissenschaftliche Friseursalon“ wahr geworden.

Deutsch-nigerianischer Erfindergeist

Schulz-Fengler selbst hat für die Veranstaltung ihr Geschäft an diesem Nachmittag viel früher geschlossen und eine Stunde lang umgeräumt. Die kleine finanzielle Einbuße nimmt sie hin. „Für die Wissenschaft? Aber gern!“

Die zeigt sich an diesem Abend ausgesprochen interdisziplinär. Im Grunde deckt Taubert mit dem Referat über ein deutsch-nigerianisches Forschungsprojekt nicht nur sein Fach Chemie, sondern auch Umweltwissenschaften, Politik und etwas Wissenschaftssoziologie ab. Bei der Zusammenarbeit Tauberts mit dem Professor für Materialchemie an der Redeemer's Universität in Ede, Nigeria, Emmanuel I. Unuabonah, über den Einsatz organischer Rohstoffe zur Reinigung von Wasser spielten nämlich auch Zufälle eine Rolle.

Zufall war es zum Beispiel, dass Unuabonah mit Papayakernen und Tonerde die beiden Materialien entdeckte, die sich als fast kostenloses Filtermaterial eigneten und Zufall war es, dass ein Forscher aus Nigeria in Potsdam die Infrastruktur vorfand, die es ihm erlaubte, das Material so zu zerkleinern und in Brennöfen so aufzubereiten, dass es zum Filtermaterial taugte.

Anregende Debatten im Frisiersalon

Tatsächlich kann man mit der gebrannten, Tonerde-Papayamischung hervorragend Schwermetalle aus dem belasteten Flusswasser fangen. Einziges Problem: Die Schwermetalle hängen dann eben in den Filtern – und die sind, wie eine aufmerksame Zuhörerin feststellte, zunächst einmal Sondermüll. Taubert räumt ein, dass das Problem der Schwermetallentsorgung keineswegs gelöst ist.

Wohl alle rund 50 Anwesenden haben 45 Minuten lang aufmerksam zugehört. Dabei hatte Taubert keineswegs leichte Kost serviert. Ob das Ziel des Projekts eine funktionierende Kläranlage sei, will jemand wissen. Nein, sagt Taubert. Er könne sich allenfalls Filterkartuschen für Haushalte vorstellen. Ein anderer Gast fragt, ob denn der Staat Nigeria selbst an dem Forschungsprojekt interessiert sei. Bislang werde Professor Unuabonah nur von seiner Heimatuniversität finanziert, antwortet Taubert.

Am Ende gibt es Applaus, die Gäste sind zufrieden. Allerdings scheint angesichts der klugen Fragen und der regen Diskussion doch ein Problem durch: Auch zu diesem ungewöhnlichen Ort kamen wohl eher Wissenschaftsinteressierte – und weniger die, die nichts mit der Wissenschaft am Hut haben.

Taubert findet das nicht schlimm. „Ich habe gestaunt, wie viele Leute da waren“, sagt er. Vielleicht hole man mit solchen Vorträgen doch den ein oder anderen Neuling ab. Horn-Conrad jedenfalls plant für Januar einen philosophisch angehauchten Abend in der Weinhandlung „in vino“, frei nach dem Motto: „Im Wein ist Wahrheit“.

Von Rüdiger Braun

Die Regenbogenschule steht ganz vorn im Schulwegsicherungskonzept der Stadt – und bei der Abarbeitung ganz hinten. Die seit Jahren angemahnte Beleuchtung des Schulwegs kommt frühestens 2020.

27.11.2019
Brandenburg Glienicker Brücke - Bahn in Potsdam entgleist

Straßenbahnnutzer der Linie 93 in Potsdam mussten sich am Dienstagnachmittag zeitweilig anders behelfen. An der Glienicker Brücke war eine Bahn entgleist.

26.11.2019

Am Tag 2 des Prozesses um die Geiselnahme von drei Kindern versucht die Mutter, die Schuld auf sich zu laden. Mit ihrem Ehemann, dem Entführer, hat sie sich wieder versöhnt.

26.11.2019