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Potsdam Verengung der Zeppelinstraße: Befürworter zweifeln
Lokales Potsdam Verengung der Zeppelinstraße: Befürworter zweifeln
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06:35 19.10.2018
Stau am Donnerstagabe 18.10.2018 am Abend in der Potsdamer Zeppelinstraße Foto:Bernd Gartenschläger Quelle: Bernd Gartenschläger
Brandenburger Vorstadt

Der Verkehrsversuch auf der Zeppelinstraße ist eine Dauerregelung geworden, aber eine Lösung der Probleme bringt er nicht. Das ist das Ergebnis einer Bürgerbefragung des „Nachhaltigkeits-Institutes“ IASS in Potsdam. 3500 Menschen hatten einen 40-Fragen-Katalog beantwortet einen Monat vor und sechs Monate nach der Umsetzung der Verkehrsmaßnahme, die im Juli 2017 begann und bis Februar 2018 dauerte. 800 von den 3500 nahmen an beiden Umfragerunden teil. Die IASS-Wissenschaftler hatten die Umfrageteilnehmer in vier Gruppen aufgeteilt: Die Befürworter und Gegner aus der Zeppelinstraße (oder weniger als zwei Straßen davon entfernt) sowie die Befürworter und Gegner, die weiter weg wohnen.

IASS: Man muss die Bevölkerung verstehen

„Wie die Bevölkerung die Maßnahme an der Zeppelinstraße wahrnimmt und ob sie bereit ist, ihr Mobilitätsverhalten zu ändern, ist wichtig zu verstehen, denn die Ergebnisse helfen uns bei einer erfolgreichen Mobilitätswende“, sagt Erika von Schneidemesser, Projektleiterin am IASS: „Die Bedeutung der Umfrage reicht über Potsdam hinaus, weil es angesichts der Überschreitungen von Luftschadstoff-Grenzwerten wahrscheinlich in vielen deutschen Städten zu verkehrseinschränkenden Maßnahmen oder auch Fahrverboten kommen wird“,

Innerhalb von Potsdam war die Beteiligung in Potsdam-West und der Brandenburger Vorstadt mit Abstand am größten; hier leben 1228 bzw. 434 Teilnehmer. Im Umland gab es die meisten Wortmeldungen aus Werder (1202) und der Gemeinde Schwielowsee (528), wo die Pendler wohnen.

Wenige glauben, dass die Luft besser wird

Das sie Maßnahmen wirklich die Luftqualität verbessert, glaubt nur ein Bruchteil der Befragten. Wie von Schneidemesser am Donnerstag der MAZ sagte, waren vor Maßnahme 86 Prozent dagegen und nur 10 Prozent dafür. Das änderte sich in der zweiten Runde kaum: Im Februar und März 2018 waren noch immer 78 Prozent dagegen und nur 18 Prozent dafür. Jeweils vier Prozent fühlten sich unentschieden.

Besonders die Einwohner der Umlandgemeinden störten sich an der Einschränkung des Auto-Verkehrs. „Diese Menschen können und wollen auf das Auto nicht verzichten, um nach Potsdam zu kommen“, sagt die Projektchefin: Der ÖPNV fährt für diese Menschen nicht häufig genug und steht zu oft im Stau; die Anschlüsse passen für viele nicht, und der Park-and-Ride-Platz an der Pirschheide ist zu klein, als dass Pendler dort in die Tram umsteigen würden.

Radweg stadtauswärts am meisten gelobt

Lob für den neuen Radweg stadtauswärts und dessen Trennung vom Gehweg gab es von Potsdamer Einwohnern; die Umländler interessiert das gar nicht. Die den neuen Radweg auf der Fahrbahn loben, finden ihn aber immer noch zu unsicher neben dem Autoverkehr, Für Menschen von außerhalb ist das Fahrrad offenbar generell kein gutes Transportmittel nach Potsdam: der Weg ist schlicht zu weit und zu wetteranfällig.

Trotz der sehr geringen Unterstützung der Verkehrsmaßnahme insgesamt würde fast die Hälfte der Befragten Investitionen in eine Reduzierung des Autoverkehrs unterstützen. 75 Prozent finden, dass die Stadt Potsdam dem Umweltschutz auch in anderen Bereichen hohen Vorrang einräumen und entsprechende Gelder bereitstellen sollte.

Kontrollen der Nebenstraßen gefordert

Die Bürger wünschen sich saubere Luft, gehen aber davon aus, dass sich der Verkehr durch die Maßnahme auf die Nebenstraßen verlagert. Besonders die Potsdamer fordern strengere Park- und Geschwindigkeitskontrollen für den Autoverkehr und führen rücksichtsloses Verhalten von Pendlern als Begründung an. Sie wünschen sich noch stärker vom Autostrom getrennte Radwege und dauerhafte Messungen der Luftschadstoffe auch in den Nebenstraßen, wohin die fast alle Autofahrer ausweichen, denen es auf der Zeppelinstraße zu langsam läuft. Unter den strengen Gegnern des Versuches gibt es viele, die glauben, dass ein bezahlfreier öffentlicher Nahverkehr für Einwohner eine deutliche Abkehr vom Auto bringen kann; man sollte das wenigstens versuchen.

Die Verkehrswende ist noch nicht geschafft

Wie von Schneidemesser berichtet, hat der Versuch noch keine Verkehrswende gebracht. Das Auto ist immer noch das bevorzugte Verkehrsmittel: „Bei 83 Prozent hat sich die Autonutzung nicht geändert“, sagt sie. Die Frage nach der Bereitschaft, künftig öfter den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen, beantworteten aber mit 39 Prozent mit „Ja“ oder „Vielleicht“. Bei der Bereitschaft zum Fahrradfahren waren es sogar 49 Prozent. Mit „können sie sich vorstellen“, fing diese Frage an. Vorstellen kann man sich ja vieles.

Hier besteht nach Einschätzung des Institutes ein deutlicher Handlungsbedarf, den Umstieg auf umweltfreundliche Verkehrsmittel zu fördern. Dazu gehört für die Projektleiterin auch, die bislang verfügbaren Alternativen bekannter zu machen. Ein Fünftel der Befragten kannten den Pendler-Parkplatz am Bahnhof Pirschheide nämlich gar nicht, und fast 30 Prozent wussten nicht, dass mehr Busse fahren als vorher. Auch über die Luftqualität in Potsdam wollen die Befragten besser informiert werden, etwa auf den elektronischen Anzeigetafeln.

Von Rainer Schüler

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