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Potsdam Garnisonkirche lädt kritische Nachbarn ein
Lokales Potsdam Garnisonkirche lädt kritische Nachbarn ein
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12:10 30.08.2019
Schauspieler Jörg Hartmann am Freitag auf der Garnisonkirchenbaustelle. Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

Die Garnisonkirchenstiftung öffnet die Kirchenbaustelle an der Breiten Straße für moderne Kunst aus Potsdam. Unter den rund 30 Beteiligten der Ausstellung sind auch Nutzer des benachbarten Rechenzentrums. Voraussichtlicher Termin der Ausstellung ist ein Wochenende im März 2020.

Schauspieler als Botschafter des Kunstprojekts

Prominenter Botschafter des Projekts, das am Freitag auf der Garnisonkirchenbaustelle vorgestellt wurde, ist der Schauspieler Jörg Hartmann („Tatort Dortmund“), der von Oktober 2018 bis zum Frühsommer gemeinsam mit seiner Frau selbst ein Büro im Rechenzentrum hatte.

Als jemand, der „dem Garnisonkirchen-Projekt sehr wohlwollend gegenübersteht und im Rechenzentrum war“, versuche er nun „etwas zu machen, was beide Seiten zusammenbringt“, sagte Hartmann am Freitag bei einem Baustellenbesuch. Er wolle zugleich für die großartigen Chancen werben, die sich mit dem geplanten neuen Kunst- und Kreativquartier an der Plantage auch für die Nutzer des Rechenzentrums ergäben.

Bürohaus des Rechenzentrums wird bis 2023 geräumt

Jörg Hartmann, Jeanne van Dijk und Mitteschön-Sprecherin Barbara Kuster am Freitag auf der Baustelle. Quelle: Bernd Gartenschläger

Das um 1970 errichtete Bürogebäude des Rechenzentrums ist nach dem Freizug 2015 als Arbeitsstätte für Künstler und andere Kreative freigegeben worden. Am Sonntag wird der vierte Jahrestag gefeiert. Ende 2023 soll der Bau geräumt und später abgerissen werden, um Platz für den Wiederaufbau des Garnisonkirchenschiffs zu schaffen.

Bis dahin soll der erste Teil des neuen Kunst- und Kreativquartiers bezugsfertig sein, das auch den Nutzern des Rechenzentrums mit vergleichsweise günstigen Mieten offen stehen soll. Ein Teil der Nutzer und des von ihnen gegründeten Vereins „Freundliche Übernahme Rechenzentrum“ (FÜR) steht dem Wiederaufbau der Garnisonkirche kritisch gegenüber und fordert den Erhalt des DDR-Baus.

Kritische Künstler und Stiftungsvorstand im Gespräch

Initiatoren der Ausstellung „Blickwinkel 1.0“ sind die Künstlerin Jeanne van Dijk und der Kunstagent Lars Kaiser. Beide gehören zu den ersten Aktiven des Kunsthauses im Rechenzentrum. Kaiser ist Mitveranstalter des regelmäßigen Performance-Spektakels „Art Church“, das die Nachbarschaft zur Garnisonkirche als Kunst-Gottesdienst ironisch thematisiert. Ihr Gesprächspartner beim Ausstellungsprojekt ist Wieland Eschenburg, Kommunikationsvorstand der Garnisonkirchenstiftung.

Plan: Ab Januar ist der Turm höher als das Rechenzentrum

Seit Mitte Februar wächst der Garnisonkirchturm. Mittlerweile sind nach Schätzung von Bauleiter Andreas Gillmeier rund 250.000 Ziegelsteine gesetzt. Durchschnittlich seien pro Tag 15 bis 18 Maurer auf der Baustelle. Im Januar 2020 werde der wachsende Kirchenrumpf das knapp 16 Meter hohe Rechenzentrum überragen.

Baustelle der Garnisonkirche. Quelle: Bernd Gartenschläger

Dank stabilisierender Zwischendecken aus Beton müssten die Grundmauern nicht mehr mit 7,50 Meter Dicke, wie beim Original, sondern nur noch rund 3,5o Meter dick gebaut werden, erläuterte Ulrich Zimmermann von der Initiative Mitteschön, die das Kunstprojekt begleitet. Dadurch stünde im Inneren der Kapelle später einmal deutlich mehr Platz zur Verfügung als früher.

Mit „Blickwinkel 1.0“ wird die neue Kapelle erstmals zur Galerie. In welchem Umfang der Garnisonkirchturm auch später Künstlern offen steht, soll mit einem Nutzungskonzept geklärt werden, an dem die Stiftung laut Zimmermann gerade arbeitet. Er hoffe, dass der ersten Ausstellung weitere folgen.

Werben für das Kreativzentrum

Jörg Hartmann warb für das neue Kreativzentrum mit einer Vielzahl möglicher Angebote von Ateliers und Werkstätten über Ausstellungsmöglichkeiten bis zu Geschäften und Gastronomie. Er persönlich vermisse regelmäßig ein Café an der Plantage, wenn er mit seinen kleinen Kindern auf dem neuen Spielplatz sei.

Einen Erhalt des Rechenzentrums quasi als Ersatz für das Kirchenschiff könne er sich nicht vorstellen, sagte der Schauspieler. „Was den Reiz dieses Hauses ausmacht, ist das Mosaik.“ Vielleicht könne man die Arbeit „Der Mensch bezwingt den Kosmos“ von Fritz Eisel in die Fassade des neuen Kunst- und Kreativzentrums an der Plantage einarbeiten.

Mehr zum Rechenzentrum und der Garnisonkirche

>>> Verlängerung für das Kunsthaus im Rechenzentrum

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>>> Erste Ziegel für umstrittene Garnisonkirche gesetzt

Von Volker Oelschläger

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