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01:15 14.04.2019
Das Spurenmaterial wird gesichert, anonymisiert und so lange aufbewahrt, bis es zur Anzeige kommt. Quelle: dpa
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Potsdam

Schock, Scham, Ohnmacht – nach einer Vergewaltigung ist nichts mehr, wie es war. Selbst, wenn der Körper rasch wieder heilt - die Seele bleibt tief verwundet. „Eine Vergewaltigung ist eine der schwersten Straftaten und kann auf vielen Ebenen gravierende Folgen haben“, sagt die Leiterin der Potsdamer Beratungsstelle des Vereins Opferhilfe Land Brandenburg. Laut Rosmarie Priet suche sich allerdings nur ein Bruchteil der Opfer medizinische und psycho-soziale Hilfe: „Und auch nur ein Bruchteil entschließt sich zur Anzeige.“

Laut Schätzungen der Opferhilfe gehen nur 8 Prozent der Vergewaltigungsopfer zur Polizei. In Potsdam war das laut Kriminalstatistik im vergangenen Jahr 19 mal der Fall. Das bedeutet, dass mehr als 200 Opfer allein sind mit ihrem Schmerz, ihrer Wut – und vielleicht auch mit dem Wunsch, der Täter möge eines Tages bestraft werden.

Spuren sichern und Verletzungen dokumentieren

„Die Entscheidung, ob eine Anzeige bei der Polizei gestellt werden soll, fällt vielen Betroffenen direkt nach der Tat schwer“, sagt Rosmarie Priet. Die Gründe dafür seien vielfältig: Die Angst vor dem Täter spiele eine Rolle, die Angst davor, in einem Prozess vor Gericht alles noch einmal durchleben zu müssen, die Angst, dass einem niemand glaubt. „Je mehr Zeit zwischen Tat und Anzeige verstreicht, desto schwieriger wird es natürlich, den Täter zu belangen“, sagt Rosmarie Priet. „Was viele nicht wissen: Man hat Zeit, sich diesen Schritt in Ruhe zu überlegen und dennoch Spuren sichern und Verletzungen dokumentieren zu lassen. Und auch eine schnelle ärztliche Untersuchung ist wichtig, selbst wenn zunächst keine Verletzungen“, sagt Rosmarie Priet.

Die Psychologin Rosmarie Priet leitet die Potsdamer Beratungsstelle des Vereins Opferhilfe Land Brandenburg. Quelle: Bernd Gartenschläger

Seit fünf Jahren bietet die Opferberatung gemeinsam mit dem städtischen Bergmann-Klinikum Opfern einer Vergewaltigung eine medizinische Soforthilfe und vertrauliche Spurensicherung an. Das Verfahren wird von Anfang an diskret behandelt. Wer es in Anspruch nehmen möchte, hat 72 Stunden Zeit, sich in der Rettungsstelle des Klinikums zu melden. Mädchen und Frauen sagen dort den Schlüsselsatz „Ich brauche dringend ein Gespräch mit einer Gynäkologin“; Jungen und Männer, die OpJa,fer einer Vergewaltigung geworden sind, sagen „Ich brauche dringend ein Gespräch mit einem Urologen“ – so sollen den Hilfesuchenden längere Erklärungen und Wartezeiten erspart bleiben. „Die Betroffenen werden unverzüglich zur entsprechenden Station weitergeleitet“, versichert Rosmarie Priet. „Rund um die Uhr ist jemand vor Ort, der sich mit so einem Notfall auskennt.“

Das Spurenmaterial wird anonymisiert und versiegelt aufbewahrt

Nach der ärztlichen Versorgung und der Spurensicherung könne man mit den Medizinern in Ruhe beraten, wie weiter vorzugehen ist. „Die Ärzte drängen niemanden zur Anzeige“, sagt Rosmarie Priet. „Auf Wunsch vermitteln sie aber den Kontakt zu uns, zur Frauenberatungsstelle in Babelsberg oder zum Frauenhaus.“ Das Spurenmaterial wird anonymisiert und versiegelt aufbewahrt – zunächst in der Klinik, später in der Rechtsmedizin. Die Polizei erfährt nichts davon. Das gesicherte Material wird erst herausgegeben, wenn sich das Opfer dazu entschließt, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. „Dazu ist im Moment drei Jahre Zeit, aber diese Frist wird noch in diesem Jahr auf zehn Jahre ausgedehnt“, sagt Rosmarie Priet.

Mit Hilfe einer Chiffre, unter der die Spuren anonymisiert gelagert sind, können sie der betroffenen Person später wieder zugeordnet werden. Wer sich entscheidet, die Polizei einzuschalten, weist die Beamten einfach darauf hin, dass die Tatspuren vertraulich in der Klinik gesichert wurden. „Die Polizei kümmert sich dann um die notwendigen Schritte“, so Rosmarie Priet. Neben dem Bergmann bieten drei weitere Krankenhäuser im Land Brandenburg den kostenlosen Service an: das Carl-Thiem-Klinikum Cottbus, das Klinikum Frankfurt (Oder) und die Ruppiner Kliniken in Neuruppin.

Opferhilfe leistet psychologischen und rechtlichen Beistand

Wer sich an die Opferhilfe wendet, erhält nicht nur psychologischen Beistand, sondern auch rechtliche Beratung. „Wir sprechen zum Beispiel darüber, was auf einen zukommt, wenn man Strafanzeige stellt, was die belastenenden Momente eines Strafverfahrens sind, welche Rechte man hat und wo man sich weiter Unterstützung holen kann“, sagt Rosmarie Priet. „Wir schieben niemanden in die eine oder andere Richtung – uns ist wichtig, dass Betroffene wohlinformiert ihre Entscheidung treffen können.“

Opferberatung und Traumaambulanz

Die erste Opferberatungsstelle des Vereins Opferhilfe Land Brandenburg wurde 1996 in Potsdam gegründet.

Derzeit unterhält die Opferhilfe sechs Beratungsstellen in Potsdam, Neuruppin, Brandenburg, Senftenberg, Cottbus und Frankfurt (Oder).

Das Team aus Psychologinnen und Sozialarbeiterinnen bietet allen von Straftaten Betroffenen Hilfe an. Sie ist kostenlos, vertraulich, auf Wunsch anonym und von einer Anzeige unabhängig. Dolmetscher werden eingesetzt.

Pro Jahr finden rund 650 Klienten den Weg zur Opferhilfe, allein in Potsdam sind es 200. Sie können nicht nur psychologisch-soziale Beratungen in Anspruch nehmen, sondern auch Prozessbegleitung.

In Potsdam ist an die Opferberatung in der Jägerstraße 36 eine Traumaambulanz angeschlossen – dort finden Betroffene schnelle Hilfe bei akuter Traumatisierung.

Zu erreichen ist die Potsdamer Beratungsstelle unter der 0331/2 80 27 25. nf

Von Nadine Fabian

Sie war an diversen Zivilkammern des Potsdamer Landgerichts tätig, in der Staatskanzlei, im Justizministerium – und sogar in Aserbaidschan. Jetzt hat Richterin Anja Königsmann eine neue Sprosse auf der Karriereleiter erklommen.

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