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Potsdam Starkregen füllt Stadtkanal
Lokales Potsdam Starkregen füllt Stadtkanal
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14:23 12.06.2019
Unwetter in Potsdam: Der sonst trockene Stadtkanal ist vollgelaufen. Quelle: Rainer Schüler
Potsdam

 Die Unwetternacht Starkregen, Hagel und Sturmböen ist vorüber; die Einsätze zur Bekämpfung der Folgen laufen aber immer noch. Die Feuerwehr vermeldet 196 Einsätze; rund 100 Katastrophenschützer mit 30 Fahrzeugen waren daran beteiligt. Auch das Technische Hilfswerk und das Deutsche Rote Kreuz sind beteiligt.

Vor allem vollgelaufene Keller und Tiefgaragen beschäftigten die Einsatzkäfte. In der ProCurand-Seniorenresidenz an der Hegellallee stand die Tiefgarage unter Wasser; die Stromversorgung der Einrichtung war zeitweise ausgefallen; eine Evakuierung wurde erwogen. Mittags war der Strom wieder da, aber die Aufzüge standen still, weil die Schächte geflutet sind.

ProCurand-Seniorenresidenz unter Wasser Quelle: Rainer Schüler

Das komplette Untergeschoss der Einrichtung steht handbreit unter Wasser. Die Feuerwehr pumpt noch ab. „Das passiert ein paar Mal im Jahr“, sagt ein technischer Mitarbeiter der ProCurand Hauptverwaltung Berlin: „Ab 25 Liter Regen pro Quadratmeter drückt es die Gullideckel hoch, und Wasser läuft von der Straße hinunter in die tiefer liegenden Eingangsbereiche.“

Unwetter in Potsdam: Die ProCurand-Seniorenresidenz an der Hegelallee hat ein geflutetes Untergeschoss und eine knietief vollgelaufene Tiefgarage. Quelle: Rainer Schüler

 

Das Abwassernetz sei in der Hegelallee viel zu klein dimensioniert; das müsse in den nächsten Jahren dringend angegangen werden: „Den Schaden haben immer die Nutzer der Häuser an der Straße.“

Unwetter in Potsdam: Die Feuerwehr ist im Dauereinsatz. Quelle: Rainer Schüler

Mehrere Tiefgaragen im Stadtgebiet waren noch am Mittag teils bis unter die Decke vollgelaufen und wurden mit Hilfe des THW ausgepumpt.

Im Alten Rad von Eiche war ein Damm durchgeweicht, der ein Versickerungsbecken im Habichtweg sichert; hier waren Feuerwehr und THW seit zwei Uhr morgens im Einsatz, den Dammbruch noch zu verhindern.

Unwetter in Potsdam: Das THW erhöht einen Damm am Rückhaltebecken Habichtweg in Eiche. Quelle: Rainer Schüler

Das gelang auch, denn die Feuerwehr pumpte die Anlage ab; das THW erhöhte den Damm zu den angrenzenden Einfamilienhäusern mit einer Teichfolie und Sandsäcken. „Wir sind Mitternacht alarmiert worden“, berichtet Einsatzleiter Alexander Krupke (28). 30 Kameraden vom THW seien im Einsatz gewesen und werden derzeit durch gleich viele Kräfte aus Berlin und Bad Belzig ersetzt.

THW-Einsatzleiter Alexander Krupke am erhöhten Damm der Versickerungsanlage in Eiche. Der Damm war stark durchweicht und drohte zu brechen. Wasser lief bereits auf die anliegenden Grundstücke. Quelle: Rainer Schüler

Krupke hofft, dass die Dammerhöhung in der kommenden Nacht hält, wenn wieder solche Regenfälle erwartet werden. Er dankte seinen ehrenamtlichen Mitstreitern und ihren Arbeitgebern, die die Männer frei stellen. „Die Arbeitgeber hatten diesmal keine Vorwarnzeit. Der Einsatz zeigt einmal mehr die Unverzichtbarkeit des Ehrenamtes.“

Durch Blitzeinschläge wurden zwei Brände verursacht: an einer Solarthermie-Anlage auf einem Dach in Bornim und durch einen Kabelbrand in einem Wohnhaus. Ein Auto mit Insassen ist an einer Bahnunterführung in Babelsberg im Wasser steckengeblieben – alle Personen wurden durch die Feuerwehr gerettet.

Auch in mehreren städtischen Schulen kommt es nach dem Unwetter zu Einschränkungen. Besonders betroffen ist die Eisenhart-Schule auf dem Campus Kurfürstenstraße, wo die Stromversorgung nach einem Blitzeinschlag teilweise ausgefallen ist. Der Schulbetrieb wird aufrechterhalten, allerdings kommt es zu Einschränkungen etwa bei der Klingelanlage und bei Teilen der Beleuchtung.

Die Folgen von Wassereinbrüchen in der Grundschule im Bornstedter Feld, der Grundschule Am Priesterweg und im Wohnheim des Oberstufenzentrums im Bisamkiez konnten bereits beseitigt werden.

In mehrere Läden und Praxen der Brandenburger Vorstadt lief in der Nacht Wasser, weil die Eingänge tiefer liegen als der Gehweg. So stand die Känguruh-Apotheke an der Geschwister-Scholl-Straße kurz nach Mitternacht etwa zehn Zentimeter unter Wasser. Als eine Mitarbeiterin um 23.30 Uhr durch die Eingangstür schaute, sah sie drinnen einen Schuh schwimmen. Sieben Mitarbeiter wurden verständigt, auch Inhaber Hartmut Kulka. Sie schippten und schöpften bis zum Morgen Wasser in Eimer und Wannen, saugen quietschnasse Teppiche mit Nass-Saugern ab und warfen zwei Luftentfeuchter an, um die Räume zu trocknen.

Die neuen Inhaber der benachbarten Schneiderei hatte gerade ihren ersten Tag geöffnet und selber Wasser in den Räumen, aber nicht so schlimm. Sie halfen der Apotheke beim Schöpfen.

Känguruh-Apotheke Brandenburger Vorstadt, Filialleiterin Maria Mandel Quelle: Rainer Schüler

Filialleiterin hatte bei der Autofahrt zur Apotheke Angst um sich: „Es blitzte dauernd. Die Straßen standen unter Wasser; ich fürchtete, ein Ast könnte aufs Auto krachen.“ Die Sandsäcke, die sie im Sommer nach Dienstschluss immer vor die Hintertür stellen, hatten die Wassermassen, die vom überfluteten Hofparkplatz anströmten, nicht aufhalten können. Und ein Sperrbrett, wie man es oft vor den Haustüren der italienischen Lagunenstadt Venedig sieht, hatte sich unter dem Druck des Wassers gelöst und bot keinen Schutz mehr.

Kulka zufolge liefen zwei eigentlich schon höher stehende Computer voll und gelten als kaputt. Wie stark die nassen Möbel aufquellen, sei abzuwarten, sagte Kulka der MAZ. Er werde wohl die nächste Nacht in der Apotheke zubringen.

Während die Aufräumarbeiten nach den schweren nächtlichen Gewittern am Mittwochnachmittag vereinzelt noch andauerten, bereitete sich die Berufsfeuerwehr bereits auf die nächste Unwetterfront vor, die in Potsdam am Nachmittag erwartet wurde.

Lediglich am Stadtkanal in der Yorckstraße bot sich ein stimmungsvolles Bild. Der sonst stets trocken gefallene Kanal ist voll gelaufen.

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Von Rainer Schüler

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