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Potsdam Villa Liegnitz wird für 7,8 Millionen Euro saniert
Lokales Potsdam Villa Liegnitz wird für 7,8 Millionen Euro saniert
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17:48 21.02.2019
Villa Liegnitz in Sanssouci wird saniert. Die zweijährigen Instandsetzungsarbeiten sollen Ende 2021 beginnen und 7,8 Millionen Euro kosten. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Sanssouci

Das Schlösserstiftung kann ein weiteres „Sorgenkind“ heilen: Ab 2021 wird die Villa Liegnitz von 1840/41 mit einem Kostenaufwand von 7,8 Millionen Euro saniert. Das hat Hochbau-Chef Volker Thiele am Donnerstag bei einer Gebäudebegehung gesagt. Das Geld kommt aus dem 400 Millionen Euro „schweren“ Sonderinvestitionsprogramm 2 des Bundes und der Länder Brandenburg und Berlin, mit dem auch die Meierei am Kuhtor saniert wird.

Projektleiter Demir Arslantepe bezeichnete die Maßnahmen als dringend; immerhin ist seit der letzten baulichen Veränderung von 1908 nichts Werterhaltendes an der Villa getan worden, die nach dem Tod von König Friedrich Wilhelm III. (3.8.1770 –7.6.1840) für dessen letzte Ehefrau Auguste Fürstin von Liegnitz (30.8.1800 –5.6.1873) gebaut wurde. Architekt war der Schinkel-Schüler Albert Dietrich Schadow.

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Der heutige Haupteingang der Villa ist schon einmal erneuert worden und der besterhaltene Teil des Gebäudes. Quelle: Bernd Gartenschläger

 

Ursprünglich gab es nur die Villa und abseits ein eher schlichtes, so genanntes Kavaliershaus für ihre technischen Einrichtungen und das Personal. 1908 verband man die beiden Bauten durch einen Mitteltrakt, verlegte das alte Treppenhaus dorthin und baute innen etliches um. Die Stiftung sieht aber auch die Änderungen als Teil des Denkmals an und will sie erhalten.

Um Gäste und Bedienstete von den Wohnräumen der königlichen Familienmitglieder fern zu halten, baute man 1908 diesen Fensterwand (rechts) mit einer gegenüber liegenden Spiegelwand ein. Rechts gab es Aufenthalts- und Empfangsräume. Quelle: Rainer Schüler

Bis 1945 nutzte Prinz August Wilhelm von Preußen (29.1.1887 –25.3.1949) die vergrößerte und umgebaute Villa als Wohnsitz, floh als Obergruppenführer der SA aber Anfang Februar 1945 vor der anrückenden Roten Armee. Das Gebäude-Ensemble ging 1950 in die Nutzung damaligen Pädagogischen Hochschule über, die dort ihren Fachbereich Zoologie einrichtete. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) Berlin-Brandenburg nahm 2005 das Objekt zurück und nutzte es bis 2017 als Dokumentations- und Informationszentrum.

Künftig sollen hier die Generaldirektion und die Genaralverwaltung der Stiftung unterkommen. Das baufällige so genannte Stibadium, ein klassizistisches Gartenhaus im Park der Villa, wird wird zeitgleich saniert, aber nicht mit Mitteln des Sonderinvestitionsprogramms 2.

Das Stibadium der Villa Liegnitz wird auch saniert. Quelle: Rainer Schüler

 

Bei der Begehung der weitläufigen, verlassen Villa wurde am Donnerstag deutlich, dass viel zu tun ist, um den letzten historischen Zustand von 1908 wiederherzustellen. So müssen Trennwände entfernt, Überputz-Rohrleitungen in Wände gelegt und eine möglichst unsichtbare Elektrik installiert werden. Außer in zwei Sälen wurden überall nüchterne Flachdecken eingezogen, hinter denen man Kasetten- oder Stuckdecken vermutet. Die Restauratoren ermitteln noch den originalen Farbinnenanstrich; bis zu sieben Schichten wurden seit der Bauzeit übereinandergelegt.

Geschichte der „Witwen-Villa“ Liegnitz

Die Villa Liegnitz entstand auf einem Vorgängerbau aus dem 18. Jahrhundert.

Der Schinkel-Schüler Albert Dietrich Schadow (1797 –1869) errichtete sie 1840/41 für Auguste Fürstin von Liegnitz (1800-1873) , zweite Ehefrau des Königs Friedrich Wilhelm III. (1770 –1840).

Die Fürstin bewohnte die Villa bis zu ihrem Tod.

1908 schuf der Architekt Otto Wittig den Verbindungsbau zum Kavaliershaus und baute den Komplex innen um für die Familie des Prinzen August Wilhelm von Preußen (1887 –1949).

Der Haupteingang sowie die Warte- und Empfangsräume daneben offenbaren eine reiche Ornamentik und Farbigkeit nach dem Vorbild pompejanischer Villen. Unter den neuzeitlichen Fußbodenbelägen dürfte sich altes Parkett verbergen, dessen Zustand man nicht kennt; man weiß laut Arslantepe also noch nicht, ob wieder Parkett gelegt wird.

Carl Daniel Freydank: Ansicht der Villa Liegnitz, 1844. Man sieht gut den Wintergarten mit den aufklappbaren Fenstern. Quelle: KPM-Archiv

 

Wiederhergestellt werden soll auf jeden Fall der schwer witterungsgeschädigte Wintergarten, dessen Vollverglasung von einem filigranen gusseisernen Stützenwerk getragen wird; man konnte die riesigen Fenster an einer drehbaren Achse aufklappen. Auch eine Fußbodenheizung gab es. Die Gitterkonstruktion ist aber verrostet. Wahrscheinlich muss sie abgebaut, aufgearbeitet und ergänzt werden.

Die Villa Liegnitz von 1840/41 wird in den Zustand des Umbaus von 1908 zurück saniert. Das kostet nach jetzigen Schätzungen 7,8 Millionen Euro des Bundes und der Länder Brandenburg und Berlin.

Von Rainer Schüler