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Potsdam Sorge um den Nahverkehr in Potsdam
Lokales Potsdam Sorge um den Nahverkehr in Potsdam
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00:19 21.06.2018
Nach Babelsberg sollen künftig weniger Straßenbahnen fahren Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Der mit sofortiger Wirkung eingestellte Tagesbetrieb der Straßenbahnlinie 99 kam nicht nur für die Kunden überraschend, sondern auch für die politischen Parteien in der Stadt.

Personalprobleme mit drastischen Konsequenzen

Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg sagte am Montag, davon habe man „vorher in dieser Form noch nie gehört.“ Dass viele Unternehmen nicht mehr genügend Personal finden, sei bekannt: „Das ist ja überall so.“ Dass es aber beim ViP so drastische Folgen haben könnte, sei nicht bekannt gewesen.

„Wir müssen die Entscheidung der Geschäftsführung als Maßnahme sehen, die die aktuelle Situation spiegelt“, sagte Scharfenberg der MAZ: „Wir dürfen aber nicht akzeptieren, dass das so bleibt, sonst brauchen für über Netzerweiterungen gar nicht reden.“ Es gehe darum, das alltägliche Leben in der Stadt aufrecht zu erhalten; dazu müsse der Verkehrsbetrieb „alle Anstrengungen unternehmen. Wenn das heißt, Fahrer mit besseren Gehältern zu locken, dann muss es so sein.“

Die Stadt wolle verhindern, dass der Bevölkerungszuwachs auch einen Zuwachs an Autoverkehr bringt; dann müsse sie auch den öffentlichen Personennahverkehr die Fähigkeit geben, ein Gegengewicht zu sein und seine Leistungsfähigkeit zu steigern.

Mehr Personal muss her

Das sieht man auch bei der CDU so. Fraktionschef Matthias Finken fordert, der Verkehrsbetrieb müsse sich einen „Personalpuffer schaffen“, der ihm die Aufrechterhaltung des derzeitigen Angebotes erlaubt. Ohne die Sicherung des aktuellen Betriebes könne es keinen Ausbau des Netzes etwa nach Krampnitz geben.

Die Stadt und ihr Nahverkehrsbetrieb müssten dafür sorgen, dass der Beruf des Straßenbahn- und des Busfahrers attraktiver werden, umging Finken die Forderung nach besserer Bezahlung. „Ich habe aber auch Verständnis für die Entscheidung des ViP“, sagte der Fraktionschef: „Fassen sie mal einem nackten Mann in die Taschen!“

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Pete Heuer verlangt, den „Bestand an Bereitschaftsfahrern“ zu vergrößern: „Die Botschaft ist klar: Wir dürfen keine Schwächung des öffentlichen Nahverkehrs zulassen.“ Wenn Tram- und Busfahrer in Berlin deutlich mehr verdienen als in Potsdam, sei das ein Signal an die Gewerkschaften, Ausgleiche zu fordern. Vor allem Berufsanfänger und Neueinsteiger würden in Potsdam viel zu niedrig bezahlt.

Die Stadtverwaltung erklärte, man betrachte die Personalengpässe bei der ViP mit Sorge und gehe davon aus, dass das Unternehmen alle Maßnahmen ergreift, um das Betriebsangebot zu stabilisieren.

Personalprobleme bereits länger bekannt

Verwundert zeigte sich dagegen der Verkehrsclub Deutschland (VCD). Die ökologisch orientierte Organisation erklärte am Montag, die Personalknappheit beim ViP habe sich schon bei der Grippewelle im Frühjahr gezeigt: „Damals war sie eher zu verstehen, als jetzt.“ Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg müsse dringend etwas tun, um die Engpässe beim Personal zu beseitigen.

„Um die Verkehrsengpässe in Potsdam zu beseitigen und die Luftreinhalteziele zu erreichen, brauchen wir zukünftig eher mehr als weniger Fahrten im öffentlichen Verkehr“, erklärte die Potsdamer VCD-Geschäftsführerin Anja Hänel gegenüber dieser Zeitung. Der ViP müsse mit einer Mitarbeiterbefragung ergründen, was für die Personalengpässe verantwortlich ist, um gezielt Maßnahmen ergreifen zu können.

Der VCD regte in dem Zusammenhang an, Studenten als Ersatzfahrer anzuheuern, wie das in anderen Verkehrsverbünden getan wird.

Problemlösung angekündigt

Das kommunale Verkehrsunternehmen erklärte am Montag, man werde vermutlich am Donnerstag erklären, wie es weitergehen soll, wie, sagte das Unternehmen nicht. Da kurzfristig kein Fachpersonal zu beschaffen ist, kann es nur um die vorfristige Einführung des Ferienfahrplans gehen. Der könnte dann schon am 25. Juni statt erst am 5. Juli gelten und eine spürbare Ausdünnung der Transportleistungen bringen. Dass erfordert weniger Personal.

Bedauern über Einstellung der Tramlinie

Auf Grund der „aktuellen Personalsituation“ habe sich der ViP entschieden, „eine Linie, die Tram 99, im Tagesverkehr vorübergehend nicht zu bedienen“, so Stadtwerkesprecher Stefan Klotz: „So können wir noch einen verlässlichen Fahrplan gewährleisten. Alternativ kann Babelsberg über die Tramlinie 94 und die Buslinien 601, 690 und 694 erreicht werden.“ Man bedauere diesen Schritt und habe „volles Verständnis für den Unmut der Fahrgäste“, sagte Klotz. Die ViP arbeite intensiv daran, auch in den kommenden Wochen einen verlässlichen Fahrplan anzubieten.

Von Rainer Schüler

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