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Potsdam Wohnen, Kinder und Verkehr: Das sind die Themen im Wahlkreis 3
Lokales Potsdam Wohnen, Kinder und Verkehr: Das sind die Themen im Wahlkreis 3
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12:15 13.05.2019
Es ist voll geworden in der Geschwister-Scholl-Straße. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Im Westen nichts Neues: Wohnen, Verkehr und die Infrastruktur für Kinder sind die beherrschenden Themen im Wahlkreis 3. Der Potsdamer Themendreiklang beschäftigt die Menschen westlich des Luisenplatzes seit Jahren, eine Änderung ist auch kaum in Sicht.

Keine homogene Masse

Dabei sind die 30.000 Einwohner des Wahlkreises keine homogene Masse: In der Brandenburger Vorstadt leben die Menschen teils in ausgedehnten Plattenbauten auf dem Kiewitt oder in der vergleichsweise günstigen Gegend um den Schillerplatz, andererseits gehören zu diesem Teil der Stadt auch die ebenso hochpreisigen wie kinderreichen Straßenzüge um den Tschäpe-Platz.

In Golm, Eiche und auf Hermannswerder ist eher ländliches Idyll als Großstadttrubel angesagt. Die einen fahren mit dem Lastenrad, die anderen müssen mit dem Auto in die Innenstadt kommen; manche wollen nur ihre Ruhe, andere Metropolenflair mit Cafés und Markttreiben – gut leben aber, das wollen sie alle.

Eiche, Golm, die Brandenburger Vorstadt, Potsdam west –der westliche Wahlkreis der Landeshauptstadt ist nicht homogen, aber die Sorgen sind dennoch überall ähnlich.

Günter Schiller ist 78 Jahre alt, er hat fast sein ganzes Leben in der Brandenburger Vorstadt verbracht. „Seit 1947 wohne ich hier“, sagt er. Mit seinem himmelblauen Fahrrad – Marke Diamant, Baujahr 1986 – ist der betagte Herr im Kiez unterwegs. „Der Verkehr ist ein Problem“, sagt er, „man darf ja mit dem Rad nicht auf dem Gehweg fahren, aber gerade in der Geschwister-Scholl-Straße und der direkten Umgebung geht es doch gar nicht anders.“

Tatsächlich schieben sich seit der Verengung der Zeppelinstraße tagtäglich Tausende Autos durch die kleine Straße, die Tram will durch, Kremserfahrten für Touristen passieren den Straßenzug im Halbstundentakt. Für Günter Schiller bleibt da wenig Platz. „Man fragt sich, warum da nichts passiert“, sagt der Rentner, „was ist denn mehr wert: Geld oder Leben?“ Wählen gehen wolle er schon, sagt Schiller, aber so richtig weiß er nicht, wofür. „Es ändert sich ja doch nichts.“

Bedarf an Kita-Plätzen

Wenige Meter weiter trinken Stephan und Sabrina ihren Morgenkaffee auf der Terrasse eines kleinen Bistros. Beide sind in den Dreißigern, seit vier Jahren leben sie gemeinsam in der Gegend. „Mieten, Verkehr, Kinder“, fasst Sabrina kurz zusammen, was ihr Viertel bewegt. „Zum einen brauchen wir hier noch mehr Kitas“, sagt ihr Freund Stephan, „denn es kann ja wirklich keinen überraschen, dass es hier übermorgen mehr Kinder gibt als heute.“ Gleichzeitig könnten sich Familien und vor allem Alleinerziehende die Mieten in West und der Brandenburger Vorstadt nicht mehr leisten.

Die Spitzenkandidaten im Potsdamer Westen

Zum Wahlkreis 3 gehören die Brandenburger Vorstadt, Potsdam West, Eiche, Golm, Wildpark, Templiner Vorstadt, Forst Potsdam Süd.

Insgesamt 95 Kandidaten stehen zur Wahl. 2014 waren es 92 Bewerber.

Die Linke: 13 Kandidaten, Spitzenkandidatin: Isabelle Vandre,

SPD: 14 Kandidaten, Grit Schkölziger

CDU: 14 Kandidaten, Wieland Niekisch

Grüne: 14 Kandidaten, Janny Armbruster

Die Andere: 14 Kandidaten, Daniel Zeller

Bürgerbündnis: 6 Kandidaten, Sylvia Frenzel

AfD:2 Kandidaten, Daniel Friese

FDP:14 Kandidaten, Volker Zimmermann

BVB/Freie Wähler:2 Kandidaten, Markus Krätzschmar

PARTEI: 2 Kandidaten, Bettina Franke

„Alles wird hier immer teurer, sobald einer auszieht, wird die Miete exorbitant erhöht“, sagt Sabrina, „das ärgert mich.“ Enteignungen, das sagen beide, seien nicht das richtige Mittel, um diesem Trend entgegenzutreten. Stattdessen wünscht sich das Paar mehr kommunalen Wohnungsbau und eine bessere Nutzung bestehender Flächen. „Was sollen wir denn mit einer weiteren Kirche“, fragt Stephan und meint den umstrittenen Wiederaufbau der Garnisonkirche in der Innenstadt, „wenn man stattdessen Wohnungen haben könnte?“

„Schön war es schon immer“

Wohnen in West, das kommt für Jürgen Zelmer schon lange nicht mehr in Frage. Tagtäglich steht der 63-Jährige an der Kreuzung Nansen/Geschwister-Scholl-Straße in einem kleinen Holzverschlag. Lammfleisch und Fisch, Kartoffeln und saisonales Gemüse verkauft er an die, die es sich leisten können, hier zu leben und für regionale Produkte den entsprechenden Preis zu bezahlen. Jürgen Zelmer ist selbst hier geboren, hier aufgewachsen, von 1956 bis 1981. „Schön war es schon immer“, sagt er, als er seinen Gemüsestand bestückt, „aber es wurde in den letzten Jahren wirklich alles noch schicker gemacht.“ Er sagt dies im breitesten Dialekt, „allet noch schicka jemacht“.

Die Altbauten sind heute fast alle saniert, beim Blick in die Fenster sieht man Stuck, Parkett, Echtholzmöbel. „Hier sind einfach viele Leute von außerhalb hergekommen, die dann viele Kinder bekommen haben“, sagt der Gemüseverkäufer. Heute findet er den Stadtteil „ein bisschen chaotisch, aber et jeht.“ „Gerade die Autos in den engen Straßen sind aber wirklich zu viele“, findet Jürgen Zelmer.

Golm und Eiche als Gegensatz zu den City-Gebieten

Bei den vorigen Kommunalwahlen haben in der Brandenburger Vorstadt die meisten Menschen Parteien aus dem linken Spektrum gewählt: 23 Prozent die Linke, 19 die SPD, 18 die Grünen, 16 Prozent der Stimmen entfielen auf die Wählergruppe Die Andere. Die CDU konnte hier nur elf Prozent der Stimmen holen.

Ein paar Kilometer weiter, in Golm, ist Saskia Ludwig die Ortsvorsteherin. Die CDU-Politikerin, die wenige Tage vor der Wahl 51 Jahre alt wird, ist nicht nur für Potsdamer Verhältnisse als konservativ einzustufen. In ihrem wöchentlichen Newsletter keilt sie mal gegen die Klimaaktivistin Greta Thunberg, mal gegen Pferdehalter und immer wieder gegen die Medien. Als Ortsvorsteherin sagt Saskia Ludwig: „Hier vor Ort zählt, was gut für Golm ist.“ Und dies sei zu allererst die Umsetzung des grünen Masterplans, den sie selbst in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht hat.

Problem der Ortsbeiräte

Denn Golm hat mit seinen zahlreichen hochkarätigen wissenschaftlichen Einrichtungen in den vergangenen Jahren eine rasante Urbanisierung durchgemacht. Seit der Wende hat sich die Einwohnerzahl verdreifacht, Golm boomt und zieht stadtmüde Potsdamer ebenso an wie internationale Wissenschaftler. Zahlreiche Studenten leben dort, zudem prägen ausgedehnte Einfamilienhaussiedlungen den Ortsteil. Doch dass Golm wächst, schmeckt nicht jedem: „Durch die massive Bebauung der letzen Jahre geht immer mehr grüner Freiraum und vor allem der Charakter des Ortes verloren“, sagt Saskia Ludwig, die mehr Nachhaltigkeit und Natürlichkeit für Golm will, „die von der Stadt geplante Erweiterung des Baugebietes Golm-Nord kann fehlende Infrastruktur bringen, aber eben auch wieder massive Bebauungen ohne ökologischen Ausgleich, das gilt es zu verhindern.“

Gleichzeitig weiß die erfahrene Politikerin um die große Schwierigkeit in Sachen Zusammenarbeit mit der Stadt, denn die Ortsbeiräte haben praktisch nur eine beratende Funktion – letztlich entscheidet die Stadtverordnetenversammlung im Zweifel auch gegen den Willen der Ortsteil-Gremien. Deshalb wünscht dich die Golm-Chefin „mehr Selbstbewusstsein gegenüber der Verwaltung“ von den künftigen Stadtverordneten. Und sie appelliert, diese sollten „mehr den Blick auf die vorhandenen Potsdamer und nicht so sehr auf Zuzug“ richten –und den Ortsbeiräten mehr Gehör schenken.

Die Unterschiede zwischen der nahe der City gelegenen Brandenburger Vorstadt und Golm am Stadtrand sind enorm, und doch sind es ähnliche Themen, die die Gebiete, ihre Einwohner und Politiker bewegen: Ein passender Ausbau der Infrastruktur und die Nutzung der immer weniger werdenden Freiräume. In den Wahllokalen, im Hoffbauer Tagungshaus auf Hermannswerder, der Kita „Wilde Früchtchen“ in Eiche und der Universität in Golm, in der Seniorenfreizeitstätte Potsdam West und der Montessori Oberschule sind die Einwohner des Wahlkreises aufgerufen, am 26. Mai ihre Stimmen abzugeben.

MAZ-Serie zur Kommunalwahl: Diese Themen bewegen Potsdams Wahlkreise

Bauen, Kita, Verkehr: Die Sorgen der Wähler aus Potsdams Wahlkreis 1

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Von Saskia Kirf

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