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Potsdam Diese Potsdamer Produktionen hoffen auf den Deutschen Filmpreis
Lokales Potsdam Diese Potsdamer Produktionen hoffen auf den Deutschen Filmpreis
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11:52 11.01.2020
Schon zum 70. Mal wird der Deutsche Filmpreis verliehen. Quelle: Britta Pedersen/dpa
Berlin/Potsdam

Zum 70. Mal werden am 24. April in Berlin die Deutschen Filmpreise verliehen. Insgesamt haben es 27 Spielfilme mit Kinostart zwischen dem 1. Dezember 2018 und dem 28. Mai 2020 in die Vorauswahl geschafft. Und einige der goldenen Lola-Statuen, der wichtigste Filmpreis des Landes, könnten nach Potsdam gehen: Babelsberg als Film-Hotspot schickt vier Produktionen ins Rennen um die begehrten Preise. Die Entscheidung über die Preisträger fällen dann letztlich die mehr als 2000 Mitglieder der Deutschen Filmakademie.

Milou (Emilia Schüle) und Emil (Dennis Mojen) haben einen Traum. Quelle: Tobis

Eigenproduktion: Traumfabrik

Mit im Rennen: Das Liebesdrama Traumfabrik. Es entstand nicht nur in Babelsberg, es spielt auch hier – und ist die erste Eigenproduktion des Studio Babelsberg nach mehr als 20 Jahren. Das Ost-West-Liebesdrama spielt im Sommer 1961: Emil (Dennis Mojen), ein Komparse im Defa-Studio Babelsberg, verliebt sich bei den Dreharbeiten in das französische Tanzdouble Milou (Emilia Schüle). Als dann im August die Mauer gebaut wird, werden die beiden getrennt. Ein Wiedersehen scheint unmöglich, aber Emil will nicht aufgeben und startet ein eigenes Filmprojekt, um Milou für sich zu gewinnen.

Für den im Herbst verstorbenen Tom Zickler war „Traumfabrik“ ein Lebensprojekt. Hier ist er auf dem Studiogelände bei den Dreharbeiten zu sehen. Quelle: Julia Terjung

Der Produzent des Films war der große Geschichtenerzähler Tom Zickler, der im vergangenen Herbst nach kurzer Krankheit im Alter von nur 55 Jahren verstarb. „Traumfabrik“ war eines seiner Lieblingsprojekte, halb-autobiografisch noch dazu. Bei der großen Trauerfeier für Tom Zickler in Babelsberg wurde der Film noch einmal gezeigt.

Literatur: Känguru-Chroniken

Die geballte Ladung Potsdam steckt auch in „Die Känguru-Chroniken“. Ideengeber ist der in Babelsberg wohnende Liedermacher, Kabarettist und Kleinkünstler Marc-Uwe Kling. Der fröhliche Anarchist ist so wortgewandt wie pressescheu, er lässt lieber seine Werke für sich sprechen. Die mittlerweile vier Teile umfassenden Känguru-Chroniken waren ursprünglich mal als Podcast bei Radio Fritz gelaufen und hatten schnell Kultstatus weit über das Sendegebiet hinaus erreicht. Worum es geht? Nun: Ein Känguru, das einst beim Vietcong gekämpft hat und heute eine Vorliebe für Schnapspralinen hegt, lebt mit dem Erzähler in einer Wohngemeinschaft. Die Debatten der beiden über das politische Tagesgeschehen, über Philosophie und Ethik sind eigentlich schon die gesamte Handlung.

Pressescheu und wortgewandt: Der Babelsberger Marc-Uwe Kling. Seine Geschichten vom Känguru haben Kultstatus. Mit „Qualityland“ legte er ein ungewohnt ernstes werk nach. Quelle: Henning Kaiser/dpa

Die Dreharbeiten zum Kinofilm unter der Regie von Dani Levy (Regie bei „Alles auf Zucker“) begannen schon vor mehr als einem Jahr, der Kinostart wurde zuletzt vom Dezember 2019 auf den März 2020 verschoben. Produzenten des Streifens sind das ZDF und X-Filme – dessen Chefs wiederum die Babelsberger Produzenten Stefan Arndt und Manuela Stehr sind.

Preise in 19 Kategorien

Der Deutsche Filmpreis wird am 24. April in Berlin verliehen, es ist bereits die 70. Auflage der Preisverleihung. Mit knapp drei Millionen Euro Preisgeld ist er die höchstdotierte Kulturauszeichnung des Landes.

In 19 festen Kategorien werden die goldenen Lola-Statuen an die Sieger vergeben, in der Kategorie Bester Film gibt es zudem eine silberne und eine bronzene Lola. Nicht in jedem Jahr wird zudem der Bernd Eichinger-Preis im Gedenken an den 2011 verstorbenen Produzenten vergeben.

Die erfolgreichsten Streifen beim Filmpreis: „Nachts, wenn der Teufel kam“ (1958) und „Das weiße Band (2010)“ mit je zehn Auszeichnungen, gefolgt von „Das finstere Tal“ mit achte Preisen sowie, mit jeweils sieben Lolas, „Rossini“ (1997), „Good Bye, Lenin!“ (2003), „Das Leben der Anderen“ (2006) und „Drei Tage in Quiberon“ (2018).

Thalias Bester: Systemsprenger

Mit Systemsprenger geht ein Film ins Preis-Rennen, der die Potsdamer im vergangenen Jahr tief bewegte. Mehr als 7000 Menschen haben sich das Werk über das Mädchen Benni angesehen, das mit seinem Verhalten ihre Mutter und das Jugendhilfesystem an den Rand des Erträglichen treibt – es war der erfolgreichste Film im Babelsberger Thalia-Kino 2019.

Helena Zengel als Benni in „Systemsprenger“. Im Rennen um die Oscars ist der Film ausgeschieden. Quelle: Port au Prince Pictures

Der Produzent Peter Hartwig stammt aus dem Babelsberger Kiez, er ist der Haus- und Hofproduzent des Potsdamer Regisseurs Andreas Dresen und war an fast jedem seiner Filme beteiligt. Bei der Berlinale hat Systemsprenger bereits den Silbernen Bären abgeräumt,aus dem Oscar-Rennen ist der Streifen hingegen schon ausgeschieden. Peter Hartwig sagt: „Man muss Systeme sprengen, um wegzukommen von den eingefahrenen Bahnen.“

Musical: Noch nie in New York

Katharina Thalbach und Heike Makatsch als Mutter-Tochter-Gespann Maria und Lisa Wartberg wollen – die eine mehr, die andere weniger – einmal verrückt sein und aus allen Zwängen fliehen. Im Udo-Jürgens-Musical „Ich war noch niemals in New York“, das zum Teil in Babelsberg gedreht wurde, finden sich die beiden unversehens als blinde Passagierinnen auf einem Kreuzfahrtdampfer wieder. Romantische Verwicklungen sind, natürlich, ebenfalls an Bord.

Heike Makatsch als Lisa in einer Szene des Films „Ich war noch niemals in New York“. Quelle: Universal Pictures/dpa

Auch bei der in Babelsberg ansässigen staatlichen Filmförderung Medienboard Berlin-Brandenburg sind die Hoffnungen auf die Lolas groß. 26 Medienboard-geförderte Filme finden sich auf der Longlist, welche die Deutsche Filmakademie veröffentlicht hat. Medienboard-Geschäftsführerin Kirsten Niehus nennt das „einen inspirierenden Start in die deutsche Award Season“. Besonders freue sie sich, dass fast die Hälfte der nominierten Filme von Regisseurinnen realisiert wurde. „Wir freuen uns über die große Bandbreite des filmischen Schaffens und drücken die Daumen“, so Niehus. Wer dann letztlich wirklich nominiert ist, wird am 11. März bekanntgegeben.

Von Saskia Kirf

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