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Potsdam Verhandlung von Freiheit und Sicherheit
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12:31 11.04.2018
Schauspieler Arne Lenk ist seit vergangenem Herbst Mitglied im Ensemble des Hans-Otto-Theaters. Quelle: Christin Iffert
Potsdam

Kein Lametta, keine Weihnachtskugeln, kein Bratenduft: Heilig Abend, 22.30 Uhr. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit für Polizeiermittler Thomas, denn in anderthalb Stunden soll nach seiner Information eine Bombe explodieren. Also versucht er verbissen mit allen erdenklichen Mitteln, den Terroranschlag zu verhindern und verhandelt mit einer verdächtigen Professorin die Bedeutung von Freiheit und Sicherheit in einem „knallharten“ Verhör. „Und das an einem der unantastbaren Feste unserer westlichen Welt, das für Ruhe, Geborgenheit und das Zusammenkommen der Familie steht“, sagt Schauspieler Arne Lenk, der den Kommissar verkörpert. Karge Verhörraum-Kulisse statt Weihnachtsglanz gibt es Donnerstagabend bei der Premiere von „Heilig Abend“, ein Theaterstück von Erfolgsautor Daniel Kehlmann, auf der Bühne der Reithalle des Hans-Otto-Theaters (HOT).

Arne Lenk wohnt seit dem vergangenen Jahr in Potsdam. Quelle: Christin Iffert

Arne Lenk ist einer der jüngsten Neuzugänge im Ensemble des HOT. Der 38-Jährige zog im vergangenen Herbst mit seiner Familie aus der Schweizer Hauptstadt Bern in die Brandenburger Landeshauptstadt. Freiheit in Potsdam, das sei für ihn weite Natur, Wasser, die Zeit mit seinen beiden Kindern. Frei sein, das kann er aber auch auf der Bühne. Wenn der Text sitze, die akribische Arbeit an den Szenen vorbei sei und er drauflos spielen könne, sagt er.

Ein Duell in Echtzeit

„Heilig Abend“ ist für ihn eine neue Erfahrung. Nicht, weil es ein äußerst reduziertes Stück sei, sondern die Bühnensituation sehr speziell. „Es ist ein Schauspiel für zwei Personen und eine Uhr, das unter Zeitdruck stattfindet – in Echtzeit“, sagt Lenk. Es gibt nichts, wohinter man sich verstecken könnte. Vielmehr sei es ein Duell auf der Bühne, das die Zuschauer unter einer Lupe sehen.

Die beiden Figuren Thomas und Judith leben in unterschiedlichen Welten. Sie ist die intellektuelle, gut bürgerliche Professorin mit einer starken, linken Meinung. Man könnte Judith als Freiheitskämpferin oder Systemkritikerin bezeichnen, die Ungerechtigkeiten der Welt anprangert. Armut, Ausbeutung, Verderben, die unserer Konsumgesellschaft gegenüber stehen. Der pragmatische Kommissar Thomas nennt das die „Wut von gestern“. Er steht für Sicherheit, nimmt aus Überzeugung dafür auch Einschränkungen der Freiheit in Kauf. „Er sammelt Informationen, beschattet Menschen, blickt in ihr privates Leben. Es ist seine Profession, neugierig zu sein“, sagt der Schauspieler. Vertrauen weicht Misstrauen, Thomas gehe immer vom Schlimmsten aus.

In „Heilig Abend“ spielen Marianna Linden und Arne Lenk auf der Bühne gegen die Zeit – 90 Minuten bis zur möglichen Explosion. Quelle: HL BOEHME

Arne Lenk schlüpft damit in eine Rolle, die für ihn eine Herausforderung ist. „Ich bin selten misstrauisch, außer vielleicht beim Autokauf. Also bei Dingen, mit denen ich mich gar nicht auskenne“, sagt der Schauspieler. In der Regel versuche er, in den Menschen das Gute zu sehen, „jedes noch so abwegige Verhalten erklären oder verstehen zu können.“

Philosophische Fragen in einer brisanten Zeit

Das Stück wirft philosophische Fragen auf, die in eine hochbrisante Zeit spielen. Die beiden Figuren verhandeln auf der Bühne Themen der Gegenwartsdebatten um Selbstbestimmtheit, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und die innere Sicherheit. Vorratsdatenspeicherung, Überwachung von öffentlichen Plätzen wie am Vorplatz des Potsdamer Hauptbahnhofs, Weitergabe von Informationen, gläserne Nutzer: Die elementare Frage ist, wo die Grenzen der Freiheit sind, wenn zugleich das Bedürfnis nach Sicherheit steigt.

Eine Antwort will das Theater nicht liefern, sondern das Nachdenken den Besuchern überlassen. „Es entsteht Spannung, weil die Zuschauer hin- und hergerissen sind. Beide Figuren haben für sich hundertprozentig Recht“, erklärt der Neu-Potsdamer. Sie werden mit einer zugespitzten Situation, der Schärfe in der Auseinandersetzung zwischen möglicher Täterin und Polizist und dem Unwissen konfrontiert: Gibt es die Bombe? Ist die Professorin mit ihren radikalen Ansichten schuldig oder die Unschuld? „Heilig Abend“, das sei ein Thriller auf der Bühne, der nach Einschätzung des Schauspielers stetig mit den Wahrheiten spiele. Und es ist einer, der Arne Lenk sein eigenes Handeln im realen Leben hinterfragen lässt.

Privatsphäre in sozialen Netzwerken wird aufgegeben

„Wir haben viel darüber gesprochen, wie leichtfertig man heute teilweise freiwillig die eigene Privatsphäre in Zeiten von Facebook, Instagram und all den anderen sozialen Medien, die schon die jüngsten Generationen immer offener nutzen, aufgibt“, sagt er. Dass die Netzwerke kontinuierlich persönliche Daten sammeln, dürfte jedem bekannt sein. Aktuell beschäftigt die Menschen aber eine ganze Datenaffäre: Die Informationen von bis zu weltweit 87 Millionen Mitgliedern sollen vom bekanntesten aller sozialen Netzwerke, Facebook, unrechtmäßig an eine Analysefirma gegeben worden sein. 310 000 Nutzer könnten in Deutschland betroffen sein. Also raten Sie zur Vorsicht im Internet, Herr Lenk?

„Ich gehe selbst recht unvorsichtig und naiv mit dem Thema um“, sagt der Schauspieler. Meistens denke er, dass er nichts zu verbergen habe. „Manchmal ist das vielleicht genau die falsche Einstellung“, sagt er.

Von Christin Iffert

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