Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Vater in Vollzeit
Lokales Potsdam Vater in Vollzeit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 18.05.2014
Frank Bollack mit seiner Tochter Nathalie. Quelle: Julian Stähle
Potsdam

„Pa-pa!“ Zwei kleine Silben, ein großes Wort. Nathalie sitzt auf dem Wohnzimmerboden, presst ihre Lippen aufeinander und spuckt es aus, als sei es an sich schon eine Sensation. „Pa-pa!“, sagt sie und lacht, sodass ihre lückenhafte Milchzahnreihe zum Vorschein kommt. Vater Frank Bollack freut sich mit seiner Tochter – und für sich selbst. Er ist dabei in dieser spannenden Zeit, in der die Einjährige die ersten Worte plappert, die ersten Schritte tapst. Frank Bollack hat Elternzeit genommen.

Dass Männer in die Babypause gehen,  ist noch lange keine Selbstverständlichkeit. Nur 30 Prozent der Väter der im Jahr 2011 geborenen Kinder haben in Brandenburg Elternzeit beansprucht, das heißt: 5410 Väter klinkten sich aus dem Job aus, um beim Kind zu sein. Für Frank Bollack war von Anfang an klar: Er wollte zumindest für zwei Monate raus aus dem Beruf und rein ins Familienleben. Weg vom Schreibtisch in dem Unternehmen in Teltow (Potsdam-Mittelmark), wo er Software entwickelt, ran an den Wickeltisch in der freundlichen Potsdamer Altbauwohnung.

„Bei der ersten Tochter habe ich das auch gemacht“, erzählt Bollack, der am Esstisch über einem Teller dampfender Tortellini sitzt, während die Kleine im Hintergrund vergnügt quieckt. Damals war aber alles ein bisschen kompliziert: Neben dem Job machte er noch ein Aufbaustudium. Deshalb splittete er die Elternzeit auf vier Monate á zwei Tage die Woche. Seine Frau – eine Patholinguistin –, nahm währenddessen ihr Studium wieder auf, das sie wegen der Geburt der ersten Tochter unterbrochen hatte. Ein richtiges Familiengefühl kam da nicht auf. „Das war eher so ’ne Übergabe“, sagt Frank Bollack.

Ganz anders jetzt. Dieses Mal können sich Vater und Mutter ganz Nathalie widmen, beide in Vollzeit, denn Jana Bollack ist ebenfalls weiterhin in Elternzeit. Windeln wechseln, füttern, zu Bett bringen – „das teilen wir uns alles“, sagt der 33-Jährige. Wenn die Kleine ihre ersten Töne aus der Spielzeug-Flöte pustet – der Vater ist dabei, statt es nach Feierabend von seiner Frau erzählt zu bekommen. Nachmittags Bilderbuchgucken auf der Spielwiese im Wohnzimmer – kein Problem. Die große Tochter Annabelle (3), die zur Kita geht, hat auch mehr vom Papa. Die Bollacks holen sie oft schon mittags zusammen ab und verbringen dann den Rest des Tages mit ihr. „Die merkt richtig, dass ihr Vater jetzt entspannter ist“, sagt Jana Bollack.

Seinem Arbeitgeber die Idee mit der Elternzeit beizubringen, war für Frank Bollack nicht schwierig, sagt er. „Es gibt ja den Rechtsanspruch und ich habe das früh genug angemeldet.“ Trotzdem merkte er, „dass das nicht so üblich ist“ unter den Männern in der Firma. Auch in seinem Umfeld kennt er nur wenige Väter, die es ihm gleichtun. Woran das liegen könnte? „Vielleicht sind die traditionellen Rollenbilder da noch stärker verankert“, mutmaßt er. „Die haben dann auch einfach nicht so das Bedürfnis.“ Außerdem könnte es finanziell für manch einen eng werden, schätzt Bollack.

67 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens bekommt ein Elternteil während der familienbedingten Auszeit. Da Männer nach wie vor oft mehr verdienen als Frauen, ist die Entscheidung, wer von beiden zu Hause bleibt, oft eine, die sich auf dem Bankkonto bemerkbar macht. Da wundert es auch nicht, dass sich Väter aus wirtschaftlich starken Regionen Brandenburgs, wo besser verdient wird, eher die Auszeit gönnen: In der Prignitz, in der Uckermark und in Ostprignitz-Ruppin bezogen nur 20 Prozent der Väter Elterngeld. In Potsdam-Mittelmark lag die Väterquote bei 35,1 Prozent, in Potsdam sogar bei 44,8 Prozent. In der Prignitz erhalten die Väter im Schnitt 857 Euro Elterngeld, in Potsdam 1123 Euro.

„Ich bin so froh, dass er jetzt hier ist“, sagt Jana Bollack. Sie hat Nathalie im Arm und trägt sie herum. Die findet großen Gefallen daran, die Magnete, die sie von der Kühlschranktür gepickt hat, auf den Dielenboden plumpsen zu lassen. In der ersten Zeit alleine mit den beiden Kindern habe sie sich schon manchmal durchbeißen müssen, gibt die 33-jährige Mutter zu. Ganz die „traditionellen Rollen“ zu tauschen, das können sich die Bollacks aber auch nicht vorstellen. Durch die Geburt und das Stillen sei die Bindung zum Kind bei der Frau gerade am Anfang von Natur aus etwas stärker ausgeprägt, findet Frank Bollack. Wer zu lange im Job fehlt, fürchtet er zudem, könnte auch tatsächlich den Anschluss verlieren, gerade in technischen Berufen. „Es ist ganz gut, dass ich nach zwei Monaten wieder arbeiten gehe.“ Umgekehrt will Jana Bollack auch nicht auf die Zeit mit ihrem Kind verzichten, sagt sie.

Nathalie muss gleich ihr Schläfchen machen. Jana Bollack bringt sie ins Kinderzimmer. Dann haben die Eltern bis zu zwei Stunden für sich. Zeit, die sie sehr genießen, ein Luxus, der im Alltag fehlt. Pasta zu Zweit beim Italiener um die Ecke? Kein Problem, das Babyphone ist dabei. Einmal wöchentlich kommt zudem ein Babysitter, dann gehen die Eltern Badminton spielen – ein Hobby, das seit der Geburt der ersten Tochter brach lag. „Wenn es den Eltern gut geht, geht es den Kindern auch gut“, sagt die Mutter.

Von Angelika Pentsi

Der Ausbau des Bahnhofs Potsdam-Griebnitzsee für den Regionalbahnverkehr verzögert sich. Der geplante zweite Bahnsteig könne erst ab 2016 realisiert werden, antwortete Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) auf eine parlamentarische Anfrage. Ursprünglich sollte der Bahnhof in diesem Jahr erweitert werden.

18.05.2014
Potsdam Grundsteinlegung an der Viereckremise - Pro Potsdam baut für psychisch Kranke

Die Pro Potsdam legt derzeit fast täglich einen neuen Grundstein. Am Donnerstag war die Ecke Georg-Hermann-Allee/Viereckremise im Bornstedter Feld an der Reihe. Dort soll bis Mitte nächsten Jahres ein Viergeschosser entstehen, unter dessen Dach 30 Ein-Zimmer-Appartements für betreutes Wohnen Platz finden werden.

17.05.2014

Der Verein "Soziale Stadt" soll ab Juni den neuen Wohnungsverbund für Flüchtlinge im Staudenhof in der Potsdamer Innenstadt betreuen. Der Verein, der bereits die Gemeinschaftsunterkunft in der Hegelallee betreut, hat sich gegen zwei weitere Sozialträger durchgesetzt.

19.05.2014